Rassistischer Motivwagen "Asylabwehr"-Panzer: Wie weit darf die Faschingsgaudi gehen?

Dieser Motivwagen erhitzt die Gemüter: Panzerattrappe mit der Aufschrift "Asylabwehr" Foto: dpa

Ein Motivwagen erhitzt beim Faschingsumzug in Steinkirchen die Gemüter: Um eine Panzerattrappe entbrennt deutschlandweit die Diskussion, wieviel Narrenfreiheit an Fasching erlaubt ist.

 

Steinkirchen - Von Reichertshausen schlängelt sich der "Gaudiwurm" des OCV jedes Jahr vier Kilometer nach Steinkirchen. Die kleinen Gemeinden unweit von Ingolstadt taugen normalerweise nicht für Schlagzeilen. Es geht es gemütlich zu. Seit Sonntag ist alles anders. Eine Panzerattrappe mit der Aufschrift "Ilmtaler Asylabwehr", die beim Faschingsumzug mitfuhr, hat einen Sturm der Entrüstung ausgelöst.

Gerade eine Woche ist es her, dass die AfD-Vorsitzende Frauke Petry den Einsatz von Waffen gegen Flüchtlinge an den deutschen Grenzen nicht ausschloss. Der zum Wehrmachtspanzer gestaltete Wagen samt Spruch kann als Unterstützung der Forderung aus der rechtspopulistischen Partei gesehen werden.

In den sozialen Netzwerken hagelt es Kritik. "Ich schäme mich für Euch" ist noch einer der harmloseren Kommentare, der sich an Veranstalter in Oberbayern richtet. Der "Oberilmtaler Carneval-Verein" (OCV) ist eine honorige Gesellschaft. Zum "Hofstaat" gehört auch Konrad Moll, der für die Unabhängige Wählergemeinschaft (UWG) im Gemeinderat von Reichertshausen sitzt. Jahr für Jahr organisiert der 52-Jährige den Faschingszug, auf den alle im Ort mächtig stolz sind. So auch am Sonntag.

Vielen Zuschauern war die Panzerattrappe schon von den beiden vergangenen Jahren bekannt, als sie ebenfalls mitfuhr - 2015 in Anspielung auf die schlechte Ausrüstung der Bundeswehr. "Das sind friedliebende Burschen", sagt Moll über das Brüderpaar aus der Nachbargemeinde Petershausen, das den Wagen fuhr. Fremdenhass will er den jungen Männern jedenfalls nicht unterstellen.

Die seitlich angebrachten Schriftzüge "Ilmtaler Asylabwehr" und "Asylpaket III" seien ihm in der Hektik bei der Abnahme der Wagen gar nicht aufgefallen, rechtfertigt sich Moll. Auch ein anwesender Polizeibeamter habe beim Anblick der Panzerattrappe keine Einwände erhoben.

OCV weist Rassimusvorwürfe von sich

Fremdenfeindlichkeit sei im OCV kein Thema. An der Spitze des sechs Kilometer langen "Gaudiwurms" seien sogar Asylbewerber mitmarschiert. "In der Kindergarde tanzt ein Mädchen mit schwarzer Hautfarbe mit", versichert Moll. Und dennoch: "Ich muss mich entschuldigen", sagt der Organisator des Faschingstreibens, "mir war die Tragweite nicht bewusst."

Auch Bürgermeister Reinhard Heinrich (CSU) lässt auf seine Narren nichts kommen. Der OCV trage maßgeblich zur Brauchtumspflege im Ort bei, lobt der Rathauschef den Verein. Und doch spricht er von einem großen Schaden, der durch die Teilnahme der Panzerattrappe entstanden sei. "Es ist dumm, in der jetzigen Zeit ein Thema so aufzubereiten", sagt Heinrich. Das vernichtende Echo auf den Faschingswagen bedauert der Bürgermeister umso mehr, als demnächst knapp 80 Asylbewerber im Ort untergebracht würden. "Im Helferkreis arbeiten über 50 Leute mit", so Heinrich. "Wir haben keine Probleme mit Flüchtlingen."

Auf der Facebook-Seite des Vereins hagelt es Kritik an dem Faschingswagen. "Dadurch legt Ihr die Lunte für den nächsten Brandanschlag auf ein Flüchtlingsheim", heißt es dort etwa oder "Satire hört dort auf, wo Rassismus anfängt". Ein anderer fragt: "Was kommt als nächstes? Erschossene Flüchtlinge an einem Grenzzaun, getrieben durch das Dorf, damit der besorgte Bürger etwas zu lachen hat?"

Ethnologe: Fasching darf das

Weniger kritisch sieht es Rainer Wehse, ehemals Dozent am Institut für Volkskunde und Europäische Ethnologie der Münchner Ludwig-Maximilians-Universität. Die Fastnacht sei schon immer gesellschaftskritisch gewesen. "Diese Rügefunktion ist eine ganz wichtige Funktion der Fastnacht", so Wehse. An Fasching sei daher sehr vieles, auch politisch Unkorrektes, erlaubt. Wehse wohnt selbst in Reichertshausen und hat den Panzer am Sonntag nur kurz gesehen - die Attrappe sei "grenzwertig", aber "relativ harmlos", empfindet er. Sie spiegele wider, was große Teile der Bevölkerung derzeit über die Flüchtlingskrise dächten.

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Der Wagen in Oberbayern ist kein Einzelfall. Auch im thüringischen Wasungen gibt es Ärger um einen Motivwagen mit ausländerfeindlichem Zungenschlag. Dargestellt wurde eine riesige Lokomotive, auf der die Worte "Balkan-Express" und "Die Plage kommt" zu lesen waren. In beiden Fällen ermittelt die Staatsanwaltschaft. Sie muss herausfinden, ob Volksverhetzung vorliegt.

 

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