Prinzregententheater Christoph Hagel hat die "Zauberflöte" reloaded

Der Regisseur und Dirigent Christoph Hagel im Markgräflichen Opernhaus von Bayreuth, wo seine „Zauberflöte Reloaded“ zu Pfingsten gastierte. Foto: Hong Thai Photography

Im Prinzregententheater gastiert diese Woche eine HipHop-Version der „Zauberflöte“

 

Bei dieser Oper trafen schon immer hohe Kunst auf reines Vergnügen, Volkstheater auf alte Mythen und Anspruch auf Entertainment. In Christoph Hagels „Zauberflöte Reloaded“ prallt Mozarts Musik auf Street Culture, Beats und Rap. Das von den Berliner Symphonikern gespielte Original bleibt weitgehend unangetastet, aber Papageno wird zum Rapper. Von Dienstag bis Sonntag ist diese vom Würzburger Mozartfest in Auftrag gegebene Modernisierung im Prinzregententheater zu sehen.

AZ: Herr Hagel, wie „reloaded“ ist Ihre Bearbeitung?
CHRISTOPH HAGEL: Keine Angst, bitte, Sie werden viel Originalmusik hören.

Die heiligen Mozart-Hallen, werden also würdig betreten.
Auf jeden Fall, wo das Ganze freimauererisch und von „hoher“ Musik inspiriert ist. Wo Mozart und sein Textdichter Emanuel Schikaneder auf Elemente der Wiener Volksoper gesetzt haben, haben wir passenderweise jetzt die führende Kultur der Welt: HipHop.

Wieso passenderweise?
Weil die „Zauberflöte“ ihre Stärke und Popularität genau aus dem Gegensatz zwischen klassischer Oper in den Szenen um Sarastro, Pamina und der Königin der Nacht auf der einen und Papageno auf der anderen Seite bezieht. Als heutigen populären Zeitgeist haben wir daher HipHop in Form von Video, Tanz, Breakdance und Rap hinzugefügt.

Das Original hat im zweiten Akt mit all den Prüfungen für heutige Besucher ziemliche Längen.
Da haben wir den Rotstift angesetzt: Jetzt dauert die „Zauberflöte“ wunderbare zwei Stunden statt quälender drei. Aber weil Prüfung und Leistung wichtige Elemente unserer kapitalistischen Kultur sind, muss das drin bleiben. Aber man kann das ironisch lustig und kürzer abhandeln. Das Zauberwort heißt Family-Entertainment! Man ist doch froh, wenn man mit Teenie-Kindern gemeinsam wo hingehen kann.

Aber warum macht man das nicht an einer echt „coolen“ Location?
Weil die Eltern zahlen! Die müssen ja sagen: Kommt, da gehen wir hin! Aber ich habe nichts gegen außergewöhnliche Orte. Kommendes Jahr mache ich „Fidelio“ in einem Gefängnis.

Ingmar Bergman hat in seiner Verfilmung angedeutet, dass hinter dem Konflikt zwischen Sarastro und der Königin der Nacht ein Scheidungsdrama steckt.
Das ist kein Hirngespinst, sondern wird in den Dialogen angedeutet: Die Mutter, die Königin der Nacht, war mit dem besten Freund von Sarastro verheiratet, dann gab es einen Scheidungskrieg – auch um Pamina, die Tochter. Ich denke das weiter mit Sarastro als Vater. Am Ende stirbt „die Böse“ ja nicht, sondern es deutet sich eine Versöhnung des alten Paares an. Und wenn viele behaupten, das Stück sei auch frauenfeindlich, kann ich nur sagen: Mozart war der größte Frauenversteher, was man in seinen meisten Opern klar sehen und hören kann.

Sie haben statt drei Knaben nur zwei! Spargründe?
Ach das ganze Dreier-Getue! Ich hatte schon Schwierigkeiten gehabt, zwei Spitzen-Breakdancer zu finden, weil die oft verletzt sind.

Warum gibt es bei Ihnen nicht nur einen Monostatos, sondern auch einen Monoflatos?
Um Devin Ash-Quaynor dabei haben zu können, einen Spitzentänzer.

Wie sind Sie eigentlich zum HipHop gekommen?
Über den Tanz – beim Projekt „Flying Bach“. Dann kam „Breakin’ Mozart“ und jetzt: „Zauberflöte Reloaded“. Und das Großartige ist, es funktioniert von beiden Seiten: wenn man von der Klassik her denkt und fühlt und wenn man von der HipHop-Kultur her kommt. Auch Graffiti und Videos fließen ein. Alles spielt im Heute. Und neben den Orchestermusikern gibt es auch Musik vom Band. Aber ich kann nur noch einmal sagen: Mozart wäre bestimmt nicht sauer auf uns! Und wer HipHop mag: Es ist alles drin!    

Prinzregententheater, Dienstag, 6. August bis Sonntag, 11. August, jeweils 20 Uhr, Karten von 49 bis 79 Euro unter Telefon 93 60 93 und an den bekannten Vorverkaufsstellen

 

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