Razzia bei Rechtsextremen Auch ein Münchner steht unter Terror-Verdacht

Mitglieder der rechten Gruppe Wodans Erben gehen am 12. Oktober 2019 durch Münchens Innenstadt – hier in der Pacellistraße nahe des Bayerischen Hofs. Einer von ihnen, Frank H. (4.v.l. und rechts), wurde am Freitag festgenommen und sitzt in U-Haft. Foto: imago

Der Sanitärinstallateur Frank H. aus Laim soll die rechte Gruppe "Der harte Kern" unterstützt haben – und sitzt jetzt in U-Haft.

 

München - Wer die rechte Szene in München verfolgt, kennt sein Gesicht: Frank H., ein großer Mann mit hageren Wangen, Narben am Kinn und zahlreichen Falten, umrahmt von aschblonden, langen Zottelhaaren, meist zum Zopf gebunden.

Der Münchner ist einer der führenden Köpfe der rechtsextremistischen Gruppe "Wodans Erben" in Bayern (W.E.G. Bayern) – einer Art Bürgerwehr, die im letzten Jahr mehrfach auf provokante Art und Weise durch München gezogen ist.

Polizeirazzia bei Verdächtigen am Freitag - auch in München

Frank H. ist zudem einer von 13 Männern, deren Wohnungen die Bundesanwaltschaft letzten Freitag durchsuchen und anschließend festnehmen ließ. Der Vorwurf: Vier der Männer im Alter zwischen 31 bis 60 Jahren sollen sich zu einer rechtsterroristischen Gruppe zusammengeschlossen haben, acht weitere sollen deren Unterstützer sein – und Anschläge auf Politiker, Muslime und Flüchtlinge geplant haben. Sie sitzen in Untersuchungshaft.

Zum Kern dieser Gruppe rechnet die Bundesanwaltschaft noch einen fünften Mann. Er wurde jedoch als Einziger nicht festgenommen. Einem ARD-Bericht zufolge soll der Mann umfangreiche Informationen über die Gruppe an die Ermittler weitergegeben – offenbar bereits Anfang Oktober 2019. Die Bundesanwaltschaft in Karlsruhe äußerte sich dazu nicht.

Gruppe soll schnell handlungsbereit gewesen sein

Weil der Kontakt des Mannes zur Polizei in der vergangenen Woche abgerissen sein soll, habe das federführende Landeskriminalamt Baden-Württemberg einerseits um dessen Sicherheit gefürchtet, andererseits Sorge vor spontanen Taten der Gruppe gehabt, hieß es. Die Staatsschützer hatten die Gruppe, die sich der "Welt am Sonntag" zufolge "Der harte Kern" nannte, offenbar schon seit fünf Monaten im Visier. Die Planungen der Gruppe galten in Sicherheitskreisen als "besonders ernstzunehmender Fall" – weil die Männer, die sich in einer Telegram-Chatgruppe kennengelernt und nur zweimal getroffen haben sollen, "schnell handlungsbereit waren".

Die Mitglieder sollen Angriffe auf sechs Moscheen in kleineren Städten geplant haben. Einer der Männer soll den Auftrag erhalten haben, Waffen zu beschaffen. Nach Informationen aus Sicherheitskreisen zählen zu den Waffen, die bei den Razzien in der vergangenen Woche gefunden wurden, Äxte, Schwerter und Schusswaffen, dazu noch selbst gebaute Handgranaten.

Gefährliche Sprengsätze gebaut

Die Konstruktion dieser Sprengsätze war so sensibel, dass der Kampfmittel-Räumdienst sie zunächst nicht einmal berühren wollte, berichtet die ARD. Ebenfalls beunruhigend: Ermittlern zufolge sei die Gruppe mit insgesamt 13 Personen viel größer gewesen als viele Vorgängergruppen.

Laut Bundesanwaltschaft hatte die Gruppentreffen Werner S., ein gelernter Restaurator aus dem Raum Augsburg, koordiniert. Der 53-jährige soll früher offenbar auch in München gelebt haben. Vor ein paar Jahren jedenfalls ist er aufs Land gezogen, in das kleine Dorf Mickenbach im Landkreis Augsburg, schreibt die taz. Der Mann sei jedoch eher unbekannt im Dorf, keiner habe was mitbekommen, erzählt der Bürgermeister.

Die Polizei hingegen bekam viel mit: Sie stufte Werner S. vor ein paar Monaten als sogenannten Gefährder ein, wie der "Spiegel" berichtete. Dem Magazin zufolge soll der Name auch vor Jahren auf einer internen Interessentenliste der NPD München aufgetaucht sein.

Komplizen aus ganz Deutschland

Unterstützt wurde Werner S. offenbar von Tony E. (39) aus Niedersachsen (Landkreis Uelzen). Zum Kern der Gruppe sollen außerdem noch der 35-jährige Thomas N. aus Nordrhein-Westfalen (Kreis Minden-Lübbecke) und der 47-jährige Michael B. aus Baden-Württemberg (Raum Esslingen) gehört haben. Am vorletzten Samstag sollen sich dann mehr als zehn Leute im westfälischen Minden getroffen haben.

Welche konkrete Rolle der Münchner Frank H. dabei spielte, ist noch unklar. Die Bundesanwaltschaft teilte zu dem Fall mit: "Die acht mutmaßlichen Unterstützer sollen... zugesagt haben, die Vereinigung finanziell zu unterstützen, Waffen zu beschaffen oder an zukünftigen Anschlägen mitzuwirken."

Münchner führende Kraft bei "Wodans Erben"

Frank H. stammt aus Laim, soll verheiratet sein und als Heizungs- und Sanitärinstallateur bei einem Münchner Unternehmen beschäftigt gewesen sein. Seine Gruppe "Wodans Erben" wird vom Verfassungsschutz beobachtet. Auf ihren Patrouillengängen vorbei an Flüchtlingsunterkünften oder der Münchner Synagoge tragen die Mitglieder schwarze Jacken und T-Shirts mit dem Gruppennamen und zwei gekreuzten Äxten. Einmal drangen sie in die Moosacher Asylbewerberunterkunft ein und versetzten dort die Bewohner in Angst und Schrecken.

Bundesinnenminister Horst Seehofer (CSU) hat jetzt ein härteres Vorgehen gegen Rechtsextreme angekündigt. Dies gelte auch für Mitarbeiter im öffentlichen Dienst, sagte er gegenüber der "Süddeutschen Zeitung".  Hintergrund: Bei einem der Verdächtigen handelt es sich um einen Verwaltungsmitarbeiter der Polizei in Nordrhein-Westfalen.

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