Premiere im Residenztheater „Ich ich ich“ von Eugène Labiche, inszeniert von Martin Kusej

In "Ich ich ich" geht es bisweilen turbulent zu. Foto: Andreas Pohlmann

Gier, Geld und Getriebenheit: Martin Kusej inszeniert die französische Komödie „Ich ich ich“ von Eugène Labiche im Residenztheater

 

Sogar das Programmheft lädt ein zur Ich-Betrachtung. Der Umschlag trägt nicht das übliche Schwarz, sondern glitzert verspiegelt. Das gilt im zweiten Akt auch für das Bühnenbild von Annette Murschetz. Der Salon des Bankiers Fromental (Wolfram Rupperti) ist ein heimtückisches Spiegelkabinett, in dem die Gäste eines Abendempfangs einerseits diskret die Garderobe zurecht zupfen können. Andererseits geht die Orientierung verloren. Wer sich lässig anlehnen will, erwischt eine Tür, durch die er aus der Szene plumpst. Wer einen schnellen Fluchtweg sucht und sich knapp verschätzt, kracht gegen eine Wand.

Aber so übel kann das Leben spielen, wenn es sich vor allem um Spekulation und Manipulation dreht. Mit solider Komödiantik und einem Hauch von Slapstick ging Martin Ku(s)ej einen betont traditionellen Weg, die 1864 uraufgeführte Komödie „Ich ich ich“ (für den französischen Originaltitel reicht ein einziges „Moi“) von Eugène Labiche zu inszenieren. Der Schnell- und Vielschreiber porträtierte satirisch die geldige Pariser Bourgeoisie zur Mitte des 19. Jahrhunderts, deren profitfixiertes Finanzgebaren in den zahlreichen Bankenkrisen seit dieser Zeit seine Echos fand.

Die Mechanik der Salonkomödie

An eine wunderbare Geldvermehrung glauben auch der reiche Privatier Dutrécy und sein Geschäftsfreund de la Porcheraie. Sie wollen Dutrécys Leibarzt Fourcinier (Götz Schulte) ein Grundstück abkaufen, das bald wegen eines städtischen Bauvorhabens seinen Wert vervielfachen wird. Davon aber weiß der Eigentümer noch nichts. Und Dutrécy ist verliebt: Der Mittfünfziger verknallt sich in seine 19-jährige Nichte Thérèse (Nora Buzalka), die ihm den Lebensabend versüßen soll. Das gute Kind wittert aber vor allem eine Chance, dem Internat endlich entfliehen und den vor allem in finanzieller Hinsicht attraktiven Bankierssohn George (Thomas Lettow) ehelichen zu können.

Die Mechanik der Salonkomödie um Intrige und Täuschung läuft rund, wenn auch nicht so farcenhaft anarchisch wie bei Labiches Zeitgenossen Georges Feydeau. Ku(s)ej inszenierte keinen Brüller, sondern Elegantes zum Schmunzeln. Dabei bilden Markus Hering als drahtig agiler Dutrécy und Oliver Nägele als ebenso hysterischer wie korpulenter Gourmand de la Porcheraie ein schönes Paar irgendwo zwischen Asterix und Obelix und Laurel und Hardy.

Wie so oft auf dem klassischen Boulevard sind es die Diener, die manchen Lacher abstauben. Das gelingt auch Thomas Gräßle als übellaunigem und intellektuell schwerfälligem, aber klassenbewussten Aubin. Schließlich ist „Ich ich ich“ eine Koproduktion von Residenztheater und den Recklinghäuser Ruhrfestspielen, dem Kulturfest der Gewerkschaften.

Residenztheater, 25. Mai, 19 Uhr, 3., 9. Juni, 20 Uhr, 21. Juni, 19 Uhr, 24. Juni, 20 Uhr, Karten unter Telefon 2185 1940

 

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