Punk in der Theaterfabrik Das Münchner Konzert der Stranglers in der AZ-Kritik

Was 40 Jahre so ausmachen: The Strangles feiern mit dieser Aufnahme ihr „Rubin Jubiläum 1974 - 2014“. Foto: David Boni

Ewige Sonne löst den Punk-Knoten: Die Stranglers überzeugen in der Theaterfabrik

 

Sie sind Punkrocker der ersten Stunde, aber seit jeher unberechenbar: Die Stranglers verunsicherten schon in den 70ern ihr Stammpublikum durch musikalische Flirts mit dem Pop. Und als nun in der Münchner Theaterfabrik die Kirmesorgel von Dave Greenfield erklingt, wirkt es bei „Toiler On The Sea“ erst so, als wolle man in einen Brecht-Weill-Liederabend einsteigen. Ein freundliches Publikum in mäßig gefüllter Halle erträgt gelassen einen rumpelnden Einstieg, bei dem noch dazu an zweiter Stelle der größte Hit „No More Heroes“ verballert wird.

Drummer Jet Black lässt sich derzeit gesundheitsbedingt von dem jungen Jim Macaulay vertreten, er wird seine Sache ordentlich machen; Bassist Jean-Jaques Burnel hat sehr dekorativ Ärmel hochgekrempelt und Bizeps freigelegt – da weiß man, wie die tiefen Töne knallen werden. Sänger Baz Warne müht sich und bleibt doch auch nach über einer Dekade irgendwie immer „der Neue“. Und Keyboarder Greenfield greift während seines Solos mit der freien Hand nach dem Bierglas. So läuft das eine halbe Stunde: Ist ja recht cool, aber klingt nicht so gut. Doch dann platzt der Knoten: Bei „Always the Sun“ liegen sich Band und Publikum in den Armen vor Ergriffenheit, nachdem man zuvor noch schnell „Peaches“ und „Golden Brown“ verfeuert hatte. Überhaupt wird das Konzert zu einer Lehrstunde, was diese Band in 40 Jahren faktisch für eine Riesensammlung an überragenden Songs hervorgebracht hat: Lebensbegleiter für mehrere Generationen.

„Nuclear Device“ schließt gut an, selbst das seifige „Skin Deep“ wird plötzlich ein richtiger Rocksong. Das bekiffte „Nice ’N’ Sleazy“ macht seinem Titel alle Ehre; Dionne Warwicks „Walk On By“ verdreht sich zur Psychedelic-Session. Da schafft es die so begabte wie dann wieder hölzerne Band, dass der ganze Saal swingt. Warum sich aber nach anderthalb doch erfreulichen Stunden eine der relevantesten Punkbands mit dem Kinks-Cover „All Day And All Of The Night“ aus den 60ern verabschiedet, bleibt ihr Geheimnis. Egal, es sind ja alle glücklich entspannt: Denn die Helden sind Helden, weil sie keine mehr sind.

 

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