Raketen-Verbot an Silvester? Streit um den Böller-Dreck an der Isar

Raketen, Flaschen, Verpackungsmüll: So eine Sauerei war am Neujahrstag am Isarufer zu finden. Foto: privat

Raketen-Verbot an Silvester: Die Grünen-Rosa Liste im Glockenbachviertel fordert Kracher-Stopp an der Isar und in zwei Parallelstraßen.

 

Isarvorstadt - In einem giftigen Feinstaubdunst lag die Münchner City in der Neujahrsnacht nach der Silvester-Knallerei – auch wegen der ungünstigen Inversionswetterlage. Ob der Nebel-Schock Münchner davon abhalten wird, Silvester 2017 ebenso zu böllern? 50 Tonnen Silvester-Müll räumte die Stadtreinigung Anfang Januar zusammen – das sind volle 20 Prozent mehr als im Vorjahr.

„Warum treffen die sich nicht auf der Theresienwiese?“

Verkohltes Gras, aufgelöste Pappe in den Isar-Böschungen, abgebrannte Raketen-Stiele, die im seichten Wasser treiben: Arne Brach (39) von den Grünen will nach dem Smog-Schock in der Silvesternacht jetzt zunächst die renaturierte Isar besser schützen: „Hier ist Wasser. Pyrotechnische Reststoffe verunreinigen Boden und Fluss. In den Bäumen leben Vögel und Eichhörnchen. Das ist ein Landschaftsschutzgebiet“, begründet er den Antrag seiner Fraktion „Schutz der Isar vor Silvesterfeuerwerk“ im Bezirksausschuss Ludwigsvorstadt-Isarvorstadt.

Helga Solfrank (61), die Seniorenbeauftragte im BA, ist voll dafür: „Ein Verbot der Knallerei an diesen Orten ist längst überfällig: An der Isar, ihrem Hochwasserbett, den Isarbrücken und den Parallelstraßen Wittelsbacherstraße und Erhardtstraße.“

Dem Stadtviertel-Gremium berichtet sie, durch welche „Milchsuppe“ sie selbst in der Silvesternacht ins Dreimühlenviertel heimradelte: „An der Reichenbachbrücke war der Nebel am dichtesten. Ich war entsetzt über die schlechte Luft von dem Feuerwerk.“

Der Feinstaub habe ihre Bronchien so beeinträchtigt, dass sie instinktiv flacher geatmet habe, sagt die grüne Stadtteilpolitikerin der AZ. Fast blind tastet sie sich in der Nacht voran: „Das war ein verstörendes Weltuntergangsszenario. Der Preis für die Silvesterknallerei ist viel zu hoch.“

Dass die Grünen – über kurz oder lang – private Silvesterfeuerwerke in der Stadt ganz abschaffen wollen, so wie in Frankreich üblich, hält die CSU im Bezirksausschuss für möglich.

Florian Florack (CSU) sieht zwar auch, dass die Isarböschungen nicht leicht vom Silvestermüll zu reinigen sind, aber für Raketen-Verbotszonen in der Stadt ist er keinesfalls zu haben: „Die private Freiheit zu feiern ist fundamental. Die wollen wir den Leuten nicht verbieten. An den Isarauen ist viel Platz“, so Fraktionsvorsitzender Florack: „Und wie soll die Polizei es schaffen, so ein Verbot zu kontrollieren?“

Zuletzt hat er in seiner Kindheit eine Rakete gezündet, seitdem begnügt sich der 39-jährige Arne Brach an Silvester mit einer Wunderkerze (das abgebrannte Stäbchen entsorgt er selbst): „Die Knallerei finde ich völlig absurd. Jeder Böller, der in die Luft geht, hätte eine Spende werden können.“

Sein Alternativ-Vorschlag für Münchner, die laut und schrill Silvester feiern wollen: „Warum treffen sich die Böller-Fans anstatt an der Isar nicht auf der großen Theresienwiese. Am schönsten und umweltverträglichsten fände ich es, wenn die Stadt in Zukunft ein oder mehrere prächtige professionelle Feuerwerke zündet.“

 

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