Prozess in München Kameras im Schlafzimmer: Polizei schnappt Einbrecher

Kameras überführten das Einbrecherduo. (Symbolbild) Foto: Nicolas Armer/dpa

Ein Fotograf verfolgt die Tat live, er ruft die 110. Nun steht der mutmaßliche Drahtzieher vor Gericht.

 

München - Sein Bauchgefühl sagte ihm, hier stimmt was nicht. Und es hatte recht: Als ein Profifotograf aus dem Herzogpark an Allerheiligen 2017 mittags nach Hause kam, stand ein Mann vor dem Haus an der Mauerkircher Straße. Der Fremde studierte die Klingelschilder, entfernte sich dann.

Bevor der Fotograf am Abend wieder aus dem Haus ging, aktivierte er seine Webkameras, die er im Schlafzimmer installiert hatte. Die Bilder kann er auf sein Handy übertragen.

Wenig später bestätigte sich der Verdacht. Der 38-Jährige war im Auto, als die App auf seinem Handy anzeigte, dass jemand bei dem Fotografen in der Wohnung war. "Ich habe auf meinem Handy gesehen, wie die in der Wohnung zugange waren", sagte er Montag als Zeuge vor Gericht. Die Täter waren über ein Baugerüst in die Wohnung eingestiegen und hatten mit einem Stein eine Scheibe eingeschlagen.

Der Fotograf verständigte sofort die Polizei. Die beiden Einbrecher, die sich bereits eine Kameraausrüstung und (falsche) Elefantenstoßzähne zum Abtransport bereitgelegt hatten, wurden noch am Tatort festgenommen.

Mutmaßlicher Hintermann vor Gericht

Mittlerweile sind die beiden Einbrecher zu Bewährungsstrafen verurteilt worden. Doch seit Montag muss sich ein dritter Mann vor dem Münchner Amtsgericht verantworten. Der 41-jährige Münchner soll der Hintermann sein. Die verurteilten Täter hatten ihn schwer belastet.

Demnach soll der 41-Jährige die beiden in Kroatien angeheuert haben – und nicht nur für diesen einen Einbruch: Er soll den Männern auch noch andere Adressen in Bogenhausen und im Lehel genannt haben, bei denen "was zu holen" gewesen sei: darunter teure Uhren, Gold und Bargeld.

Die Adressen standen auf einem Zettel, den einer der Täter bei sich hatte. Ein Polizist vor Gericht: "Die Anschuldigungen haben sich mit unseren Ermittlungen gedeckt. Sie haben gezeigt, dass da noch mehr dahintersteckt. Das fügte sich wie ein Puzzle zusammen."

Hotelzimmer für das Einbrecherduo

"Ich bekenne mich hiermit nicht schuldig", sagte der Angeklagte (Verteidiger: Burkhard Benecken) gleich zum Prozessauftakt. Es gibt allerdings – neben den Anschuldigungen der Einbrecher – noch mehr Belastendes: So reservierten der Angeklagte und seine Verlobte zwei Hotelzimmer für das Einbrecherduo und bezahlten die Zimmer in bar.

Die Frau (37) gab einem der Täter außerdem ihr iPhone für den München-Aufenthalt. Und schließlich kennt der Angeklagte sowohl den Fotografen persönlich als auch die anderen potenziellen Einbruchsopfer: einen Immobilien-Unternehmer und einen Autoverkäufer. Bei Letzterem hatte der Angeklagte vor Jahren einen Maserati für seine Ex-Frau geleast. Inzwischen ist er pleite.

Der Angeklagte behauptet, der Kontakt zu den beiden Kroaten sei zustande gekommen, weil er mit deren Unterstützung Schulden in Höhe von 74.000 Euro eintreiben wollte. Die Männer sollten "auf legalem Wege Druck ausüben". Staatsanwältin Förster sagte zu dem Angeklagten: "Ich glaube Ihnen kein Wort." Der Prozess wird fortgesetzt.

Lesen Sie hier: Einbrecher überführt sich selbst in 13 Fällen

 

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