"Queen of Drags"-Kandidatin Janisha Jones: "Ich würde mir wünschen, dass die Münchner auf mich zukommen"

Drag-Queen aus München: Janisha Jones bei der Premieren-Party von "Queen of Drags" Foto: BrauerPhotos/O. Walterscheid

In der neuen Show "Queen of Drags" suchen Heidi Klum, Conchita Wurst und Bill Kaulitz nach Deutschlands schrillster Drag-Queen. Eine der Kandidatinnen ist Janisha Jones aus München. Wir haben mit der gebürtigen Katalanin gesprochen.

 

Vor zwei Jahren begann ihre Drag-Karriere, als aus Jan Sabater Viñals zum ersten Mal Janisha Jones wurde und sie direkt den "Queen of the Night"-Contest der Party-Reihe "Garry Klein" im Münchner Club Harry Klein gewonnen hat. Mindestens zweimal pro Woche verwandelt Jan sich in Janisha – zwei bis drei Stunden plant sie dabei für das Schminken ein. Wenn sie nicht gerade als Drag-Queen auftritt oder neue Looks kreiert, kellnert sie im "Café Nil".

Auf den Namen "Janisha Jones" kam Jan übrigens, als er während seiner Hotelausbildung den Namen "Anisha" in der Gästekartei sah. "Jones" kommt von seinen zwei Idolen: Sängerin Grace Jones und Samantha Jones, aus "Sex and the City".

AZ: Wie ist die Drag-Szene in München?
JANISHA JONES: Die Drag-Szene hier ist leider sehr klein im Gegensatz zu anderen Städten. Gute Drag-Queens gibt es wenige. Gemeinsam mit meiner Kollegin Pasta Parisa versuchen wir, sie ein bisschen aufzubauen und zu vergrößern. Wir machen zum Beispiel Shows im "Café Nil" oder organisieren einen Drag-Brunch.

Wie reagieren die Münchner auf Sie, wenn sie Sie in Drag sehen? Haben Sie schon mal schlechte Erfahrungen gemacht?
Wenn ich in Drag in München unterwegs bin, reagieren die meisten Leute überraschenderweise sehr positiv. Manchmal kriege ich schon ein paar böse Blicke aber generell habe ich noch keine negativen Erfahrungen gemacht. Beschimpft wurde ich noch nie, aber ich kenne Geschichten von Kolleginnen, denen das passiert ist. Ich finde es aber schade, dass die Münchner eher zurückhaltend sind und komisch schauen. Ich würde mir wünschen, dass sie auch einfach mal auf einen zukommen und nachfragen, was man da eigentlich macht, statt nur zu schauen. Ich würde es ihnen dann gerne erklären.

Wie hat eigentlich Ihre Familie darauf reagiert?
Von meiner Familie habe ich wirklich durchweg positiven Rückhalt. Klar, am Anfang musste ich ihnen erst mal erklären, was das eigentlich ist und was der Unterschied zwischen Drag und Transgender ist, denn das wussten die nicht. Ich habe aber total großen Support, mein Vater ist sogar schon in meinen Highheels durch die Wohnung gelaufen. Sie verstehen jetzt, was Drag für mich bedeutet.

Und was genau bedeutet Drag für Sie?
Drag ist für mich eine Kunstform und ich nehme sie sehr ernst. Man kann so viel machen mit Drag: man tanzt, man performt, man malt, man interpretiert, man ist Schauspieler. Es gibt mir die Möglichkeit, zu leuchten.

Ist es wichtig, dass Drag mit der neuen ProSieben-Show "Queen of Drags" eine Mainstream-Stage bekommt?
Das ist sehr wichtig. Ich freue mich, dass es endlich mal passiert. Denn dann schauen sich das eben die Menschen, die sich nicht trauen, auf der Straße zu mir zu kommen, in Ruhe zuhause an, wo ihnen keiner zusieht und sie stört.

Im Vorfeld gab es ja einige Stimmen, die sagten, dass Heidi Klum nicht die richtige für diese Show sei, da sie eigentlich gar nichts mit der Drag-Szene zu tun hat. Sehen Sie das auch so?
Ich muss zugeben, anfangs dachte ich auch, dass sie nicht die richtige ist. Ich kannte sie aber nicht wirklich. Sie hat mich dann aber wirklich positiv überrascht. Heidi war sehr professionell, man hat gemerkt, wie motiviert sie war und wie wichtig ihr die Sendung ist. Sie hat sich wirklich sehr viel Mühe gegeben. Außerdem hätte die Show ohne sie nie diese Plattform bekommen, nie den Primetime-Sendeplatz auf ProSieben und ohne Heidi würden sich das nicht so viele anschauen.

 

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