Restaurants und Wirtshäuser Münchner Lokale: Hygiene-Sünder an den Pranger!

48 Lebensmittelkontrolleure des Münchner Kreisverwaltungsreferats (KVR) sind unterwegs, um Lokale und Lebensmittelbetriebe zu kontrollieren – und werden fündig. Foto: imago

Missstände in Küchen und Betrieben: Seit kurzem sind Mängel im Netz offen aufgelistet, darunter in sechs Betrieben in München. Erste Klagen gegen die Veröffentlichung laufen.

 

München - Schimmel und Schmutz. Im Ausbildungsrestaurant „Roecklplatz“ sind die Lebensmittelkontrolleure der Stadt fündig geworden. Am 20. September war das. Noch bis vor kurzem hätte niemand von diesen Missständen erfahren. Doch jetzt sind sie veröffentlicht. Seit September sind die Behörden verpflichtet, Verstöße offen zu legen – sofern sie ein Bußgeld in Höhe von mehr als 350 Euro erwarten lassen (AZ berichtete).

Und so ist auf der eigens dazu eingerichteten Seite des Landesamts für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit (www.lgl.bayern.de) jetzt zu lesen, dass es in dem Wirtshaus in der Isartalstraße „Schimmelbefall bei Gerätschaften im Verkaufsbereich“ gab. Kühlgeräte seien in „mangelhaftem Zustand“ gewesen. Und auch die Sauberkeit im Produktionsbereich ließ zu wünschen übrig.
Die Hygienemängel seien inzwischen beseitigt, steht da. Bauliche Mängel würden gerade noch behoben. Recht viel präziser sind die Angaben in diesem und anderen veröffentlichten Fällen nicht. Aber sie reichen, um einem den Appetit zu verderben.

Der neue Hygiene-Pranger umfasste bis gestern Nachmittag 25 Einträge aus Bayern. Ein halbes Jahr lang bleiben Betriebe, in denen Verstöße festgestellt wurden, im Netz. Bevor überhaupt etwas dort aufgelistet wird, haben die „schwarzen Schafe“ Gelegenheit, sich zu äußern. Und gegebenenfalls rechtliche Schritte einzuleiten. Der erste Eintrag betraf Ende September „türkischen Ayran“ in Nürnberg. Der war ohne Kühlung transportiert worden.

Sechs Mal sind Betriebe aus München aufgeführt. Besonders eklig: In einem Lebensmittel-Einzelhandel am Peschelanger 13 haben Kontrolleure Schädlingsbefall „im Verkaufsbereich und in der Verkaufskühltheke (für Fleisch)“ festgestellt. Dieses Fleisch wurde von den Behörden-Mitarbeitern als „nicht sicheres Lebensmittel“ eingestuft. Auch hier seien die Mängel inzwischen beseitigt, heißt es.

Mit kleinen Tieren hatte zwischenzeitlich offenbar auch ein Backshop am Harras 15 ein Problem. Dort monierten die Prüfer „Schädlingsbefall im Verkaufsbereich“. Es seien Lebensmittel verkauft worden, die unter unhygienischen Zuständen hergestellt wurden.

Auch bei den Meldungen aus anderen Städten kann einem als Verbraucher anders werden. So fanden sich bei einem Pilze-Handel aus Bodenwöhr litauische Pfifferlinge, bei denen der zulässige Grenzwert für Pflanzenschutzmittel weit überschritten war.

Ein Hotel in Kelheim dagegen hatte bloß ein Problem mit Fruchtfliegen.

Wie viele Menschen nutzen das neue Angebot, sich über die Hygiene in den Betrieben ihrer Region zu informieren? Laut dem Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit ist die Liste seit ihrer Freischaltung bereits 41.770 mal aufgerufen worden. „Das Informationsangebot wird gut angenommen“, heißt es dort.

Beim Kreisverwaltungsreferat, zu dem 46 Kontrolleure gehören, hegt man aber Zweifel, ob der Hygienepranger in seiner jetzigen Form Bestand haben wird. Die ersten Klageverfahren von Betrieben, die sich gegen eine Veröffentlichtung wehren, laufen bereits. Derzeit reicht für eine Veröffentlichung ein zu erwartendes Bußgeld von 350 Euro. Will heißen: einen rechtskräftigen Bußgeldbescheid braucht’s gar nicht. Es reicht der begründete Verdacht. Und auch die Summe hält KVR-Chef Wilfried Blume-Beyerle für zu niedrig angesetzt. 350 Euro? „Die sind rasch verhängt.“

„Ob das die feine Art ist?“

Im „Roeckl“ schrien sich die Leute gestern ziemlich oft an. Aber nicht, weil das Ausbildungsrestaurant in der Isartalstraße auf der Liste des Gesundheitsamtes gelandet war, sondern wegen dem Lärm der Bohrmaschinen. Es wurde renoviert.

Das Konzept des Roeckl: Benachteiligte Jugendliche bekommen hier eine Chance – in Form einer Ausbildung zur Servicefachkraft oder Koch. 2010 wurde das Roeckl mit dem Bundesverdienstkreuz ausgezeichnet. Jetzt ist es auf der Schmäh-Liste gelandet.

„Natürlich habe ich mich wahnsinnig geärgert“, sagt Inhaberin Sandra Forster. „Und einen Riesenanschiss gab’s auch. Es ist manchmal nicht einfach, eine Küche, die unter brutaler Geldnot zusammengeschustert wurde, sauberzuhalten.“ Öffentliche Zuschüsse bekommt das Roeckl nicht mehr. „Wir sind trotzdem zufrieden – das Restaurant läuft gut und die Azubis machen sich super“, sagt die Chefin.

Die Mängel im Roeckl sind behoben. Sandra Forster: „Ob das die feine Art ist, das online anzuprangern, weiß ich nicht.“

„Für mich ist das ein Tiefschlag“, sagt Franz F. (Name geändert) zur Auflistung seines Betriebs im Hygiene-Pranger. Eine ganze Latte von Verstößen hatten Kontrolleure des KVR am 4. September entdeckt. Die Probleme sind längst behoben. „Aber ich darf wegen ein oder zwei unachtsamen Mitarbeitern davon ausgehen, dass der Laden für immer geschädigt ist“, sagt der Inhaber.
„Es war nicht so sauber, wie es sich gehört“, gibt F. zu. Er sei im Urlaub gewesen, und seine Vertretung nahm es offenbar nicht so genau mit den Sauberkeits-Vorschriften. Als er zurück war, war alles gelaufen: „Ich hatte keine Möglichkeit zu reagieren.“

Die Mängel bei der Schädlingsbekämpfung seien aufgehängte Fliegenfänger gewesen. Und die Hygienemängel? Eine offene Tür zum Toiletten-Vorraum. „Mit dem Dauerzustand hatte das nichts zu tun“, so der Münchner zur AZ. Dass er jetzt ein halbes Jahr lang am Internet-Pranger steht, findet er „überhaupt nicht gut“.
 

 

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