Rezepte zum Nachkochen Leibspeise aus der Heimat: Gschmackiges von Geflüchteten

AZ-Lokalredakteurin Jasmin Menrad.
Von links: Katharina Pflug, Anna Niedermeier und Nora Scholz. Foto: Katharina Pflug

Flüchtlinge haben ihre Leibspeise aus der Heimat verraten. AZ-Leser können die Rezepte nachkochen.

 

München - Die Zwiebel steht für Zusammengehörigkeit. Weil, so erklärt es Anna Niedermeier vom Kochbuchprojekt "Recipes Welcome", auf der ganzen Welt mit Zwiebeln gekocht wird.

Für das Kochbuch haben Niedermeier, Nora Scholz und Katharina Pflug mit Flüchtlingen aus 14 Ländern ihre Leibspeisen gekocht. "Auf Reisen lieben wir es, unbekanntes Essen zu probieren kaum zurück, sind wir wieder im gewohnten Trott", sagt Niedermeier. Deshalb sind sie in Flüchtlingsunterkünfte in München, Fürth und Nürnberg gegangen, um die Rezepte und Geschichten unserer neuen Nachbarn zu sammeln, mit ihnen zu kochen und das Essen professionell zu fotografieren. Vor Weihnachten wollen sie die 60 Rezepte in einem hochwertigen Kochbuch herausbringen.

Finanzieren wollen sie das über eine Crowdfunding-Kampagne. Schon jetzt kann man das Buch für 25 Euro bestellen, um so den Druck zu finanzieren. Wenn das nicht klappt, gibt’s das Geld zurück.

Hier verraten Flüchtlinge aus der Bayernkaserne ihre Leibspeise.


Ruket lebt seit zweieinhalb Jahren in München.
Ruket lebt seit zweieinhalb Jahren in München.

Tschetschenische Taschen

Manty heißen die Nudeltaschen mit Hackfleisch, die Ruket mitgebracht hat.

Ruket (44) kam vor zweieinhalb Jahren aus dem Süden von Tschetschenien mit ihrem behinderten Bruder nach Deutschland.

Die Wirtschaftswissenschaftlerin floh, als Bomben auf ihr Haus fliehen.

Zutaten:
5 Zwiebeln, 1 kg Rinderhackfleisch, Salz, Pfeffer, 100 g Crème fraîche, 100 g Mayonnaise, 6 Knoblauchzehen, ½ Bund Koriander, ½ Bund Dill, 500 g Mehl, 300 ml Wasser, 1 ½ TL Salz, Öl zum Auspinseln.

Zubereitung:

  • Zwiebeln sehr fein würfeln und mit dem Hackfleisch vermengen. Anschließend mit 4 TL Salz und 2 TL Pfeffer würzen.
  • Crème fraîche, Mayonnaise und den gepressten Knoblauch zu einer Soße verrühren. Koriander und Dill fein hacken und dazugeben. Abschließend mit Salz und Pfeffer abschmecken. Zur Seite stellen.
  • Mehl mit dem Salz in eine weitere Schüssel geben, 300 ml kaltes Wasser hinzufügen und zu einem festen Nudelteig kneten. Den Teig mit einem Nudelholz auf einer gemehlten Fläche zirka 1 mm dick ausrollen.
  • Mit einem Messer den ausgerollten Teig in 5x5 cm große Stücke schneiden. Jeweils ½ TL der Fleischmasse in die Mitte des Teigstücks legen. Alle vier Ecken nach oben klappen und festdrücken. Dann die zwei linken und rechten Ecken noch mal zusammendrücken.
  • Topf mit Dämpfeinsatz gut mit Öl auspinseln und die fertigen Teigtaschen mit etwas Abstand einschichten. Die untere Topfschale mit Wasser füllen und aufkochen.
  • Dann die Dämpfeinsätze gefüllt übereinanderstapeln und 30 Minuten dämpfen. Alternativ kann auch in einem Bambuskorb oder einer anderen Vorrichtung gedämpft werden.
  • Die Manty mit der vorbereiteten Soße servieren.

Mombole will Krankenschwester werden.
Mombole will Krankenschwester werden.

Kochbanane mit Erdnuss

Die frittierten Bananen mit Erdnusssoße werden im Kongo gegessen.

Mombele (25) ist im Norden des Kongos aufgewachsen, dort hatte ihre Familie einen großen Garten mit Mangos, Bananen und Erdnüssen. Der Vater von Mombele war Soldat und als sich die politische Situation änderte, musste die Familie fliehen. In München möchte Mombole eine Ausbildung zur Krankenschwester machen.

Zutaten:
4 Kochbananen, Pflanzenöl zum Frittieren, 200 g Erdnussbutter oder ganze Erdnüsse.

Zubereitung:

  • Kochbananen schälen und in fingerdicke Scheiben schneiden. Eine Pfanne zwei Finger hoch mit Pflanzenöl füllen und leicht erhitzen. Die Kochbananen 15 Minuten frittieren bis sie goldbraun sind. Die Bananen ausbacken und warm stellen.
  • Die Erdnüsse schälen und im Mixer zu Mus pürieren. In das Erdnussmus eine Kelle Frittieröl geben und gut verrühren, bis sich eine cremige Konsistenz ergibt.
  • Soße über die frittierten Bananen träufeln.


Samson, seine Frau Folashade und ihre Tochter Precious.

Hendl und Leber aus Nigeria

Iresi heißt der gebratene Leber-Gemüse-Reis mit Hähnchen von einer Familie aus Westafrika.

Precious heißt die Tochter von Samson und seiner Frau Folashade aus Nigeria. Das bedeutet "wertvoll" und drückt ihre Dankbarkeit aus, dass sie nach Jahren auf der Flucht seit sechs Monaten hier in München leben.

Samson hat in Nigeria als Kakaohändler gearbeitet und besaß eine kleine Farm. Doch die Familie wurde erpresst, nach und nach wurden Verwandte getötet. Als ein enges Familienmitglied umgebracht wurde, verließ die Familie Hals über Kopf ihre Heimat. In Deutschland haben sie schon ein neues Lieblingsgericht für sich entdeckt: Pasta mit Tomatensoße. Hier aber stellen sie ihre Leibspeise aus Nigeria vor.

Zutaten:
4 Karotten, 3 Paprika, 2 Zwiebeln, 350 g tiefgekühlte Erbsen, 500 g Rinderleber, 4 TL Salz, 5 Würfel Gemüsebrühe, 5 TL Currypulver, 750 g Hähnchenteile (mind. 2 Schenkel), 1 kg parboiled Reis, Sonnenblumenöl zum Frittieren.

Zubereitung:

  • Erbsen auftauen. Karotten, Paprika und die Zwiebel schälen und würfeln.
  • Die Rinderleber waschen, in den Topf geben, mit Wasser bedecken. Dazu 2 TL Salz, 1 Brühwürfel und 1 TL Currypulver. 20 Minuten köcheln lassen.
  • In einen zweiten Topf die Hähnchenteile geben und mit so viel Wasser auffüllen, bis das Fleisch zur Hälfte bedeckt ist. Eine Zwiebel in Halbringe schneiden und diese mit 1 TL Salz ins Wasser geben. 1 Brühwürfel hineinbröseln, aufkochen und 10 Minuten leicht köcheln lassen.
  • Den Reis in warmem Wasser waschen. Eine Pfanne gut mit Sonnenblumenöl befüllen und erhitzen und Hähnchenstücke frittieren, bis sie von allen Seiten goldbraun sind und warm halten.
  • In einem Topf zusammen die beiden Brühen erhitzen, mit 4 TL Curry, 2 TL Salz und 2 Brühwürfeln abschmecken. Zum Kochen bringen, Reis hinzugeben, 20 Minuten kochen.
  • Die gekochte Leber wird, wie das Gemüse, in kleine Würfel geschnitten. Über alle gewürfelten Zutaten etwas Brühe bröseln und vermischen.
  • In der Pfanne, in der vorher die Hähnchenstücke frittiert wurden, Karottenwürfel geben und kurz frittieren. Herausnehmen und mit den Erbsen, der Paprika, der Zwiebel und der Leber wiederholen. Alle fertig frittierten Würfel vermischen.
  • In einer sehr großen Pfanne den Boden mit Öl bedecken und erhitzen. Abwechselnd eine Kelle gekochten Reis und eine Kelle Gemüse hineingeben und anbraten. Mit dem frittierten Hähnchen servieren.
 

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