Richard Strauss Festival Garmisch Mit Gerassimez auf dem Gipfel

Alexej Gerassimez und Hyoli Togawa auf der Terrasse der Sonnenalm am Wank-Gipfel – im Hintergrund (in Wolken) der Wetterstein. Foto: RBR

Beim Garmischer Strauss-Festival gibt es heuer ein Konzert mit Musik für Schlagzeug auf dem Gipfel des Wank

 

"Top-Musik an Top-Locations“ lautet das Motto des Garmischer Richard-Strauss-Festivals, das heuer vom 21. bis 29. Juni dauert. Neben Liederabenden, Kammermusik und zwei Orchesterkonzerten vor der Kulisse von Kloster Ettal gibt es auch zwei Konzerte auf den Bergen im Werdenfelser Land. Am 23. Juni ist der Pianist Piotr Anderszewski mit Bach und Beethoven auf der Zugspitze zu hören, einige Tage später spielen der Percussionist Alexej Gerassimez und seine Frau, die Bratschistin Hyoli Togawa auf dem Wank – bei schönem Wetter auf der Terrasse der Bergstation, bei schlechtem Wetter drinnen.

AZ: Herr Gerassimez, Sie stammen aus Essen. Haben Sie überhaupt eine Beziehung zu den Bergen?
ALEXEJ GERASSIMEZ: Ich war als Kind mit meinen Eltern und Geschwistern regelmäßig im schweizerischen Wallis im Urlaub. Sechs Wochen lang haben wir jedes Jahr die Berge abgewandert. Berge und Urlaub sind für mich seitdem identisch.

HYOLI TOGAWA: Bei mir war das auch so.

GERASSIMEZ: Wir hatten da eine eigene Tradition. Bei der Fahrt mit dem Autozug durch die Berge haben wir immer eine Cassette mit der Alpensinfonie von Richard Strauss gehört. Nach ungefähr 20 Minuten, bei der Stelle „Durch Dickicht und Gestrüpp auf Irrwegen“ sind wir vom Zug wieder herunter und Serpentinen gefahren. Seitdem liebe ich dieses Stück. Ich bewundere, welche Klangfarben Richard Strauss aus dem Orchester herausgeholt hat.

Sie spielen am Wank aber nichts von Richard Strauss.
TOGAWA: Man könnte da was an den Haaren herbeiziehen. Aber wir wollen in seinem Sinn musikalische Farben entdecken, die man zu seiner Zeit noch nicht kannte.

Die Kombination aus Bratsche und Schlagzeug ist ziemlich ungewöhnlich.
GERASSIMEZ: Ich habe viele Bratschen in der Familie. Meine Mutter spielt Bratsche, meine Tante auch.

TOGAWA: Bei mir waren es mein Großvater, mein Onkel, eine Tante.

GERASSIMEZ: Alles ist voller Bratschen. Ich bin mit dem Klang aufgewachsen.

TOGAWA: Neben Cello und Klarinette steht die Bratsche der menschlichen Stimme am nächsten ist. Für mich als australisch-japanische Rheinländerin ist die Bratsche das Instrument, das mir meine Sprache, meine Stimme und mein zu Hause gibt. Und als Mutter merke ich, dass Gesang ein ganz natürliche Ausdruck ist: Auch unmusikalische Frauen singen ihren Kindern vor.

GERASSIMEZ: Wir Schlagzeuger werden, wie die Pianisten, nie wirklich auf unseren Instrumenten singen können. Aber wir können uns dem Gesang annähern. Aber in jeder menschlichen Kultur gibt es neben dem Gesang auch Rhythmus und Tanz und damit Schlaginstrumente. In ihnen liegt eine Urkraft.

TOGAWA: Diese beiden Elemente wollen wir in unserem Konzert zusammenbringen.

Mit der Natur kommt bei diesem Konzert auf dem Wank noch eine dritte Urgewalt dazu.
TOGAWA: Wenn man es schafft, das Publikum an einem solchen Ort zusammenzubringen, mit Blick auf den Wetterstein und die Zugspitze, ist das für mich auch ein Akt des Friedens. Man holt die Leute aus ihrem Alltag heraus, wir verneigen uns gemeinsam vor der Kunst und der Natur. Diese demütige Haltung, als Mensch gegenüber der Natur, als Künstler gegenüber der Musik und das Publikum gegenüber den Künstlern macht das Musikerlebnis aus, das sich auf einem Berg gesteigert erleben lässt.

Was spielen Sie eigentlich?
GERASSIMEZ: Das Repertoire für Bratsche und Percussion ist überschaubar. Wir spielen unter anderem Musik von Manuel de Falla und Astor Piazzolla. Der Katalane Ferran Cruixent hat für uns ein Duo geschrieben, das versucht, eine gemeinsame Sprache zwischen beiden Instrumenten zu finden. Denn ich muss schon darauf aufpassen, dass ich nicht alles platt mache.

Gibt es Berührungspunkte zwischen der Musik und der Natur?
TOGAWA: Ich vergleiche, wenn ich Studierende unterrichte, Sechzehntelketten oft mit Bergketten. Alle Spitzen sehen auf den ersten Blick gleich aus. Aber wenn man genau hinsieht, erkennt man ihre Verschiedenheit und Vielfalt. Auf diese Weise erreicht man Tiefe – mit Achtsamkeit und einem offenen Blick.

GERASSIMEZ: Wenn ich über eine Phrasierung nachdenke, ist die Natur immer die Referenz. Ich schaue aus dem Fenster und sehe einen Baum, der nach oben hin immer schmäler wird. Natürlich kann ich auch mit der Natur brechen – als künstlerische Entscheidung.

Auftritte sind für Musiker auch mindestens so anstrengend wie eine Bergwanderung.
GERASSIMEZ: Im Konzert kann man als Musiker nicht wie mit der Gondel hochfahren. Man muss sich die Stücke wie den Berg Schritt für Schritt erobern. Dafür schmeckt das Käsebrot am Gipfel dann umso besser.

TOGAWA: Auf dem Weg zum Gipfel kann man jede Blume und jeden Wasserfall genießen. Trotzdem: Aber allein die Fahrt mit der Wankbahn hat mir schon etwas gegeben.

Konzert und Dinner in der Sonnenalm auf dem Wank, Do, 27. Juni, 17.30 Uhr, Karten (119 und 99 Euro) unter www.muenchenticket.de
 


Eine Auswahl aus dem Programm

Eröffnungskonzert François Leuleux, Oboe, Camerata Salzburg, 21. und 22. Juni, Werdenfels Aula

Nacht der Poesie mit Michael Wollny, Klavier, Christian Brückner, Sprecher und Heinz Sauer, Saxofon, 22. Juni, Werdenfels Aula

Musikwanderung mit Alois Lösl, Bergführer und Anna Sysová, Klarinette, 23. Juni, 14 Uhr, Partnachklamm

Top of Germany: Klavierabend und Dinner auf der Zugspitze mit Piotr Andrzewski, 24. Juni

Liederabend mit Golda Schulz und Jonathan Ware, Konzertsaal , Schloss Elmau, 26. Juni, 20.30 Uhr

Open Airs mit dem Sinfonieorchester Prag am 28. Juni in Ettal mit Asmik Gregorian (Sopran) und Alexander Liebreich (Dirigent) und 29. Juni mit Jean-Guihen Queyras (Cello) und Cornelius Meister (Dirigent)

KARTEN UND INFOS: http://www.richard-strauss-festival.de. Karten bei Münchenticket, teilweise mit Bustransfer ab Garmisch
 

 

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