Radl-Offensive Grüne fordern: München soll 5000 Leihräder anschaffen

Ein Foto aus Hamburg: Hier gibt es bereits ein öffentliches Fahrradleihsystem, das von der Bahntochter „DB Rent“ im Auftrag der Hansestadt Hamburg betrieben wird. Foto: Imago

Die Rathaus-Ökos starten eine Radl-Offensive. Ihre Forderungen: Die Stadt soll doppelt so viel Geld investieren, doppelt so viel Personal beschäftigen und ein Verleih-System etablieren.

 

München - Die Grünen machen ihrem Ruf als Radlerpartei alle Ehre. Jetzt hat die Stadtratsfraktion ein dickes Antragspaket gestellt, damit München zur „Radlhauptstadt 2.0“ wird.

Derzeit legen die Münchner 17 Prozent ihrer Wege mit dem Radl zurück – und treten damit viel fleißiger in die Pedale als noch vor zehn Jahren: Um satte 70 Prozent ist der Radverkehrsanteil in dieser Zeit gestiegen.

Die Grünen finden: Das reicht noch lange nicht. Der Anteil solle bis 2020 auf 25 Prozent steigen. Der Zuzug nach München ist enorm. Was, wenn alle Neubürger ein Auto mitbringen? „Der Münchner Verkehr würde kollabieren“, meint OB-Kandidatin Sabine Nallinger. „Wir dürfen in Zukunft nicht mehr so zaghaft sein.“ Sie und ihr Stadtratskollege Paul Bickelbacher präsentierten am Dienstag gemeinsam ihre Ideen und Forderungen.

MEHR GELD

Nach Angaben der Grünen investiert die Stadt gegenwärtig etwa sieben bis zehn Millionen Euro pro Jahr in den Radverkehr. Die Ökopartei fordert, dass das jährliche Gesamtbudget künftig doppelt so hoch sein soll: 20 Millionen Euro.

Nallinger und Kollegen erklären: Diese Summe für die Radverkehrsförderung auszugeben, würde sich auch mit einer Empfehlung des Bundesverkehrsministers Peter Ramsauer decken.

Daneben verlangen die Grünen auch eine Personal-Verdoppelung. In der Verwaltung sollten etwa zehn neue Stellen geschaffen werden: für die Bearbeitung von Radl-Themen.

MEHR LEIHRÄDER

Das ist sicherlich der ungewöhnlichste Vorstoß: Die Stadt wird zum Radl-Anbieter. Bis zum Jahr 2015 solle München ein Konzept für ein öffentliches Fahrradverleihsystem entwickeln und umsetzen. Mindestens 5000 Bikes sollen in der Stadt bereit gestellt werden, auch jenseits des Mittleren Rings.

Sie könnten an rund 400 Stationen ausgeliehen werden, die – so schlagen es die grünen Stadträte vor – auf jetzigen Kfz-Stellplätzen errichtet würden. Touristen wie Einheimische dürften die Räder, darunter auch Pedelecs und Lastenräder, in der ersten halben Stunden sogar kostenlos nutzen.

Was würde das Ganze kosten? Paul Bickelbacher geht von rund 1000 Euro pro Radl aus. Die Betriebskosten beliefen sich, so die Grobschätzung, auf eine halbe bis eine ganze Million Euro pro Jahr. Schon jetzt können in München 1600 Räder von „Call a Bike“ und „Nextbike“ ausgeliehen werden.

Das Urteil der Grünen dazu: „Die beiden derzeit vorhandenen Systeme sind technisch nicht mehr auf dem neuesten Stadt und vor allem deutlich zu klein, um als echte Ergänzung im öffentlichen Verkehrssystem erfolgreich fungieren zu können.“

MEHR RADWEGE

Dringenden Handlungsbedarf sehen die Grünen in der Lindwurm-, Rosenheimer-, Ludwig-, Leopold-, Dachauer-, Schwanthaler-, Elisabeth- und Schleißheimer Straße sowie im Museumsviertel. Sie fordern: In möglichst vielen Straßen sollen aus vier Auto-Fahrspuren künftig zwei überbreite werden – was Platz für zwei Radstreifen schafft. Zwischen Innenstadt und Umland sollen außerdem Radschnellwege eingerichtet werden.

Die genannten Vorschläge sind nur ein kleiner Teil dessen, was die Rathaus-Ökos fordern. Dazu kommen: mehr Abstellmöglichkeiten, ein besserer Winterdienst und, und, und. Der Wunsch-Katalog ist noch viel länger.

KRITIK

Der Gegenwind ließ nicht lange auf sich warten. CSU-Mann Josef Schmid meldete sich zu Wort: „Bei einer Mehrzahl von Vorschlägen scheint die grüne Rigorismus-Fundamental-Ideologie durch, die Münchner erziehen zu wollen.“ Er ist der Meinung: „Ein öffentliches Fahrradverleihsystem ist keine kommunale Aufgabe.“

 

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