Rassismus-Debatte Football-Stars klagen NFL an: "Nicht schweigen!"

Quarterback-Star Patrick Mahomes von den Kansas City Chiefs fordert von der NFL ein klares Statement. Foto: David J. Phillip/AP/dpa/dpa

Die NFL tut sich seit Jahren schwer, mit dem Thema Rassismus in der Öffentlichkeit umzugehen. Als Colin Kaepernick 2016 seinen Protest begann, erfuhr er keine Unterstützung. Jetzt gehen Football-Stars die Liga direkt an - ihre Forderungen in einem Videoclip sind deutlich.

 

Los Angeles - Den American-Football-Stars reicht es. "Wir werden nicht schweigen!", sagen eineinhalb Dutzend Profis in einem emotionalen Videoclip und klagen ihre eigene NFL inmitten der aktuellen Rassismus-Krise an.

Keine zwei Wochen nach dem gewaltsamen Tod des Afroamerikaners George Floyd und nach Tagen massivster Proteste und Ausschreitungen fragen die Stars um Super-Bowl-Champion Patrick Mahomes die National Football League: "Wie oft müssen wir euch bitten, auf eure Spieler zu hören? Was muss dafür passieren? Muss erst einer von uns durch Polizei-Brutalität getötet werden?"

"Was, wenn ich George Floyd wäre?", fragen neben Mahomes (Kansas City Chiefs) die Star-Receiver Odell Beckham Jr (New York Giants) und Michael Thomas (New Orleans Saints), Running Back Ezekiel Elliot (Dallas Cowboys) und Quarterback Deshaun Watson (Houston Texans).

Die Spieler sind wütend und enttäuscht. Die brutale Tötung von Floyd, der in Minneapolis von einem Polizisten minutenlang mit dem Knie im Nacken zu Boden gedrückt wurde und danach starb, hat die Debatte in der NFL um Rassismus und Polizeigewalt wieder enorm angefacht.

Schon 2016 hatte der damalige Quarterback der San Francisco 49ers, Colin Kaepernick, die Polizeigewalt gegen Schwarze zum Anlass für einen friedlichen Protest genommen und während des Abspielens der Nationalhymne gekniet. Die Liga unterstützte Kaepernick damals nicht, er hat seit 2017 keinen Vertrag mehr bei einem NFL-Team bekommen. Von Kritikern und Leuten wie Donald Trump wurde er gar heftig beschimpft.

NFL-Boss Roger Goodell sprach Floyds Familie sein Beileid aus und sagte: "Es bleibt ein dringender Handlungsbedarf." Die Liga sei sich ihres Einflusses bewusst und nehme ihre Verantwortung an. Man wolle die Themen mit Spielern, Clubs und Partnern angehen. Am 4. Juni teilte die NFL mit, dass sie an der Seite der schwarzen Community stehe, denn "Black Lives Matter".

Für viele sind das leere Worthülsen, schon allzu oft gehört. In dem 72 Sekunden langen Online-Clip erinnern die Profis auch an andere von Polizisten getötete Schwarze wie Eric Garner oder Trayvon Martin und stellen klar: "Wir haben ein Recht, friedlich zu protestieren."

Just dieser von Kaepernick initiierte Protest spaltete viele Fans in den USA. Einige werteten die Aktionen als respektlos gegenüber der Flagge der Vereinigten Staaten. Just in dieser Woche sorgte auch Quarterback Drew Brees für Aufsehen, als er sich im Rückblick gegen Kaepernicks Protest aussprach. Selbst Teamkollegen reagierten empört - der Super-Bowl-Champion von 2009 bat mehrfach um Entschuldigung.

Nun ist die von schwarzen Spielern, aber weißen Teambesitzern geprägte Liga an der Reihe, sagen die eineinhalb Dutzend Profis. Ihre Forderungen sind deutlich: "Das wollen wir, die Spieler, von euch hören: Wir, die National Football League, verurteilen Rassismus und die systematische Unterdrückung von Schwarzen. Wir, die National Football League, geben zu, dass wir unsere Spieler fälschlicherweise davon abgehalten haben, friedlich zu protestieren. Wir, die National Football League, glauben, dass schwarze Leben zählen."

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