Pyeongchang 2018 Wie bei Cool Runnings: Die Exoten bei Olympia

In Nigeria ein Star – und nun erstmals bei Olympia: Bobfahrerin Seun Adigun (Mitte) mit ihren Teamkolleginnen. Foto: dpa

Mit Nigeria geht erstmals ein Bobteam aus Afrika bei Olympia an den Start. „Mehr als ein Traum, der wahr wird.“ Von Skeletonis aus Ghana bis zu Langläufer Taufatofua aus Tonga: Die AZ zeigt weitere Exoten.

 

Pyeongchang - Seun Adigun tanzte mit Champagner durch den Schnee. Gut, der Schnee war eigentlich nur weißer Stoff, den jemand an die Wand getackert hatte. Auch die Weihnachtsbeleuchtung an der Decke wirkte bei 28 Grad im Schatten deplatziert. Aber das Luxushotel hatte sich Mühe gegeben, den Abschied der neuen nigerianischen Nationalheldin über den Dächern von Lagos winterlich zu gestalten. Denn: Nigeria hat eine Bobmannschaft!

30 Jahre nach Jamaikas legendären „Cool Runnings“ geht in Pyeongchang endlich das erste afrikanische Team in den olympischen Eiskanal. Es steuert: Seun Adigun. „Das ist mehr als ein Traum, der jetzt wahr wird“, sagt Adigun, die wie ihre Anschieberin Akuoma Omeoga und Ersatzfrau Ngozi Onwumere in den USA lebt. Dort begann die Geschichte des allerersten Bobs Nigeria vor einigen Jahren mit einem Holzmodell in einer texanischen Garage. Sie endet mit 100 km/h in Steilkurven. „Angst ist nur eine Chance, etwas zu lernen“, sagt Adigun.

Nun auch Eritrea auf der Wintersport-Landkarte

Es sind diese Geschichten, die bei Olympischen Spielen noch mehr begeistern als Goldmedaillen und Weltrekorde. Der ghanaische Skeletoni Akwasi Frimpong mit dem Löwenmaul auf dem Helm beispielsweise, der von „Exotentum“ jedoch gar nichts wissen will. „Ich bin nicht hier, um einen Disney-Film zu drehen“, sagt er selbstbewusst. Seinen Olympia-Start finanzierte er sich als Staubsauger-Vertreter. Fatih Arda Ipcioglu geht im Skispringen für die Türkei von der Schanze. Klaus Jungbluth Rodriguez, 38 Jahre alt, ist der erste Winter-Olympionike Ecuadors. Ski-Rennläuferin Shannon-Ogbani Abeda bringt Eritrea auf die Landkarte des Wintersports, sie trägt die Fahne bei der Eröffnungsfeier.

Umgeschult von Teakwondo auf Langlauf

Der malaysische Eiskunstläufer Julian Yee konnte in seiner Heimat nur am frühen Morgen oder späten Abend in den Einkaufszentren rund um Kuala Lumpur trainieren – manche hatten eine kleine Eisfläche: „Es war wie der Versuch, eine A 380 auf einer Miniatur-Landebahn aufzusetzen.“ Und dann ist da noch Pita Taufatofua aus dem Königreich Tonga. Er wurde 2016 berühmt, als er bei den Sommerspielen in Rio de Janeiro mit nacktem eingeöltem Oberkörper zur Eröffnungsfeier kam. Damals war er noch Taekwondo-Kämpfer – nun hat er auf Langlauf umgeschult. „Man muss ein bisschen verrückt sein. Aber ich bin stur. Und liebe Herausforderungen“, sagte er dem Schweizer Blick. Ganz wie Seun Adigun – sie wird übrigens auch gegen ein jamaikanisches Bobteam antreten. Wie damals bei Cool Runnings.

In Rio Taekwondo-Kämpfer, nun Langläufer: Pita Taufatofua. In Rio Taekwondo-Kämpfer, nun Langläufer: Pita Taufatofua. Foto: dpa

 

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