Prozess München: Vater schlägt Kind tot. Mutter im Zeugenstand

33-Jähriger soll sein Baby getötet haben. Die Mutter will nie etwas bemerkt, dass ihr Mann die Hand gegen die Tochter erhoben hätte. Foto: Petra Schramek

Nimmt die Mutter (31) den Angeklagten in Schutz. Sie habe keine Verletzungen bei ihrer Tochter ( 14 Monate) gesehen haben. Ihr Mann sei nicht aggressiv.

 

München - Die Mutter der getöteten kleinen Shushu (†14 Monate), die 31-jährige Monique B., zeichnet ein völlig anderes Bild von ihrem Mann Rashed A. (33), der laut Anklage seine Tochter im Drogenwahn zu Tode geschüttelt haben soll (AZ berichtete). Sie sagt vor dem Münchner Landgericht: „Er allein hat sich um Shushu gekümmert. Er ist lieb zu ihr gewesen, hat sie gewickelt, gewaschen, gefüttert und sie angezogen. Das ist ungewöhnlich für Männer aus dem arabischen Raum.“

Rashed A. reist 2007 aus Abu Dhabi nach München: „Ich wollte hier studieren.“ Er lernt Monique B. kennen und lieben. Er besitzt nur ein Touristenvisum für drei Monate. Der Angeklagte muss in Abständen pendeln: „Das war eine schwere Zeit für uns“, sagt Rashed A. 2008 kommt ihre erste Tochter zur Welt. Erst 2010 erhält der Angeklagte ein Aufenthaltsrecht. Das macht die Situation für das Paar nicht leichter. Beide haben keinen Job. Sie leben von der Sozialhilfe.

Als Shushu im April 2011 in München zur Welt kommt, wird ihnen in Neuperlach von der Stadt eine geräumige Wohnung zugewiesen. Monique B. sagt: „Da Rashed die ersten Jahren von seiner ersten Tochter fast nicht mitbekommen hat, wollte er bei Shushu alles besser machen.“ Anfangs hilft sie ihm, zeigt ihm, welche Babynahrung er kaufen muss. Rashed A. trinkt Bier, Whisky Chivas Regal und raucht Shisha. „Wenn er Alkohol getrunken hat, ist er immer lustig gewesen“, erinnert sich Monique B., die auch weiß, dass der Angeklagte Drogen genommen hat: „Da hat er immer gegrinst.“

Aggressiv kenne sie ihren Mann, mit dem sie nach dem islamischen Recht verheiratet ist, nicht. Nur einmal habe er ihr ins Gesicht gefasst: „Das war meine Schuld. Ich habe gedacht, dass er am Laptop mit anderen Frauen chattet. Ich habe ihm ins Gesicht schlagen, ihn angeschrien. Er sagte, dass sein Bruder mit der Frau gechattet hat und nicht er.“ Monique B. kann sich nicht erklären, woher die Rippenbrüche, Schienbeinfraktur und die tödliche Kopfverletzungen stammen: „Ich kann mir nicht vorstellen, dass es Rashed gewesen ist. Ich weiß nur, dass sie ihm einmal vom Sofa und einmal aus dem Kinderstuhl gefallen ist, als er auf dem Balkon geraucht hat.“

Sie seien auch regelmäßig mit dem Kind beim Kinderarzt gewesen und man habe alle Untersuchungen gemacht: „Sie ist schwach und dünn gewesen. Der Arzt meinte, dass kommt von Backenzähnen, die sehr früh gekommen sind.“ An den Todestag von Shushu erinnert sie sich noch: „Ich habe die große Tochter morgens in die Kindergruppe gebracht. Dann bin ich wieder nach Hause. Rashed schlief noch, Shushu auch. Er stand dann auf, hatte müde Augen. Ich bin in die Küche, wollte Kaffee kochen. Plötzlich hörte ich Rashed schreien. Ich habe alles hingeworfen, bin ins Kinderzimmer.“

Da sieht sie das Kind leblos auf dem Arm des Angeklagten. Man habe das Kind auf den Boden gelegt, versucht eine Mund-zu-Mund-Beatmung zu machen. „Ich rief den Notarzt. Die kamen schnell, schickten uns dann raus“, sagt Monique B.. Mit dem Rettungswagen bringen sie Shushu in die Kinderklinik. Die Eltern warten vor dem OP: „Dann kam ein Arzt, sagte, dass unser Kind gestorben ist.“ Monique B. will weder blaue Flecken oder andere Verletzungen bemerkt haben: „Sie hatte nur eine gelbe Haut. Dagegen hat ihr der Kinderarzt ein Mittel gegeben. Sie konnte auch nicht richtig krabbeln, robbte nur am Boden.

Das erschien mir ungewöhnlich für ein Kind in dem Alter.“ Die Zeugin habe bereits zwei Kinder aus erste Ehe. Die älteste Tochter ist 14 und lebt mit ihrer Schwester bei einer Pflegefamilie. „Das Jugendamt hielt das für besser, weil die beiden durch die damalige Trennung von meinem ersten Mann psychisch gelitten haben. Ich sehe sie aber regelmäßig.“ Der Prozess dauert an.

 

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