Rodel-WM "Ein perfekter Tag"

Die deutschen Rodler holen bei der WM Gold in allen Disziplinen. Felix Loch übertrifft sogar seinen Mentor Georg Hackl – und Natalie Geisenberger steht nach Jahren als Zweite endlich ganz oben

 

WHISTLER Es ist nicht so, dass Natalie Geisenbergers Rodel-Karriere bisher nicht erfolgreich gewesen wäre: Die gebürtige Münchnerin, die am Dienstag ihren 25. Geburtstag feiert, hatte bisher fast alles gewonnen, was es zu gewinnen gibt: Deutsche Meistertitel, Europameistertitel – und Weltmeistertitel. Letztere allerdings nur in der Team-Staffel. Und deshalb war der erste Platz bei der WM im kanadischen Whistler eine Befreiung für Geisenberger – endlich angekommen, ganz oben. „Es fühlt sich so geil an. Ein perfekter Tag”, jubelte sie.


Felix Loch klang da ganz ähnlich: „Das ist einer der besten Tage in meinem Leben”, sagte der Weltmeister der Männer. Auch Tobias Wendl und Tobias Arlt im Doppelsitzer durften ihren Titel feiern – außerdem holte die Weltmeister-Riege auch noch den Sieg in der künftig olympischen Team-Staffel. Ein nahezu perfekter Auftritt der deutschen Rodler, die von zehn Möglichen Podestplätzen insgesamt acht belegten.


Felix Loch, gerade einmal 23 Jahre alt, überholte mit seinem Titel eine Legende: „Wenn ich böse wäre, könnte ich sagen, dass ich Schorsch Hackl mit der Anzahl der WM-Titel übertrumpft habe.” Aber eigentlich hat sich Hackl auch selbst übertrumpft: Schließlich ist der Kult-Rodler zum Mentor für Loch geworden, zudem zum persönlichen Schlittendoktor. Was Hackl ihm allerdings immer noch voraus hat, sind drei Olympiasiege. Da müsste sich Loch, liefe alles perfekt, noch bis 2018 gedulden.


„Sein größtes Plus ist seine mentale Stärke”, beschrieb Hackl einmal seinen Nachfolger. „Das ist Wahnsinn, wie cool der Hund ist.” Vor der WM in Kanada – an dem Ort, wo er 2010 Olympia-Gold gewann – ging er mit Hackl einfach mal eine Runde Skifahren. Andere Spitzensportler hätten sich kaum auf die Ski getraut, Loch erlebte einen schönen Tag.


Loch ist ausgebildeter Polizeimeister, hat damit für eine Zeit nach dem Rodeln vorgesorgt, privat lebt er mit Freundin Lisa höchst unaufgeregt zusammen. „Felix ist sehr selbstständig, er kann kochen, hat hauswirtschaftliches Talent und ist auch handwerklich begabt”, hat sein Vater, Bundestrainer Norbert Loch gesagt. Das gesunde Umfeld spiegelt sich auch in Felix’ Leistungen wider: „Wir schauen sorgenfrei in die Zukunft.”


Die Miesbacherin Natalie Geisenberger ist zwar schon zwei Jahre älter als Loch – steht aber ebenfalls vor noch vielen dominanten Jahren im Sport. In Kanada hat sie es zum ersten Mal geschafft, bei einem weltweiten Titelkampf ihre teaminterne Rivalin Tatjana Hüfner hinter sich zu lassen. Geisenberger und Hüfner mögen sich nicht: „Jede ist bissig, da wird es manchmal ein bisschen zickig”, formulierte es Norbert Loch. „Sie sind komplett unterschiedliche Typen. Tatjana, die den Weltcup seit Jahren dominiert hat, ist sehr introvertiert und genau. Natalie ist anders, sie ist enspannter und nicht so verbissen.”


Mit fünf Gesamtweltcupsiegen in Serie hat Hüfner, derzeit von Verletzungen gehemmt, ziemlich vorgelegt – in der Saison 2012/13 sieht es allerdings ganz nach einem Sieg von Geisenberger aus, die seit 2008 jeweils zweite wurde. Ihren Spitzenplatz will sie so schnell allerdings nicht mehr hergeben: „Ich habe immer gesagt, irgendwann kommt deine Zeit”, erklärte Geisenberger nach ihrer Siegfahrt. „Und jetzt ist sie da.”


Nicht nur wegen Geisenberger dürfte die Konkurrenz bereits vor Olympia 2014 in Sotschi zittern.

 

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