Raser vor Gericht "Mario Kart" auf dem Mittleren Ring gezockt: Illegales Autorennen?

, aktualisiert am 26.10.2018 - 07:18 Uhr
Der Angeklagte Daniel K. mit seinem Anwalt. Foto: Daniel von Loeper

Daniel K. wird verurteilt, weil er laut Polizei mit mehr als 180 Sachen durch die Innenstadt gerast ist. 

 

München - Kein Mensch ist bei der Aktion verletzt worden, deshalb kann man vielleicht doch einmal kurz darüber lachen, was der Angeklagte Daniel K. mit Freunden bis 3 Uhr morgens in einer Giesinger Bar gemacht hat, bevor er auf dem Heimweg wegen Rasens von einer Polizeistreife angehalten wird: Er hat "Mario Kart" gezockt – ein Videospiel, bei dem Super Mario und seine Freunde gegeneinander Autorennen fahren.

Bei "Mario Kart" drängen sich Mario, Prinzessinen und Drachen von der Strecke ab, werfen einander Bananenschalen vor die Reifen oder schießen sich mit Schildkrötenpanzern ab.

Beim Angeklagten in seinem Audi und einem unbekannten anderen Fahrer in einem BMW geht es im Dezember 2017 weniger comicartig zu: Von der Chiemgaustraße nach Westen fahrend fühlt K. sich nach eigenen Angaben von dem BMW-Fahrer bei einem Überholmanöver geschnitten und ausgebremst. "Der war nur eine Tisch-Entfernung von mir weg."

"Hatte keinen Bock, dass er mich schneidet"

Als das andere Auto am Anfang des Brudermühltunnels dazu ansetzt, ihn erneut zu überholen, "hatte ich keinen Bock, dass er mich wieder schneidet". Also habe er beschleunigt, erzählt der Angeklagte -  "und das hat sich dann hochgeschaukelt".

Laut den Polizisten, die K. in dieser Nacht in ihrem Streifenwagen folgen, schaukelt es sich sehr hoch: Ihr Tacho habe 180 Stundenkilometer angezeigt und der Audi habe sich trotzdem noch "deutlich entfernt".

Angeklagter räumt Schuld ein - Hauptberuflich ist er Chauffeur

"Sie haben dann geweint?", hakt der Richter nach Er sei, sagt K. höchstens 130 gefahren: "Ich kann mir 180 gar nicht vorstellen in dem Tunnel, ohne dass man aus den Kurven fliegt." Außerdem sei er ja eben einen Audi gefahren.

Die Polizisten folgen Daniel K. bis zu seiner Garage. Mit vorgehaltenen Waffen hätten sie die Autotür geöffnet und ihn aufgefordert, die Hände aufs Lenkrad zu legen, außerdem "recht rumgeschrien", erzählt er. "Sie haben dann geweint?", hakt Richter Patrick Schmidt nach. Ja, er habe auch geweint, sagt K.. "Ich wusste ja, ich war zu schnell, aber dass die so ausflippen, hätte ich nicht gedacht."

Zugute hält der Richter Daniel K., dass er seine Schuld eingeräumt hat. Außerdem sei er bisher strafrechtlich nie aufgefallen, nicht einmal geblitzt worden  - und das, obwohl er hauptberuflich Chauffeur ist. Auch müsse man sich fragen, ob Autorennen, bei denen Menschen zu Tode kommen wie 2016 in Berlin, vergleichbar seien mit diesem Fall.

Schmidt verurteilt Daniel K. zu 80 Tagessätzen à 40 Euro und einem Monat Führerscheinentzug.

Lesen Sie hier: Prozess in München: Tödlicher Strom-Unfall – und niemand ist schuld

 

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