Prozess vor Landgericht München Rentner und Hund in Tempo-30-Zone totgerast

Andrea R. (23) ist in zweiter Instanz wegen fahrlässiger Tötung vor dem Münchner Landgericht. Das Amtsgericht verurteilte ihn zu 20 Monaten Haft - ohne Bewährung. Foto: Torsten Huber

Wahrscheinlich war der Fiat Abarth mit Tempo 63 unterwegs: Ein Kellner steht wegen fahrlässiger Tötung in München vor Gericht. In erster Instanz ist er zu 20 Monaten Haft verurteilt worden.

 

München - Der Rentner Martin R. will an einem dunklen Novemberabend im Nieselregen mit seiner Boxerhündin Eve Gassi gehen. Doch es wird ein Spaziergang in den Tod. Der Fiat-Fahrer Andrea R. (23) aus Italien rast mit mindestens 55 Stundenkilometer durch die Tempo-30-Zone in Hadern und erfasst Herrchen und Hund.

Beide sterben. Der Kellner kämpft jetzt in zweiter Instanz vor dem Landgericht um seine Freiheit. Das Amtsgericht hat ihn wegen fahrlässiger Tötung zu einem Jahr und acht Monaten Freiheitsstrafe ohne Bewährung verurteilt. Der Führerschein wird für 23 Monate gesperrt. Victoria M. (31) sagt vor Gericht als Zeugin aus.

Sie ist am 16. November 2013 gegen 19 Uhr mit ihrer kleinen Tochter von Großhadern über die Sauerbruchstraße nach Neuried gefahren: „Ich sah einen Mann mit Hund rechts am Straßenrand. Ich dachte, hoffentlich läuft er nicht los.“ Dann rauscht ein Fiat 500 Abarth (130 PS) an ihr vorbei.

Reflexartig schaut Victoria M. in den Rückspiegel: „Ich habe noch den Mann mit Hund im Blick. Plötzlich blinkt der Fahrer fünfmal auf. Dann sah ich, wie ein Mensch im Laternenlicht durch die Luft fliegt.“ Für den Staatsanwalt ist klar: Andrea R. hätte statt der Lichthupe die Bremsen betätigen sollen.

Der Unfall-Sachverständige Peter Stolle geht in seinem Gutachten von einer Geschwindigkeit von „mindestens 55 Stundenkilometern“ aus – wahrscheinlicher sei Tempo 63 gewesen. Der Angeklagte habe den Unfall schwer verarbeitet, sagt ein Polizist: „In einem Telefongespräch fürchtete ich das Schlimmste.

Er ist ohne Führerschein gefahren.“ Andrea R. besitzt eine italienische Fahrerlaubnis. Die ist in Deutschland aber ungültig, weil sein Lebensmittelpunkt in München ist. Er hätte sie bei der Behörde nur umschreiben lassen müssen. Die ganze Familie begleitet Andrea R. ins Gericht.

Der Angeklagte möchte sich da zunächst nicht äußern. Die Verteidigung will das Gutachten von Stolle mit einem Gegengutachten in Frage stellen. Kernaussage: Andrea R. habe keine Chance gehabt, zu bremsen.

Der Rentner sei plötzlich auf die Straße getreten, als das Auto bereits in der unmittelbaren Nähe des Rentners gewesen sei. Jetzt haben die Richter das Wort. Das Urteil stand bei Redaktionsschluss dieser Ausgabe nicht fest.

 

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