Proteste in der Türkei Chef der Türkischen Gemeinde erklärt Erdogan

Gökay Sofuoglu ist seit kurzem Chef der Türkischen Gemeinde in Deutschland. Foto: TGD

Der TGD-Vorsitzende Gökay Sofuoglu erklärt, was viele Wähler so sehr an Erdogan fasziniert

 

München - Die AZ hat beim neuen Chef der Türkischen Gemeinde nachgefragt, wie er die Proteste nach dem Grubenunglück in Soma bewertet

AZ: Gegen Präsident Erdogan wird heftig protestiert. Trotzdem schneidet er bei Wahlen in der Türkei immer wieder gut ab. Wie gelingt ihm das?

GÖKAY SOFUOGLU: Erdogan hat eine sehr treue Anhängerschaft in der Türkei. Er kommt aus der Mitte und kann die Menschen – auch über den Glauben – begeistern. Etwa 35 Prozent der Türken würden ihn wahrscheinlich immer wählen, egal was er macht.

Liegt das an seinen früheren Errungenschaften? Erdogan hat vor allem in der Wirtschaft große Erfolge erzielt. Er hat die Türkei modernisiert und die Währung stabilisiert. Außerdem ist ihm eine Annäherung an die europäische Gemeinschaft gelungen. Aus diesen Gründen sind viele Wähler immer noch dankbar.

Denken die Menschen nach dem Unglück in Soma jetzt um? Das könnte gut sein, diesmal sind Menschenleben im Spiel. Man kann schon eine ganz andere Stimmung in der Bevölkerung spüren – auch unter seinen bisherigen Anhängern. Die Aufklärung des Unglücks durch die Regierung war bisher mehr als unzureichend.

Wie geht Erdogan damit um? In Soma erlebt er die Proteste zum ersten Mal selbst aus nächster Nähe. Das ist ungewohnt für ihn. Er kann nicht wie sonst das Bild des starken Mannes zeigen.

Am 24. Mai kommt Erdogan nach Köln – um Wahlkampf zu machen. Was ist hier zu erwarten? Er hat eigentlich viele Anhänger hier in Deutschland. Aber diesmal sind auch Proteste und Trauerkundgebungen für die Bergleute zu erwarten. Ob es letztendlich zu einem Umdenken der Wähler kommt, kannn ich nicht sagen: Erdogan ist ein Meister darin, das Thema zu wechseln und von sich abzulenken. Er wird in Köln für sich und für seine Idee werben.

 

 

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