Prozess und Urteil Kind herzkrank – Mann wird Serien-Einbrecher

Der Angeklagte mit seiner Dolmetscherin auf der Anklagebank. Das Gericht verurteilt ihn zu 28 Monaten Gefängnis. Foto: jot

Verbrecher aus Not? Das Kind von Ivan T. (Name geändert) kam vor vier Jahren mit einem Herzfehler zur Welt. Um die Behandlung finanzieren zu können, sei er zum Einbrecher geworden, erklärt der 36-jährige Serbe am Mittwoch vor Gericht.

 

München - Die Anklage wirft dem Mann vier Einbrüche in Einfamilienhäuser in München und Grünwald zwischen November 2011 und Dezember 2013 vor. Die Vorgehensweise war immer dieselbe. Ivan T. hebelte die Terrassentür oder ein Fenster auf, durchsuchte das Anwesen und nahm alles mit, was wertvoll erschien.

Und das war eine Menge. Seine Beute waren meist Schmuck und Bargeld, aber auch Ölgemälde und einen kompletten Tresor ließ er mitgehen. Über 100 000 Euro soll das Diebesgut wert gewesen sein, das er aus den Häusern schleppte.

In ihren Plädoyers warben Peter Pospisil und Steffen Ufer, die Anwälte von Ivan T., um Verständnis und eine milde Strafe. Ihr Mandant habe es als „Wanderer zwischen den Welten“ nicht geschafft, sich in Wien mit seiner Frau eine Existenz aufzubauen. Er musste nach Belgrad zurück, arbeitete dort bei einer Baufirma.

Aber: „Mein Lohn hat nicht für die Behandlungskosten meines Kindes gereicht“, erklärte der Serieneinbrecher. Wie ein Bettler habe er immer wieder seine Schwiegereltern um Unterstützung bitten müssen. So sei er zum Einbrecher geworden.

Im Februar wurde der 36-Jährige dann erwischt. Seine DNA stimmte mit den Spuren überein, die man in den betroffenen Häusern gefunden hatte. Die Tatzeiten sprechen zudem dafür, dass es sich bei ihm um einen professionellen „Saisonarbeiter“ handelte. Soll heißen: Immer wenn es in unseren Breitengraden früh dunkel wird, reiste Ivan T. an, um zuzuschlagen.

Kuriosum am Rande: Ein Einbruchsopfer hatte am Tattag einen verdächtigen Wagen mit vier Rumänen vor seinem Haus gesehen. Er alarmierte die Polizei. Die ließ das Quartett überwachen. Einige Stunde später rief der Mann noch einmal an. Jetzt sei bei ihm tatsächlich eingebrochen worden. Die observierten Rumänen konnten es aber nicht gewesen sein, wunderte sich die Polizei. Eine DNA-Spur am Tatort überführte später auch in diesem Fall Ivan T. Der gab selber im Rahmen einer Absprache zwischen den Prozessbeteiligten die Taten zu.

Das Gericht verhängte eine Haftstrafe von zwei Jahren und vier Monaten.

 

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