Prozess in München Peißenberg: Warum brannte es im Schwimmbad?

Der 43-Jährige soll die von ihm betriebene Bar im Bad in Brand gesetzt haben. Foto: Daniel von Loeper

Ein 43-jähriger Mann soll im Peißenberger Bad gezündelt haben. Er bestreitet das - und will beim Prozessauftakt in München nichts sagen.

 

München - Sie badeten oder besuchten die Sauna – und ahnten nichts Böses. Doch dann brach ein Brand in einer Bar des Erlebnisbades aus.

Ein riesiger Brand, der das Leben von 22 Badegäste und zwei Angestellten in der Peißenberger "Rigi-Rutsch'n" gefährdete. 180 Feuerwehrler rückten an diesem 11. Februar 2016 aus, um den Brand unter Kontrolle zu bringen.

Das gelang, aber der Schaden war enorm. Laut Anklage soll er am Ende 750.000 Euro betragen haben. Eine Saison lang mussten die Peißenberger zudem auf ihr Freizeitbad verzichten.

Jetzt steht ein 43-Jähriger vor Gericht, der die von ihm betriebene Bar im Bad in Brand gesetzt haben soll. Um die Versicherungssumme für den Betriebsausfall zu kassieren, vermutet die Staatsanwaltschaft München II.

Brand in Peißenberger Bad: Versicherungsbetrug?

Die Versicherung habe Sven R. kurz vor dem Brand mit Hilfe seiner Frau – sie arbeitet bei der Versicherung – auf 300.000 Euro erhöht. Doch der Betreiber der Bar machte zu diesem Zeitpunkt Verluste. Bereits anderthalb Jahre zuvor soll Sven R. Zahlungsforderungen nicht mehr bedient haben.

Den Kreditrahmen seines Geschäftskontos schöpfte er in der Folge nahezu vollständig aus. Auch Lohnzahlungen konnte er nicht mehr in vollem Umfang leisten. Die prekäre wirtschaftliche Lage der Bar habe er dennoch gegenüber seinen Mitarbeitern verschwiegen.

Im Januar 2016 spitzte sich die Lage dann zu. Aufgrund der Zahlungsrückstände wurde Sven R. – er arbeitet inzwischen als Soldat und absolviert ein Fernstudium – der Pachtvertrag zum 31. Oktober 2017 gekündigt.

Brand in Peißenberg: Versicherung ermittelt selbst

In dieser Lage habe er sich laut Anklage zur Brandstiftung entschlossen, Geschäftspapiere im Gastraum angezündet und dann die Gaststätte verlassen. Doch es gibt Zweifel an der Version der Ankläger.

Während der Angeklagte selber beim Prozessauftakt am Mittwoch nichts sagen will, erklärt Anwalt Philip Müller, dass die Gutachter weder Brandstiftung noch einen technischen Defekt als Ursache ausschließen konnten.

Zur Auszahlung der ganzen Versicherungssumme kam es im Übrigen nicht. Nachdem 30.000 Euro ausgezahlt worden waren, schöpfte die Versicherung doch noch Verdacht und leitete interne Ermittlungen ein. Der Prozess wird fortgesetzt.

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