Regine Sixt Kinderhilfe Stiftung AtemReich: Wahre Liebe ist echte Hilfe

Jason (links unten), genannt „der Professor“, hat alles im Blick. Daniel ist glücklich auf dem Arm „seiner“ Regine. Das Team und Lina freuen sich mit. Foto: Sigi Müller

Seit 25 Jahren engagiert sich Regine Sixt für benachteiligte und kranke Kinder – nicht nur mit Geld und guten Taten. Die Unternehmerin weiß, was Kinder wirklich brauchen: Liebe

"Diese Frau hat keine Berührungsängste!", stellt Felicitas Hanne fest, die Leiterin des Kinderhauses AtemReich. "Diese Frau" – Hanne meint damit Regine Sixt, die erfolgreiche Unternehmerin und Vorstandsvorsitzende der Regine Sixt Kinderhilfe Stiftung. Mit ihr ist die AZ zum Interview verabredet – und zur Übergabe eines Schecks in Höhe von 10.000 Euro an das Haus AtemReich. Ein Drittel des Geldes war bei der Gala-Tombola zum 70. Geburtstag der Abendzeitung zusammengekommen, für die Kinderhilfe. Die AZ rundete auf 5.000 Euro auf – und Regine Sixt verdoppelte den Betrag noch, so dass schließlich die stolze Summe von 10.000 Euro übergeben werden kann.

Doch es sollen noch Stunden vergehen, bis es dazu kommt. Denn die Frau mit der Mission "Tränchen trocknen", die sich seit 25 Jahren konsequent für das Wohl benachteiligter und kranker Kinder engagiert, hat gerade Wichtigeres zu tun: Sie hat den kleinen Daniel auf dem Arm, den sie schon von ihren vielen Besuchen – ohne Medienbegleitung – kennt und der sich heute als besonders anhänglich erweist.


Engagiert für das Wohl und die Würde von Kindern: Regine Sixt (l.) und Felicitas Hanne. Foto: Sigi Müller

Jedes Mal, wenn die Pflegerin ihn in sein Zimmer bringen möchte, klammert er sich an "seiner" Regine fest. Die hatte zuvor schon die kleine Lina umsorgt, die heute das AZ-Team durch das "AtemReich" führen möchte. Dass sie dies vom Rollstuhl aus machen wird, fällt angesichts der großen Persönlichkeit der Kleinen nicht weiter auf. Lina ist kognitiv vollkommen auf der Höhe. Sie kann sprechen und lernt via Augenbewegungen ein Computerprogramm zu steuern, mit dem sie sich eines Tages auch ohne Worte mitteilen könnte.

Andere Kinder können nur mehr über ihre Herzfrequenz kommunizieren – wenn das Herz schneller schlägt, kann das Freude bedeuten oder auch Kummer und Schmerz. Wie lässt sich das eine vom anderen unterscheiden?

Ein würdevolles Leben trotz schwerer Krankheit

"Dazu braucht es Sensibilität, die wir im Zusammensein mit den Kindern entwickeln", erklärt Felicitas Hanne. Wie die anderen Kolleginnen und Kollegen des insgesamt 120-köpfigen Teams ist Hanne eine wichtige Bezugsperson für die aktuell 16 Kinder im Haus Atemreich, die dauerbeatmet werden müssen oder eine Beatmung benötigen werden. Sie wohnen in einem familienähnlichen Umfeld und werden so intensiv versorgt, dass sie trotz ihrer Krankheit oder Behinderung ein würdevolles Leben führen können. Dabei sind die Ursachen, die letztlich dazu führen, dass die zwischen Ein- und 17-Jährigen nicht eigenständig atmen können, ganz unterschiedlicher Natur: Manche Kinder weisen seltene genetische Veränderungen oder Syndrome auf, die noch gänzlich unerforscht sind. Andere Kinder hatten Unfälle – manche wären fast ertrunken.

Auch die Einschränkungen der einzelnen "AtemReich"-Kinder sind individuell ausgeprägt, ebenso wie ihre Fähigkeiten. In der Gruppe der Jugendlichen sind die meisten schwerst mehrfach behindert. Andere, speziell die ganz Kleinen, sind oft noch in der Lage, miteinander zu spielen. Manche sind nach einiger Zeit im Haus Atemreich wieder so fit, dass sie nach Hause entlassen werden können.

Daniel etwa, der kleine Fan von Regine Sixt – er kam nach einem Klinikaufenthalt und in einem sehr instabilen Zustand in das Kinderhaus AtemReich. Inzwischen hat er sich so gut stabilisiert, dass er bald nach Hause darf. "Leider ist das eher eine Ausnahme denn eine Regel", erklärt Hanne.

"Aber wenn diese Wunder geschehen, dann ist das für alle natürlich etwas besonders Schönes, Kostbares."

Und wie geht man mit dem Wissen um, dass ein Kind in absehbarer Zeit vielleicht sterben wird? "Es ist schwer auszuhalten, wenn ein Kind bei uns stirbt. Die ganze Atmosphäre des Hauses verändert sich dann, auch die anderen Kinder spüren, dass eines der ihren jetzt nicht mehr mit ihnen ist. Zu wissen, dass wir es auf seinem Weg bis zum Tod begleiten durften, seine Würde wahren und letzte kleine Wünsche erfüllen durften – das ist dann aber wiederum für uns wie ein Geschenk." Die Kinder sollen Freude fühlen können, wünscht sich Hanne – auch durch das Miteinander mit den anderen Kindern und dem Pflegeteam. "Wenn man hautnah mitbekommt, dass manche Kinder nicht einmal zwei oder drei Jahre ‚alt‘ werden und in dieser kurzen Zeit so unfassbar viel zu geben haben – das geht zutiefst unter die Haut."

Auch Regine Sixt ist bei jedem ihrer Besuche aufs Neue berührt: "Die Kleinen sind für mich ganz große Helden. Ich hab‘ sie alle so sehr in mein Herz geschlossen – und ich habe den größten Respekt vor den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern, die sich dieser verantwortungsvollen Aufgabe angenommen haben." Keine leeren Worte: Bei jedem Besuch werden sie wie beste Bekannte von der Unternehmerin herzlich begrüßt und ebenso wie die Kinder reich beschenkt.

Pflegerinnen und Pfleger zu finden, ist laut Hanne für das Haus Atemreich das Schwierigste. Sie hat sogar schon einmal ein Casting in Spanien veranstaltet und tatsächlich Mitarbeiter rekrutieren können.


Wer sich als Pfleger/in bei AtemReich bewerben möchte, findet weitere Infos unter: www.atemreich.de

 

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