Rekrutierung in München Spektakulär! BND sucht an der LMU Nachwuchs

Der BND wirbt im Audimax der LMU um Studierende – die Ränge sind dabei doch recht gut gefüllt. Foto: Daniel von Loeper

Der Bundesnachrichtendienst (BND) versucht mit Vorträgen an Universitäten neues Personal für sich zu gewinnen - zum Beispiel Studenten der LMU.

 

München - Mit dem vermutlich größten Klischee räumt Michael Willkomm gleich zu Beginn auf: "Was Sie in Actionfilmen sehen, hat mit der Realität unserer Arbeit nichts zu tun", erklärt er den Studenten im Audimax der Ludwig-Maximilians-Universität.

Die Enttäuschung darüber, dass bei der Veranstaltung "Berufsmöglichkeiten für Juristen beim BND" keine neuen James Bonds oder Jason Bournes gesucht werden, scheint sich bei den Jura-Studenten aber in Grenzen zu halten. Sie alle bleiben sitzen und hören sich weiter an, wie sie denn nun wirklich aussehen könnte, eine Karriere beim Bundesnachrichtendienst.

"Transparenzoffensive" des BND

Immer mehr hat sich der BND in den vergangenen Jahren geöffnet und eine sogenannte "Transparenzoffensive" ausgerufen. Zu der gehört auch eine deutlich offensivere Nachwuchssuche als früher. Denn die Anforderungen an den Nachrichtendienst steigen stetig. 400 Berichte verfasst der BND inzwischen jeden Monat. Deutlich mehr als noch vor zehn Jahren.

"Wir brauchen Experten in allen Bereichen", so Willkomm. Denn auch wenn sich die Veranstaltung an diesem Tag speziell an Juristen richtet, sucht der BND auch Politikwissenschaftler, Ingenieure, Kulturwissenschaftler und vieles mehr. Über 400 Berufsgruppen sind derzeit bei der Behörde beschäftigt.

Der Nachrichtendienst will also aufklären – und stößt dabei trotzdem immer wieder an seine eigenen Grenzen. Denn auch wenn die Zeiten, in denen nicht einmal der eigene Ehepartner wusste, wenn der oder die Angetraute beim BND war, vorbei sind, kann die Behörde nach wie vor nicht alle ihre Karten offen legen. Fotografiert werden sollen weder Willkomm noch sein Begleiter, letzterer möchte auch namentlich nicht in der Zeitung stehen.

Nicht zu viele Details verraten

Und auch den Studenten dürfen die beiden nicht zu viele Details über ihre Karriere verraten. "Wir können nur bis zu einer gewissen Tiefe darüber reden, was wir gemacht haben", so Willkomm. Was die Studenten wissen dürfen: Willkomm ist seit über 25 Jahren beim BND, 20 davon verbrachte er mit der "Beschaffung von Informationen, die von außen- und sicherheitspolitischer Bedeutung für die Bundesrepublik Deutschland sind", wie es im ersten Paragraf des Gesetzes über den Bundesnachrichtendienst heißt. Sein Kollege ist als Jurist beim BND.

Und so erzählen die Beiden den Studenten über die Geschichte, Rechtsgrundlage, Aufträge, Einstiegsmöglichkeiten und Gehalt beim Nachrichtendienst – immer natürlich ohne zu viel zu verraten. Auch bei den Anforderungen an die Bewerber gibt es nur einige konkrete Eckpunkte: Kommunikativ sollten sie sein, fachlich qualifiziert und die deutsche Staatsangehörigkeit besitzen. Im Idealfall bringen sie Sprachkompetenzen mit und interessieren sich für Außenpolitik und fremde Kulturen. Wichtig ist außerdem natürlich die Fähigkeit, Dinge für sich behalten zu können.

Dass sich der BND auch über solche Kriterien hinaus seine Bewerber ganz genau anschaut, scheinen viele Studenten zu wissen, doch bei Detailfragen wird es wieder schwierig mit der absoluten Transparenz.

BND ohne Geheimagentenmythos

Ob eine doppelte Staatsangehörigkeit bei der Bewerbung zum Problem werden könnte, will eine junge Frau aus dem Publikum wissen. Das komme ganz darauf an, so Willkomm: "Wir prüfen jeden Einzelfall." Ähnlich sind die Antworten auf Fragen nach Vorstrafen, längeren Auslandsaufenthalten und auch Profilen auf sozialen Netzwerken.

Trotzdem scheint der BND auch ohne Geheimagentenmythos als Arbeitgeber attraktiv zu sein. Das gut gefüllte Audimax leert sich bis zum Ende der rund zweistündigen Veranstaltung nur unwesentlich. Wie viele Studenten danach nach Hause gingen und ihre Facebook-Einträge auf Nachrichtendienst-Qualitäten überprüften, ist nicht überliefert.

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