Radltour durch Bayern Sebastian Frankenberger: Wahlkampf im Fahrradsattel

Nach 4320 Kilometern endlich am Ziel: ÖDP-Spitzenkandidat Sebastian Frankenberger am Chinesischen Turm. Foto: Petra Schramek

ÖDP-Spitzenkandidat Sebastian Frankenberger strampelt sich durch ganz Bayern

 

München - Wenn Sebastian Frankenberger (32) zu seinen ÖDP-Anhängern spricht, dann wippt er energisch auf die Zehenspitzen, auf und ab, reckt den Hals in die Höhe. Ganz als gelte es, die 5 Prozent-Hürde mit seinem strengen Haar-Dutt einzureißen. Die Taschen seines orangenen Rad-Trikots beult ein Funkgerät aus, am Fahrradlenker klemmt ein Tablet-Computer. Frankenberger hat bei der ÖDP das Kommando, als Bundesvorsitzender und Spitzenkandidat in Bayern.

Jetzt rollte der ÖDP-Tross ins Ziel in München: 90 Tage hat Frankenberger im Sattel gesessen und hat dabei alle 90 bayerischen Stimmbezirke besucht. „Radeln für Bayern“, haben die ÖDP-Strategen die Kampagne getauft, welche die kleine Ökopartei in den Landtag spülen soll.

„4320 Kilometer“, sagt Frankenberger, sei er geradelt. Und: „Die ersten Wochen musste ich mir jeden Abend den Hintern einkremen.“ Trotzdem sei diese Form des Wahlkampfes entspannter als „von Tag zu Tag vier, fünf Termine abzuarbeiten.“

Ob’s hilft? Bei den letzten Wahlen lag die ÖDP konsequent bei rund zwei Prozent. Auch die erfolgreichen Volksbegehren, zum Nichtraucherschutz und in den 90ern zur Abschaffung des Bayerischen Senats, haben nicht auf den Erfolg der Partei abgefärbt.

Fragt man Frankenberger nach den Gründen, stockt er kurz, fängt sich schnell wieder, knipst sein Kamera-Lächeln an und meint: So sei das eben, wenn man „sachorientierte Politik“ mache. Er gibt aber zu: „Manchmal kann das schon frustrieren.“

In aktuellen Umfragen wird die Partei nicht extra aufgeführt, sondern taucht bei den „Sonstigen“ ab. „Macht gar nichts", sagt Frankenberger: Schließlich sei der Block jener „Sonstigen“ mit rund 10 Prozent so groß wie selten. „Da können leicht fünf Prozent für uns abfallen“, meint er. Und dann könne alles recht schnell gehen: Koalitionsverhandlungen, Regierungsbildung. Mit ihm, Frankenberger, als Kultusminister.

Aus dem Radl-Sattel ins Ministeramt? Auf seiner Bayern-Tour sammelte Frankenberger fleißig Wunschzettel der Bürger. In München angekommen und nach der Auswertung verkündet er: „Nummer- Eins-Wunsch der Bürger ist endlich eine ehrliche Politik.“

Klingt gut. Klingt sogar so gut, dass es die Werbeprofis der ÖDP kaum besser formulieren konnten, als sie den Wahlslogan „Ehrliche Politik ist wählbar“ auf die Frankenberger-Plakate druckten. Überlebensgroß inszeniert die orangene Schar ihren Chef: Vom „Begleitfahrzeug“ der Tour, einem Campingbus, grinst Frankenberger über die ganze Längsseite. Ganze Straßenzüge tragen sein Gesicht.

Frankenberger – einst einer der unbeliebtesten Politiker Bayerns, der in Kneipen und Lokalen symbolisch Hausverbot bekam. „Das hat sich alles in Luft aufgelöst“, sagt Frankenberger.

 

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