Rathaus Hier gibt Willy Prölß seinen größten Schatz an die Stadt

„Nichts ist älter, als die Zeitung von gestern“, sagte Willy Prölß (Mitte, mit Kulturreferentin Julia Lehner und Archivdirektor Michael Diefenbacher) bei der feierlichen Vermachung seiner Dokumente. Und trotzdem hob er sie auf, zur Freude von Geschichtsforschern und des Stadtarchivs. Foto: bayernpress.com

Der Altbürgermeister vermachte dem Nürnberger Stadtarchiv Dokumente aus 119 Jahren Familien- und Zeitgeschichte

 

NÜRNBERG Eine Stadt in grauer Asche, durchzogen von amerikanischen Sondereinheiten, die hinter den blassen Gesichtern der überlebenden Deutschen Nazisilhouetten entlarven sollen. Willy Prölß erinnert sich noch sehr lebhaft an die Tage nach der Kapitulation im Mai 1945. Zu der Zeit muß es gewesen sein, als der jetzt 79-jährige Altbürgermeister (1972-1996) und Ehrenbürger Nürnbergs anfing, Zeitungen und Dokumente aufzuheben.

Um seine Erinnerungen auch anderen Menschen zugänglich zu machen, vermachte Prölß am Montag einen Teil seines Zeitungsarchivs sowie Dokumente seiner Familie, die einen Zeitraum von 1887 bis zur WM im Jahr 2006 abdecken, dem Stadtarchiv Nürnberg. Vor allem die Verordnungsblätter der Alliierten Militärregierung in Nürnberg zeigen ebenso wie Ausgaben des „Bayerischen Tags“ sehr eindrucksvoll das Chaos und die Ohnmacht der ersten Wochen im von Amerikanern besetzten Nürnberg.

"Erstaunliche Farbe und Vitalität für die Stadtgeschichte"

Die zeitgeschichtlichen Dokumente „verleihen der Stadtgeschichte erstaunliche Farbe und Vitalität“, betonte Michael Diefenbacher, Archivdirektor des Stadtarchivs Nürnberg. Ebenfalls enthalten sind Unterlagen von Prölß’ Urgroßvater, der von der Oberpfalz nach Amerika auswanderte, dem Großvater, der aktiven Widerstand gegen Hitler leistete und dadurch im KZ landete sowie Briefwechsel mit SPD-Urgestein Kurt Schumacher. Gerade die Zeitzeugnisse, die aus der Phase kurz nach dem Zusammenbruch des Dritten Reiches stammen, dürften für die Stadt, die einst die Reichsparteitage ausrichtete, enorm wertvoll sein.

Ein Ende der Dokumentenflut scheint im Übrigen noch nicht in Sicht, lagern doch immer noch haufenweise Zeitzeugnisse in Prölß’ Privatarchiv, die auf eine Veröffentlichung warten. CS

 

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