Protestaktion am Marienplatz abgesagt Keine Moschee mehr: Muslime beten in Kirchengemeinde

AZ-Lokalredakteurin Jasmin Menrad.
Beten unterm Kreuz: Muslime im Gemeindesaal von St. Michael. Jurastudent Medin Mujakic (21, kleines Bild) sagt: „Das Freitagsgebet ist für uns, wie sonntags in die Kirche gehen“ Foto: min

Aus Sicherheitsgründen wird eine Bet-Aktion am Marienplatz abgesagt. Imam Idriz hofft auf ein großes Islamzentrum

 

München – 200 Demonstranten waren für den Freitagmittag am Marienplatz angemeldet. Es sollte eine ungewöhnliche Kundgebung werden. Muslime wollten darauf hinweisen, dass sie keine Gebetsräume mehr in der Innenstadt haben – und unter freiem Himmel mitten in der Stadt beten.

Doch die Anmelder sagten die Demo ab – wegen „Gefahr für Leib und Leben“ nach Drohungen, wie es offiziell hieß. Offenbar hatte aber auch eine Rolle gespielt, dass viele Muslime wenig von der Aktion hielten.

Sie stelle „eher eine Provokation für die Münchner Bürger dar als das es uns Muslimen hilft“, hieß es auch in Diskussionen unter Gläubigen im Internet. Stattdessen trafen sich 150 Muslime auf dem Marienplatz – und zogen unter Polizeischutz zur Michaelskirche. „Wir stellen einen neutralen Raum zur Verfügung, denn Gott ist überall“, sagte Pater Karl Kern, der Kirchendirektor von St. Michael.

Am Marienplatz hatten sich zuvor auch Rechtsradikale eingefunden, Szene-Kenner sprachen von mindestens 15 Extremisten. Rechte hätten sich „vereinzelt“ herumgedrückt, bestätigte ein Polizeisprecher. Die Polizei bat die Muslime, sich nicht provozieren zu lassen. Das Gebet in einem Raum der Kirchengemeinde dauerte etwa eine halbe Stunde. Einer, der dabei war, ist Jurastudent Medin Mujakic (21). „Das Freitagsgebet ist für uns, wie sonntags in die Kirche gehen“, sagte er. „Jetzt haben wir einen weiten Weg aus der Stadt raus, um zu beten.“

Im Aufruf zur Demo hatte es geheißen, man bitte Stadt und OB um Unterstützung. Das tat am Freitag auch Imam Benjamin Idriz, dessen Projekt eines repräsentativen Islamzentrums 2016 am fehlenden Geld gescheitert war. „Viele Menschen, die schon lange im Stadtzentrum arbeiten, waren gewöhnt, kurz zum Gebet und dann zurück zur Arbeit zu gehen“, sagte Idriz am Freitag im Gespräch mit der AZ. Er hoffe, dass die Stadt kurzfristig mit Räumen helfen könnte. „Aber das Problem löst man so nicht“, sagte Idriz. „Wir wollen noch einmal das Gespräch mit der Stadt suchen, um noch Wege zu finden, das Islamzentrum doch zu realisieren.“

 

42 Kommentare