Prozess vor Landgericht Kirmaier, Mayrhofer und die blaue Prozess-Posse

1860-Präsident Gerhard Mayrhofer Foto: sampics / az

Löwen-Mitglied Kirmaier klagt: Es es geht darum, ob Präsident Mayrhofer rechtmäßig im Amt ist. Die Verhandlung entwickelt sich zur Show, das Urteil fällt erst am 25. Juli – denn es ist kompliziert...

 

München - Einen gewissen Charme hat das Schreckensszenario, das Guido Kambli da gerade zeichnet, ja auf jeden Fall: „Das würde bedeuten, dass alle Präsidien seit Karl-Heinz Wildmoser, Gott hab ihn selig, nicht rechtmäßig im Amt gewesen wären.“ Was 1860-Anwalt Kambli da als Argument für die Unrechtmäßigkeit der von Löwen-Mitglied Helmut Kirmaier angestrengten Klage anführt, hat einen kleinen Haken: Juristisch gesehen könnte an Kamblis Szenario durchaus was dran sein. Und so geht die Posse zwischen Kirmaier und seinem Anwalt Heinz Veauthier und dem aktuellen 1860-Präsidium in die nächste Runde.

Richterin Christina Weitnauer lässt am Ende dieses zweiten Prozesstages die Klage Kirmaiers zu, am 25. Juli will sie ihr Urteil fällen.

Es ist ein höchst komplizierter Sachverhalt, der da am Landgericht verhandelt wird, das gibt auch die Richterin zu. Es geht formal um die Frage, ob Kurzzeit-Präsident Hep Monatzeder berechtigt war, letztes Jahr zur Delegiertenversammlung zu laden, bei der er schließlich nicht bestätigt wurde – und im Nachklapp darum, ob das später gewählte Präsidium um Gerhard Mayrhofer rechtmäßig im Amt ist.

Die Richterin muss klären, ob der Verein in den letzten 20 Jahren seine eigene Satzung falsch ausgelegt hat, sie muss dafür ganz tief einsteigen in die Niederungen der Zivilprozessordnung und des Vereinsrechts. Staubtrockene Themen, eigentlich. Doch die Löwen wären nicht die Löwen, wenn nicht auch so ein Prozess tragikomisch werden würde, wenn es sogar auf dieser Bühne nicht komödiantisch zugehen würde.

Wobei sie selbst in diesem Fall gar nichts dafür können. Es ist vor allem Kirmaiers kaum zu bändigender und äußerst impulsiver Anwalt Veauthier, der den Prozess zur Show macht. Dieser Veauthier ist ja auch wirklich eine Schau. Die Gegenseite spricht er ausschließlich mit „die Öffentlichkeit an“, er wolle mit „richtigen Gegnern verhandeln, nicht mit der Öffentlichkeit“.

Der richtige Gegner sei für ihn: Ex-Präsident Dieter Schneider, der nie zurückgetreten sei. Immer wieder fordert er Weitnauer auf, Schneider als Vertreter des Vereins zu laden. Dann belehrt er die Richterin („das ist drittes Semester“), mehrmals droht er, den Saal zu verlassen.

Weitnauer mahnt ihn mehrmals, „reden Sie hier nicht nur für die Presse“ sagt sie mal, dann fordert sie Respekt ein, schließlich ignoriert sie ihn, so sehr man eben jemanden ignorieren kann, der einem ständig ins Wort fällt. „Man muss tief einsteigen, um jenseits aller Emotionen zu einem sachlich richtigen Urteil zu kommen“, sagte Weitnauer nach Sitzungsende.

Wie der Prozess ausgeht, ist derzeit überhaupt nicht abzusehen – und schon jetzt scheint klar, dass er in die nächste Instanz gehen wird. Veauthiers Show wird die Löwen noch eine ganze Weile beschäftigen.

 

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