Rock Zeitreise mit dem Easy Rider

Der unverwüstliche Peter Maffay geht wieder auf Tour. Foto: dpa

Ein kräftiger Windhauch. Peter Maffay wirbelt durch die Luft. Das Konterfei des Deutsch-Rock-Urgesteins ist auf einem Becher abgebildet, der jetzt die Steintreppe auf dem Kalkberg hinabpurzelt. Dem echte Maffay, der im August seinen 62. Geburtstag feiert, kann die steife Brise freilich nichts anhaben. Er lässt es sich zumindest nicht anmerken.

 

In der Karl-May-Arena, hoch oben im Norden in Bad Segeberg, wo sich sonst Indianer und Cowboys prügeln, zeigt er, wie viel Leidenschaft auch noch nach 40 Jahren Bühnenpräsenz möglich sind: In einer weit aufgeknöpften Anzugweste steht er auf der Bühne, durchtrainiert und braungebrannt wie eh und je und lässt die 10000 jubeln.

Ein Easy Rider wie aus dem Bilderbuch. Man schnuppert geradezu das Benzin. Und auch ein bisschen Nostalgie schwingt mit: Vor mehr als 30 Jahren hatten Maffay und seine Band ihren ersten Open-Air-Auftritt überhaupt in Bad Segeberg. Münchner, die das erleben wollten, mussten mehr als 850 km anreisen.

„Ein Tourstart ist so, als würde man sich neu verlieben", wird Maffay nach dem Konzert sagen. In Bad Segeberg fliegen ihm die Herzen nicht erst zu, als er auf seiner Harley mit „Schatten in die Haut tätowiert” auf die Bühne brettert. Den ganzen Nachmittag über erschallten bereits die typischen „Päda”-Rufe in der Freiluft-Arena. „Und es war Sommer”, „Kein Weg zu weit”, „Sonne in der Nacht”, „Du”: Maffay muss mit seinen Hits nicht haushalten. Wie mit Tempo 200 rast er von einem Kracher-Song zum nächsten. Die feinen Töne des Volkswagen Philharmonic Orchestra, das die Tour begleitet, gehen bisweilen unter. Dann hat die Band für einen Song Verschnaufpause.

Vor der Bühne  kuscheln sich die Paare enger aneinander. Auf der Bühne singt Maffay von Liebe und Vergänglichkeit. „Ich gehör’ dir. Wenn nicht für immer dann wenigstens Ewig.” Maffays sanft-raue Stimme schwingt lässig mit auf dem dramatischen Klangteppich, für den die Streicher und Bläser des Volkswagen Philharmonic Orchestra sorgen.

Da ist dieses Gänsehautgefühl, wie man es vom Zusammenspiel von klassischen Instrumenten und Pop-Rock im besten Fall kennt. „Damit ihr mal hört, wie es klingt, wenn ein Orchester ungestört Musik machen kann”, hatte Maffay das Stück zuvor neckisch angekündigt. Das Publikum gibt Applaus. Maffay ist der Dirigent in diesem Zusammenspiel. Zu „Über sieben Brücken musst du gehen” holt er einen Jungen auf die Bühne. Vielleicht ist Hannes zu jung, auf jeden Fall kennt er den Text nicht. Also brüllen die übrigen 10000 nur umso lauter mit.

Als es dunkel wird, verabschiedet sich Maffay. Jetzt hört man, dass ihm der Wind doch zugesetzt hat. Er nimmt noch einen kräftigen Schluck Tee und schmeißt eine Hustenpastille ein. Dann gibt er nochmal alles für die Zugaben. Bei „Nessaja”, dem berühmte Tabaluga-Song , erhellen Wunderkerzen die Arena. Auf den Heimweg gibt „Päda”Seinen Fans noch eine für ihn typische Botschaft mit: „Haltet Euch fest und seid lieb zueinander.”

21. Juni, Olympiahalle, 20 Uhr, Karten kosten zwischen 33 und 80 Euro, Tel. 0180 / 54 81 81 81

 

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