Rathaus Siggi Schneider: So wurde ich über den Tisch gezogen

„Ich war zu leichtgläubig“: Weil Malermeister Siggi Schneider Geld für sein Geschäft brauchte, holte er eine Inkassofirma an Bord. Foto: bayernpress.com

Nach dem Rauswurf bei der CSU packt er aus: Eine Inkasso-Firma wollte angeblich sein Malergeschäft sanieren

 

NÜRNBERG Sein Parteibuch wird Siggi Schneider nicht zurückgeben. Auch wenn die CSU-Fraktion den Malermeister und Club-Vizepräsidenten mit ruhendem Vereinsamt ausgeschlossen hat. Und auch, wenn sich Schneider, der auf der Parteiliste in den Stadtrat nachrückt, sehr über den Chef der Rathaus-CSU ärgert. Sebastian Brehm hatte ihm das Misstrauen ausgesprochen, weil Schneider im Zuge der Insolvenz seines Malergeschäfts wichtige Fragen nicht beantwortet hat.

Am 3. Februar wird Schneider als Stadtrat vereidigt. „Dann hat die CSU eine Stimme verloren. Ich werde als Fraktionsloser im Stadtrat mitarbeiten“, sagt Schneider. In der AZ sprechen er und sein Anwalt erstmals über die Insolvenz. „Es war vielleicht ungeschickt, dass ich nicht schon früher in die Öffentlichkeit gegangen bin“, sagt Schneider.

"Da war ich zu leichtfertig"

Aber erst jetzt sei das Insolvenzverfahren eröffnet worden und der Insolvenzverwalter habe Einblick. Und erst jetzt dürfe er reden!

Begonnen hat alles im Herbst 2008. Das Malergeschäft geriet in eine Krise. Schneider brauchte dringend 50.000 Euro. Weil er sie woanders nicht bekam, ging er auf das Angebot eines Inkassobüros ein, dessen Namen er aber nicht nennt. Das versprach, das Unternehmen bis Ende 2009 schuldenfrei zu stellen. „Es war mein Fehler, das zu glauben. Da war ich zu leichtfertig. Die haben mich über den Tisch gezogen. Das kann man so sagen.“

Denn als Sicherheit verlangten die neuen Geldgeber, dass ihnen Schneider 80 Prozent seiner Anteile überschreibt und alle Geldströme künftig über das Konto des Inkassobüros laufen, erläutert Schneiders jetziger Anwalt Klaus Otto. Ein leitender Angestellter des Inkassobüros übernahm die Prokura von Schneiders Unternehmen.

Seit März 2009 liefen alle Rechnungen über die InkassoFirma. Seitdem erhielt Schneider kein Geld mehr. „Er arbeitete praktisch umsonst“, sagt Otto. Und deshalb bekam der Malermeister offenbar auch nicht mit, dass die Inkassofirma das Geschäft gar nicht sanierte. Es wurden keine Kredite beantragt und Zahlungen nicht geleistet.

"Da wird sich der Siggi durchsetzen"

Erst als Schneider als persönlich haftender Gesellschafter verklagt wurde, war klar, dass etwas schiefgelaufen war. Es musste Insolvenz beantragt werden – obwohl nach Ottos Worten Aufträge in Höhe von 250.000 Euro vorlagen. Er kommt zu dem Schluss, dass die vermeintlichen Sanierer Kosten von 200.000 Euro verursachten. „Es wurden keine Strafbefehle gegen Herrn Schneider verhängt“, stellt Otto klar. „Sein Führungzeugnis weist keinen Eintrag auf. Es ist auch kein strafrechtliches Ermittlungsverfahren bekannt.“ Schneider sagt zudem zu, „dass die Gläubiger bezahlt werden“.

Er plant zuversichtlich für die Zukunft. Mit der Malerei wird er aufhören und künftig „im Baubereich“ tätig sein. Auch beim Club („Ich trenne die Politik und meinen Verein!“) will er sich, wenn der 1.FCN es will, wieder um die Betreuung der Fans kümmern. Und auch im Stadtrat hat er sich einiges vorgenommen: „Der Siggi Schneider wird das nächste halbe Jahr Politik lernen. Da bin ich ein Kämpfer, da wird sich der Siggi durchsetzen. Da werden alle noch staunen!“ Michael Reiner

 

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