Projekte im Überblick Münchner Kulturverein: Das Zauberreich des Wannda Circus

Das "Bahnwärter Thiel"-Team auf dem neuen, alten U-Bahn-Wagen am neuen Areal. Foto: Petra Schramek

Der Kulturverein baut seine Buden in der ganzen Stadt auf. Die AZ gibt einen Überblick über alle Projekte.

München - Wo sie ihre Zelte aufschlagen, wird es bunt: Der Kulturverein Wannda, erst vor fünfeinhalb Jahren gegründet, ist aus München nicht wegzudenken und belebt mit seinen Zwischennutzungen brache Flächen.

Etwa 50 Leute – vom Handwerk bis zum Marketing – arbeiten in Voll- oder Teilzeit für den Verein, unter ihnen auch zwei Auszubildende zum Veranstaltungskaufmann. Die bekanntesten Vereinsmitglieder sind die Brüder Daniel (27) und Julian (25) Hahn, die dem Verein auch vorstehen. Rund 500 Menschen helfen ehrenamtlich mehr oder weniger regelmäßig beim Auf- und Abbau des Wanderzirkusses oder bei den Veranstaltungen.

Die Handschrift von Wannda in deren verspielten Projekten ist stets klar zu erkennen, aber die Strukturen dieses Vereins und wer gerade welches Projekt macht, versteht wohl nur, wer in diesem Zirkuskosmos mitspielt. Im Folgenden gibt die AZ einen Überblick über derzeitige, heimatlose und geplante Projekte von Wannda.

Bahnwärter Thiel

Herzstück des Bahnwärter Thiel ist der dreieckige, ehemalige Kunstpavillon des Lenbachhauses, in dem Workshops, Clubnächte und Flohmärkte zwischen Gondel und Diskokugel veranstaltet werden. Oder sind es doch die 50 Schiffscontainer, die bald von Kreativen bezogen und als Proberäume genutzt werden? Oder sind die Herzstücke die zwei U-Bahnwaggons, in denen eine Kantine entstehen soll und kleine Konzerte und Lesungen stattfinden?

In jedem Fall kommt noch viel Arbeit auf Projektleiter Daniel Hahn und seine haupt- und ehrenamtlichen Helfer zu. Derzeit toben sich auf dem Gelände Grafittisprayer aus, in einer Unterführung ist schon eine Werkstatt eingerichtet, der Pavillon hat schon die ersten Baustellenpartys erlebt und die ersten Container sind ausgebaut. In einem Container wird eine Kita einziehen.

Im Laufe des Jahres wird die Taktung an Veranstaltungen auf dem größten Zwischennutzungsgelände von Wannda steigen, belebt ist der Bahnwärter Thiel schon jetzt.

  • Wo: Auf dem alten Viehhofgelände
  • Wann: Bis 2022

Pestalozzistraße

Mit zwei Frauen, die sich auch um das Haus beworben haben, werden Florian und Julian Hahn gemeinsam das Haus im Glockenbachviertel beleben. "Konzeptionell hängt das noch total in der Luft", sagt Julian. Ein kleines Café könnten sie sich vorstellen und einen Raum für Kultur, der anders als viele andere Wannda-Projekte auch bei schlechtem Wetter bespielt werden kann.

  • Wo: Pestalozzistraße 8
  • Wann: Ab Ende 2019

Märchenbazar

Der zauberhafte Weihnachtsmarkt mit den Zirkuszelten, Schlemmerwohnwagen und der ausgedienten Ponyreitbahn als Bar war auf dem Viehhof zu Hause. Nun ist der Verein Wannda auf der Suche nach einem neuen Ort, wo er im Winter seine Zelte aufschlagen kann.

  • Wo: Der Verein ist auf Standortsuche
  • Wann: Unklar, aber wenn, dann im Winter

Kulturfestival

Das Kulturfestival, das Julian Hahn hauptverantwortlich veranstaltet, ist eine große Open-Air-Ausstellung mit ungewöhnlichen Thementagen wie dem brasilianischen Forro-Tag, dem "Fashion-Revolution-Day" mit einer Modenschau, die von Geflüchteten gestaltet wird und Münchner Modemachern, einem veganen Essensbasar und dem Nachtflohmarkt. Letzterer kostet als einzige Veranstaltung drei Euro Eintritt. Und freilich, einen Biergarten gibt’s auch.

  • Wo: Kreativquartier beim Leonrodplatz
  • Wann: 4. bis 21 Mai

MS Utting

Es war der spektakulärste Schwertransport, den München je erlebt hat, als der Ausflugsdampfer MS Utting vor einem Jahr vom Ammersee in die Isarvorstadt auf eine stillgelegte Eisenbahnbrücke gezogen ist. Seitdem ist die Eröffnung immer wieder nach hinten verschoben worden.

"Der Teufel steckt im Detail, sowohl im Baulichen als auch in den Genehmigungen", sagt der Projektverantwortliche Daniel Hahn. Mittlerweile sind die Bauarbeiten aber so weit, dass jene Sachen bearbeitet werden, die zu sehen sind: die Fußböden und die Holzvertäfelung etwa.

Schifffahrtsfreunde sollen die MS Utting als die wiedererkennen, die sie immer war. Der Charakter soll erhalten bleiben. Sie soll der Ruhepol im quirligen Wannda-Universum werden, wo es Kaffee, Kuchen und ayurvedisches Essen gibt, jazzige Musik und ruhige Nachmittage und Abende. "Die Münchner werden den Sommer auf jeden Fall auf der Utting verbringen können", sagt Daniel Hahn.

  • Wo: Auf der Eisenbahnbrücke über der Lagerhausstraße
  • Wann: Spätestens ab dem Sommer

Wannda Circus

Den Sommer über veranstaltet der Verein am Wochenende große Feste in Freimann, um sich und München und das Leben zu feiern. Der Wannda Circus ist ein wilder Mix aus Konzerten, Tanzperformances, DJs und Flohmarkt, eben eine etwas andere Vereinsfeier.

  • Wo: Völckerstr. 5, Freimann
  • Wann: Im Sommer

Hexenhäuschen

"Die Idee ist, den angeblichen Schandfleck von Giesing in ein verwunschenes Hexenhäuschen umzubauen", sagt Julian Hahn, der das Projekt mit seinen Freunden Philipp Behringer und Florian Jund leitet. Dafür nehmen sie auch alte Fenster, Türen und Dachgauben vom Viehhof mit, der gerade abgerissen wird. Für den Garten haben sie schon eine alte Kutsche und einen Uralt-Rollstuhl aufgetrieben.

Das Hexenhäusl-Konzept ist wetterabhängig, weil’s drinnen zu klein ist, um zu sitzen. Im Blumengarten soll’s Pommes und Kuchen ähnlich wie im Gans am Wasser geben und eine offene Bühne für Künstler. Ruhig und gemütlich soll es sein. "Zwei Mal im Jahr gibt’s ein Fest, Sonnwende könnten wir ja feiern", sagt Julian.

  • Wo: Pilgersheimer Straße beim Kolumbusplatz
  • Wann: Ab Sommer 2018 bis Januar 2023

Café Gans am Wasser

Halbierte Badewannen und Europaletten zum Sitzen, Yoga und Kasperltheater im Zirkuszelt, Kaffee-Kuchen und Rosmarin-Kartoffeln aus dem Bauwagen: Auch im Winter ist das Freiluft-Café von Julian Hahn und Florian Jund ein beliebtes Ausflugsziel, denn im alten Stallzelt mit den Teppichen, Sofas und Büchern fühlen sich die Gäste wie in einem gemütlichen Nomaden-Wohnzimmer.

  • Wo: Mollsee im Westpark
  • Wann: Bis mindestens 2023

Minna Thiel

Der Schienenbus von Daniel Hahn steht schon im dritten Jahr vor der HFF, und wenn’s nach den Beteiligten geht, soll er dort dauerhaft stehen. Weil das kompliziertes Baurecht ist, das auch für einen Bus von 1952 gilt, wird die Entscheidung, ob die Minna Thiel über den Herbst hinaus dauerhaft vor der HFF bleiben kann, noch dauern. Bis dahin gestalten vor allem Studenten das Programm, es finden kleine Konzerte und Lesungen statt, und Filmstudenten drehen in dem Bus.

  • Wo: Vor der Hochschule für Fernsehen und Film (HFF), Bernd-Eichinger-Platz 1
  • Wann: Genehmigung bis Herbst 2018

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