Prozess in München Unter Drogen gesetzt: Rentner missbraucht 13-Jährigen

Der Angeklagte im Gespräch mit Anwalt Michael Adams (r.). Foto: jot

Der 72-jährige Angeklagte gibt zu, seinem Opfer Drogen gegeben zu haben. So lief der erste Prozesstag in München.

 

München - Der alte Mann bittet sein Opfer im Gerichtssaal mit eindringlichen Worten um Entschuldigung. Es ist ein spannender Moment: Nimmt der junge Mann die Entschuldigung an? Er tut es, zur großen Erleichterung des Angeklagten.

Darum geht es: Peter K. (72, Namen geändert) hat einem 13-Jährigen Marihuana zum Rauchen gegeben und den berauschten Buben missbraucht. Und das nicht nur einmal.

Sexueller Missbrauch in 166 Fällen

Die Anklage – die seinen Fall richtig wiedergebe, wie Peter K. zugibt – spricht von 166 Fällen des sexuellen Missbrauchs zwischen 2010 und 2012. Das Opfer war seinerzeit zwischen 13 und 15 Jahre alt. Dazu kommt die unerlaubte Abgabe von Betäubungsmitteln an Minderjährige in 416 Fällen.

Sein Anwalt Michael Adams handelt mit Gericht, Staatsanwaltschaft und Nebenkläger einen Kompromiss aus. Peter K. gesteht die Taten und geht dafür etwa fünf Jahre ins Gefängnis. Zusätzlich bezahlt der Rentner 3.000 Euro an Leon T., den inzwischen 23 Jahre alten Nebenkläger im Prozess.

"Ich war in ihn verschossen"

Der junge Junkie und Alkoholiker leide bis heute unter Albträumen und kriege Schweißausbrüche, wenn er engen Kontakt mit anderen habe und meide Berührungen. "Ich war in ihn verschossen", erzählt der Rentner vom Beginn der Beziehung 2010. Und dass er als alter Mann nicht gerade der Traum des Buben war, sei ihm auch klar gewesen.

Am Anfang habe er nur gefummelt. Doch dabei blieb es nicht. Weil er Probleme mit seiner Familie hatte, tauchte Leon T. immer wieder in der Wohnung des Rentners in Berg am Laim auf. Die Übergriffe wurden immer massiver. Jedes Mal gab Peter K. seinem Opfer zunächst Marihuana oder Haschisch. Im Rausch ließ der Bub den Sex dann über sich ergehen.

Obdach gegen Sex

Im Juni 2012 soll der sexuelle Missbrauch aufgehört haben. Was blieb, war der rege Handel mit Marihuana und Haschisch. Peter K. verkaufte die Betäubungsmittel an den Buben.

Als Leon T. vor vier Jahren von seiner Mutter aus der Wohnung der Familie geworfen wurde, nahm ihn der Angeklagte bei sich auf. Unter einer Bedingung: Der Rentner wollte wieder Sex mit dem inzwischen 19-Jährigen. Der ging darauf ein, um nicht auf der Straße zu landen.

Leon T. offenbarte sich schließlich seiner Schwester. So kam der Stein ins Rollen. Seit Dezember 2018 sitzt der 72-Jährige jetzt schon in Untersuchungshaft. Der Prozess wird fortgesetzt.

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