Prozess in Schweinfurt Sechs Jahre Haft für brutale Gegenwehr bei Verhaftung

Bei einer Polizeikontrolle wurden vier Beamte von einem 20-jährigen brutal verletzt. Foto: dpa

Um sich vor einer Verkehrskontrolle zu drücken, lieferte sich ein heute 20-Jähriger erst eine wilde Verfolgungsjagd mit der Polizei und verletzte schließlich vier Beamte. Jetzt wurde er zu einer langen Haftstrafe verurteilt.

 

Schweinfurt - Der Mann war den Beamten im Sommer 2014 in Schweinfurt aufgefallen, weil er mit nur einem Kennzeichen und am Steuer telefonierend im Auto unterwegs war. Statt jedoch anzuhalten, gab der Mann Gas.

Als er in einer Kurve die Kontrolle über den Wagen verlor, konnte die Polizei ihn zunächst stoppen. Dabei griff ein Polizist durch die geöffnete Fensterscheibe der Fahrerseite, um den Autoschlüssel abzuziehen. In diesem Moment gab der Täter mit eingelegtem Rückwärtsgang wieder Gas und schleifte dabei den Polizisten, der sich mit dem Oberkörper im und mit dem Unterkörper außerhalb des Fahrzeugs befand, mit sich. Dabei steuerte der Mann offenbar gezielt auf einen parkenden LKW zu, um den Polizisten dagegen zu rammen. Der Beamte konnte sich in letzter Sekunde mit einem Sprung aus dem Fenster retten.

Ein weiterer Polizist hatte die Beifahrertüre geöffnet und kollidierte mit dieser, als der Mann plötzlich zurücksetzte. Die Wucht des Aufpralls war dabei so groß, dass die Türe abriss. Ohne sich um die beiden Polizisten zu kümmern setzte der Mann anschließend seine Flucht fort.

Kurze Zeit später verursachte er einen Unfall und musste danach zu Fuß weiter flüchten. Schließlich konnte ihn eine Einheit mit Diensthund stellen, wurde dabei aber erneut massiv angegriffen. Der Mann trat einer Beamtin in den Bauch, einer anderen an den Kopf. Alle vier Polizisten mussten auf Grund ihrer Verletzungen ins Krankenhaus gebracht werden.

Mordabsicht nicht nachweisbar

Für den Prozess waren vier Verhandlungstage am Landgericht Schweinfurt angesetzt worden. Heute hielten nun Staatsanwaltschaft und Verteidigung ihre Plädoyers.

Wegen versuchten Mordes hat die Staatsanwaltschaft sieben Jahre Haft für den 20-Jährigen gefordert. Die Verteidigung plädierte dagegen auf drei Jahre und neun Monate Gefängnis wegen gefährlicher Körperverletzung.

Das Landgericht Schweinfurt verurteilte den Mann am Mittwoch dann nach Jugendstrafrecht zu sechs Jahren haft. Nach Ansicht des Gerichts konnte nicht nachgewiesen werden, dass der Angeklagte die Polizisten vorsätzlich töten wollte. Er habe aber in Kauf genommen, dass die Beamten schwer verletzt werden und möglicherweise sogar sterben.

Der junge Mann hatte bereits sieben Vorstrafen. Er fiel der Polizei immer wieder auf, weil er betrunken oder unter Drogen mit nicht zugelassenen Autos und ohne Führerschein unterwegs war. Außerdem fanden die Beamten mehr als 100 Gramm Rauschgift in einem der Autos. Derzeit sitzt der Angeklagte deshalb eine zweieinhalbjährige Haftstrafe ab. Am Mittwoch sagte der Mann, er wolle sein Leben nun endlich auf die Reihe kriegen.

 

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