Rassismus-Vorwürfe Stadt ändert umstrittenen Straßennamen

Johannes Itten, ein Künstler, sollte der Namensgeber sein - doch seine Vita hat einen dunklen Fleck. Foto: az

Johannes Itten, ein Künstler, sollte der Namensgeber sein - doch seine Vita hat einen dunklen Fleck.

MÜNCHEN - Das hat Seltenheitswert: Gestern hat der Kommunalausschuss eine Straße entnannt, noch bevor sie überhaupt existiert.

Was es damit auf sich hat? Auf dem Gelände der ehemaligen Funkkaserne sollen vier Straßen, die im Neubaugebiet entstehen werden, in Zukunft nach Bauhaus-Künstlern benannt sein. So ist es im vorigen Herbst beschlossen worden. Eine davon hieß also bereits Johannes-Itten-Straße – auch wenn es sie bislang nur auf dem Reißbrett gibt.

Eine Namenswahl, die in einem Artikel in den „Münchner Lokalberichten“ (einem Blatt das sich selbst als antifaschistisch, antiimperialistisch und antikapitalistisch bezeichnet) gegeißelt wurde. „Stadt will Straße nach Rassentheoretiker benennen“, lautete die Überschrift. Im Text wurde erklärt, dass Itten zwar ein bekannter Bauhaus-Designer gewesen sei, aber auch der „prominenteste Vertreter der rassistischen Mazdaznan-Sekte in Deutschland“.

Zu den Lesern dieser kleinen Zeitschrift gehört auch der grüne Stadtpolitiker Sigi Benker: „Ich habe das Ganze erstmal intern angesprochen“, berichtet er. Der Rats-Fraktionschef gab die Information ans Direktorium der Stadt weiter. Ergebnis: Johannes Itten soll in München jetzt doch keine Straße kriegen.

Itten sei Mazdaznan-Anhänger gewesen, erklärt das Kommunalreferat. Und damit Anhänger „einer religiösen Lehre mit zarathustrischen, christlichen und hinduistischen Merkmalen, die durch ihre rassistischen Elemente eine Affinität zur Ideologie des Nationalsozialismus aufweist“.

Also: Kommando zurück. Jetzt wird ein neuer Bauhauskünstler gesucht – oder lieber eine Künstlerin – nach der die Ex-Itten-Straße künftig heißt.

CSU-Stadtrat Hans Podiuk nannte es „relativ ungewöhnlich“, dass eine Straße nach so kurzer Zeit wieder entnannt wird. Und wollte wissen, wie die Recherche-Wege der Verwaltung seien. Der designierte Kommunalreferent Axel Markwardt erklärte: Das Vermessungsamt würde sich zunächst mal selbst im Internet über die Straßennamensgeber informieren. Dann würden Auskünfte vom Stadtarchiv und gegebenenfalls vom Bundesarchiv in Berlin eingeholt. Wobei gelte: „Je unbekannter eine Person ist, desto schwieriger ist es, Flecken auf der Vita zu finden.“ Dass dabei etwas durchrutscht? Markwardt: „Es ist das erste Mal, dass ich es erlebe.“

 

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