Residenztheater So ist das Projekt „Playing :: Karlstadt“ - die AZ-Kritik

Das Residenztheater recherchiert zu Liesl Karlstadt. Foto: Konrad Fersterer

Für das Projekt „Playing :: Karlstadt“ lädt das Residenztheater zum Spaziergang durch die Ludwigsvorstadt

 

Lustig ist es nicht. Wer sich auf den anarcho-folkloristischen Humor von Karl Valentin freut, ist am falschen Platz. Die sich um seinen Sidekick Liesl Karlstadt rankende Performance des Residenztheaters findet nicht einmal im Residenztheater statt. Wie schon vor fünf Jahren, als das Künstlertrio Raum + Zeit (Bernhard Mikeska, Alexandra Althoff, Lothar Kittstein) Eurydike in der Unterwelt des Cuvilliéstheaters aufsuchte, verlässt es den schützenden Theaterraum und lädt für das Projekt „Playing :: Karlstadt“ zu einem Spaziergang durch die Ludwigvorstadt.

Dort trifft der Zuschauer auf Liesl und Karl, um einen intensiven Albtraum aus einer tiefen Beziehung und den dazugehörigen Abhängigkeiten, Anziehungen und Abstoßungen zu erleben. Alles beginnt am Standort des Frankfurter Hofs, wo sich 1911 der Volkskomiker und die Soubrette erstmals begegnet sind. Heute steht dort das Hotel Kraft und ist der Startpunkt für die über Kopfhörer geführte Tour. Auch die Monologe der Darsteller steigen damit buchstäblich zu Kopf, wenn man mit den Figuren ganz alleine ist.
Das muss man schon mögen: ungeprobt die halbe Besetzung von theatralischen Aktionen zu sein. In einem Zimmerchen des Hotels Mariandl, durch das das Flair des ganz frühen 20. Jahrhunderts noch immer weht, kommt Frau Karlstadt gerade vom Klo und gibt den Grundton vor, der den Rest der Veranstaltung bestimmt. Vor allem geht es um Identität: Wer bist du? Was willst du? Wohin willst du? Was glaubst du eigentlich zu sein? Pauline Fusban rückt ihrem Besucher, der in diesem Moment Karl Valentin spielt, ganz dicht auf die Pelle.

Unentrinnbare Zweisamkeit

Noch klaustrophobischer wird es im Keller eines Hauses in der Nachbarschaft. Der Weg führt in einem Zeitsprung zum Valentin der unmittelbaren Nachkriegszeit. Alfred Kleinheinz haust auf einem Pappkarton und überhäuft den Besucher ebenso mit bitteren Vorwürfen wie auch euphorischen künstlerischen Zukunftsplänen.

Dann spaziert man zurück ins Jahr 1935 nach einem Selbstmordversuch der Karlstadt. Sie kam in die unweit gelegene Psychiatrie, in dessen Hörsaal nun Bibiana Beglau recht aggressiv und auch ein wenig gespenstisch auf Karl lauert.

Mit Hanna Scheibe im steril beleuchteten Container wiederholt sich die Situation im Hotel, wenn auch ohne nostalgisches Ambiente. Alle vier Resi-Ensemblemitglieder sind nicht nur immer wieder auf der Bühne beeindruckend, sondern auch im intimen Tête-à-tête. Was fehlt, ist das, was man dramatische Entwicklung nennen könnte. Das Spiel mit Karlstadt fokussiert sich ausschließlich auf die zwanghafte Unentrinnbarkeit dieser Zweisamkeit und bleibt überraschungsfrei statisch. Das einzige, was sich in dieser Stunde bewegt, ist der durch die Straßen eilende Zuschauer.

Hotel Kraft (Schillerstraße 49), wieder am 13., 18., und 22. Mai sowie am 9., 11. und 17 . Juni, ab 17.30 Uhr, Karten sind unter Telefon 21 85 19 40 erhältlich

 

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