Prozess in München Mordversuch: Serienräuber sprengt Auto

Sieben Polizeibeamte trugen Verletzungen davon, doch am schwersten traf die Explosion den Angeklagten selbst: Wolfgang M. soll sich auf der Flucht vor der Polizei mit seinem Auto in die Luft gesprengt haben. Jetzt steht der Mann wegen versuchten Mordes vor Gericht. Foto: Fotomontage/dpa

Im Rollstuhl wird der Angeklagte in den Saal geschoben, erst nach dem Abzug der Fotografen zieht er seine schwarze Jacke vom Kopf. Enthüllt wird ein zerstörtes Gesicht, Nase und Ohren verstümmelt, die bleiche Haut straff über die Knochen gezogen.

München – Ein ehemaliger Mitarbeiter der British Telecom
muss sich seit Montag vor dem Münchner Schwurgericht gegen die
Anklage verteidigen, 18 Raubüberfälle verübt und sich auf der Flucht
vor der Polizei mit seinem Auto in die Luft gesprengt zu haben. Dabei
trugen sieben Beamte Verletzungen davon. Am schwersten traf die
Explosion den Angeklagten allerdings selbst. Der 50-Jährige war
wochenlang im Koma, 29 Prozent seiner Körperoberfläche, vor allem im
Gesicht, an den Schultern und an den Oberarmen, waren verbrannt.
Zahlreiche Operationen waren erforderlich, der Angeklagte
wird wohl ein Pflegefall bleiben.

Der gelernte Außenhandelskaufmann hatte laut Anklage Ende 2007 Job
und Wohnung in München aufgegeben und war in Süditalien
untergetaucht. Von Juni 2008 bis August 2010 soll der 50-Jährige zu
Raubzügen in Oberbayern und Schwaben mit seinem VW-Bus eingereist
sein und Tankstellen und Optikergeschäfte, im letzten Fall eine Bank,
überfallen haben. Er war stets maskiert und bedrohte die Angestellten
mit einer Spielzeugpistole. Vor seinem Verschwinden mit dem Geld
fesselte er die Opfer der Überfälle mit Kabelbinder. Insgesamt
erbeutete er knapp 40 000 Euro. Der Angeklagte hat diese Raubserie
eingeräumt.

Nach dem letzten Überfall auf ein Geldinstitut im Raum Augsburg
fiel der 50-Jährige bei einer Ringfahndung auf und wurde auf
der Bundesstraße 300 gestellt. In dieser Lage entschloss er sich,
sich der Festnahme durch Selbstmord zu entziehen. Der
Angeklagte öffnete das Ventil einer Propangasflasche, die er im
Kleinbus hatte und rief einem Beamten am Seitenfenster zu: „Gehen Sie
weg“.  Nach vergeblichen Versuchen gelang es ihm, das Gas zu
entzünden. Bei der heftigen Explosion wurden sieben Polizisten durch
die Flammen sowie umherfliegende Glasscherben verletzt. Vier
Beamte löschten den Brand und bargen den schwerverletzten Räuber
aus dem Fahrzeug.

Der 50-Jährige sagte vor Gericht, er habe nur sich selbst
umbringen wollen. Dass Menschen außerhalb des Wagens zu Schaden
kommen könnten, habe er nicht geahnt. Die Anklage geht dagegen davon
aus, dass der 50-Jährige den möglichen Tod der unmittelbar bei seinem
Fahrzeug stehenden Polizisten in Kauf genommen habe: „Er wusste, dass
die von ihm gezündete Explosion für ihn nicht beherrschbar war.“
Gegen den Angeklagten wird voraussichtlich an neun Tagen verhandelt.

 

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