Rettet die Löwen "Bekennt Farbe!"

S. Schneider (1860/EHC): Er leidet mit den Fußballern des TSV 1860, er feiert mit den Kufen-Cracks des EHC. Kompetent und leidenschaftlich: Stefan Schneider ist als Stadionund Hallensprecher die Stimme des Münchner Sports. Foto: Rauchensteiner

Hier erklärt Stadionsprecher Stefan Schneider, warum eine Fußball-Stadt wie München neben den Roten unbedingt die Blauen braucht – und wieso er bereits seit 44 Jahren Anhänger ist.

Es gibt keinen großen Verein auf dieser Welt, der ganz allein sein will in seiner Stadt. Das ist in Hamburg so, in Mailand auch. Und natürlich ist das auch bei uns in München so. Diese tolle Stadt bietet unbedingt Platz für zwei Vereine, außerdem macht Fußball ja auch nur dann Spaß, wenn es eine echte Rivalität auf den Straßen gibt. Deswegen denke ich, braucht München neben dem FC Bayern unbedingt auch weiterhin die Löwen. Jeder Pol braucht seinen Gegenpol, sonst verlagern sich die Kräfte nur auf eine Seite. Und das will niemand, genau deswegen sucht sich Dortmund ein Schalke und Köln ein Gladbach. Rivalitäten sind doch das Schönste, was es im Fußball gibt.

Außerdem ist es nicht nur ein Spruch, dass 1860 Münchens große Liebe ist. Nein, dass dieser Satz wahr ist, erlebe ich bei mir in Schwabing hautnah mit. Am Elisabethmarkt, auf den Straßen. Für die Leute wäre es das Schlimmste, wenn die Löwen auf einmal nicht mehr da wären.

Außerdem habe ich in letzter Zeit wieder festgestellt, dass es eben nicht mehr so ist, dass die Leute es hip und angesagt finden, jede zweite Woche zu der Mannschaft zu gehen, die immer gewinnt. Viele würden liebend gerne wieder öfter zu 1860 gehen, auch viele junge Leute, die einfach Lust haben, dem Schwächeren zu helfen und sich nicht immer nur mit dem Verein brüsten wollen, für den immer die Sonne scheint.

Leider hat 1860 zuletzt sportlich einfach zu wenig dafür getan, dass die Leute kommen. Klar, das waren keine Delikatessen, die es da im Stadion gab. Da habe auch ich mich als Sprecher schwer getan, wenn man fünf Mal nacheinander daheim nichts holt. Da fällt’s schwer, für Stimmung zu sorgen. Aber ich bin mir sicher: Lass’ die Mannschaft mal wieder ein paar Spiele in Folge zu Hause gewinnen, dann vermehren sich die Zahlen ruckzuck. Dann macht’s auch wieder richtig Spaß für alle. Ich kenne die Leute doch aus dem Effeff, die zögern einfach länger als bei anderen Vereinen.
Die letzten Tage waren natürlich auch für mich nicht einfach. Ich bin ja dabei, seitdem mich mein Großvater als Fünfjährigen mit ins Grünwalder genommen hat. Das war 1967, leider war ich erst ein Jahr nach der Meisterschaft zum ersten Mal mit. Aber die Begeisterung hat mich trotzdem von Anfang an gepackt, und seitdem bin ich durch und durch blau. Seitdem weiß ich, dass 1860 der Verein ist, für den man sein Herz öffnet, dem man immer treu bleibt, mit dem man leidet und zittert. Und mit dem man umso schöner feiert, wenn es was zu feiern gibt.

Natürlich ist es schade, dass wir ausgerechnet jetzt, wo es um die Existenz geht, nicht mehr um den Aufstieg spielen. Die Situation wäre doch eine ganz andere, wenn wir jetzt auf einem dieser Kitzelplätze da oben stehen würden und noch Chancen hätten. Aber genau deswegen, weil eben sportlich nichts mehr geht, müssen die Leute jetzt ihre Solidarität und ihren Zusammenhalt zeigen.
Der Verein braucht jetzt jeden Fan und natürlich auch jeden Cent an Eintrittsgeld. Das muss sich jeder Löwe noch mal bewusst machen. Und wenn wir wieder so ein Highlight hinlegen wie zuletzt gegen Karlsruhe, als es auch für mich endlich mal wieder eine große Freude war, gleich fünf Tore ansagen zu dürfen, dann kommen die Leute langsam wieder zu uns. Jetzt gibt es kein Zögern mehr, man darf nicht mehr beleidigt oder enttäuscht sein. Jetzt muss jeder Fan Farbe bekennen und sein Löwen-Herz zeigen. Die Blicke in die Vergangenheit müssen ausgeblendet werden, jetzt geht's um unsere Existenz. Jetzt geht's nur noch um 1860.

 

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