Prinzregententheater Das Quatuor Ébène spielt Beethoven

Das Quatuor Ébène. Foto: Julien Mingot

Das Quatuor Ébène beginnt seinen Zyklus mit sämtlichen Streichquartetten von Ludwig van Beethoven

 

Diese Matinée ist erst der Auftakt einer sechsteiligen Reihe, doch wirkt der Beifall am Ende des Konzertes so, als ob schon deren Gesamt-Finale gefeiert würde. Die Begeisterung des Publikums, das vorher im Prinzregententheater über zwei Stunden mucksmäuschenstill gelauscht hat, ist höchst verdient.

Mit dem Streichquartett Nr. 13 hat das Quatuor Ébène den ganzen weiten Kosmos des Denkens Ludwig van Beethovens aufgespannt, bis hin zu seinen auch heute noch frappierend modern wirkenden Visionen. Denn die Franzosen haben sich entschieden, das späte B-Dur-Quartett nicht mit dem witzig-gemäßigten Rondo abzuschließen, sondern mit der ursprünglich vorgesehenen „Großen Fuge“.

In diesem viertelstündigen Brocken ist jede Differenzierung, die ein Ensemble über die bloße höchstkomplizierte Koordination hinweg anbringen kann, schon ein Erfolg. Das Quatuor Ébène aber häuft im tückenreichen Verlauf der „Großen Fuge“ so viele interpretatorische Feinheiten an, dass ein echter Triumph dabei herauskommt.

Mit maximaler Souveränität

Dabei spielen die Dame an der Bratsche, Marie Chilemme, und ihre drei männlichen Kollegen mitnichten die körperliche Gewaltsamkeit dieses Stücks herunter. Mit fast jaulender Intensität artikuliert etwa der Primgeiger Pierre Colombet manche Phrase – alles andere wäre Verharmlosung. Und trotzdem lassen sich die Musiker nicht von den Schwierigkeiten beherrschen, sondern erheben sich in seltener Souveränität über diese, so wie sie schon in den vorangehenden Sätzen etwa die rätselhaften Tempobrüche verständlich gemacht hatten, ohne sie wegzuerklären.

Das Phänomen, das dieses Ensemble so einzigartig macht, ist sein klanglicher Reichtum. Manche anderen Quartette wären wohl schon froh, wenn sie eine solche Homogenität in der Abstimmung der Instrumente erreichen würden. Doch da fängt das 1999 gegründete Quatuor Ébène erst an. In Beethovens Quartett Nr. 7 F-Dur op. 59/1 „Rasumowsky“ lässt sich diese Kunst unter nicht ganz so extremen Bedingungen beobachten. Jeder Ton, den die vier Streichinstrumente produzieren, öffnet eine ruhige Oberfläche, auf der sich ein unendliches, mikroskopisch feines Leben entwickeln kann. Die Palette der Klangwirkungen reicht von einem angenehm weichen, schimmernden Tutti über knackige Akzente bis hin zur magischen Stille.

Eigentlich müsste man das Detail für Detail beschreiben: Wie etwa im Kopfsatz des F-Dur-Quartetts der Anfang leicht träumerisch zurückgehalten und somit innerhalb weniger Takte eine subtile Steigerung möglich wird, die der Komponist selbst gar nicht eigens notiert hat. Doch besser, man hört das selbst, als nur davon zu lesen. Der Besuch des nächsten Konzerts des Quatuor Ébène wird dringend empfohlen.

Im nächsten Konzert am 11. März spielt das Quatuor Ébène im Prinzregententheater um 20 Uhr Beethovens Quartette Nr. 6 B-Dur und Nr. 15 a-moll, Karten unter Telefon 98 29 28 0

 

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