Premiere der Bayerischen Staatsoper Bohuslav Martinus "Mirandolina" in der AZ-Kritik

Matthew Grills (Fabrizio) und Mária Celeng (Mirandolina) in Bohuslav Martinus Oper. Foto: Wilfried Hösl

Rasante Liebeskonfusionen unter Palmen: Bohuslav Martinus "Mirandolina" mit dem Opernstudio im Cuvilliéstheater

Sie entsteigt dem Pool wie die Göttin Venus, zeigt langes schwarzes Haar und noch längere Beine. Die Männer liegen ihr zu Füssen. Die Wirtin Mirandolina macht selbst mit einem Putzwagen im thailändischen Urlaubsresort von Christian Stückls Inszenierung die beste Figur.

Bei Bohuslav Martinus Oper "Mirandolina" kommen im Cuvilliéstheater zwei Richtige zusammen: Eine hinreissende Rolle frei nach einer Komödie von Carlo Goldoni und die wunderbare Sängerin Maria Celeng. Die junge Ungarin ist das Elementar-Ereignis der Aufführung mit Mitgliedern des Opernstudios der Bayerischen Staatsoper. Am liebsten würde man von ihrer silbrig klaren Stimme gleich Puccinis "Il mio babbino caro" als Zugabe hören. Einer Neuentdeckung dürfen wir uns - leider! - nicht rühmen: Mária Celeng war schon 2012 das phänomenale, auch von dieser Zeitung hochgelobte "Schlaue Füchslein" einer Produktion der Theaterakademie im Prinzregententheater. Und im vergangenen Sommer sang dieses Ausnahme-Talent bei den Salzburger Festspielen den Tebaldo in Verdis "Don Carlos".

Talente mit dem Charisma zum Star

Das wird kaum das Ende der Karriere bleiben. Das lässt sich auch bei Matthew Grills sagen. Er sang den zuletzt doch erhörten Kellner Fabrizio. Seine schöne lyrische Tenorstimme würde jede Rossini- oder Mozart-Aufführung zieren. Andrea Borghini gab den unbelehrbaren Frauenhasser mit kerniger Kraft. Und selbst die winzige Nebenrolle eines Dieners war mit Petr Nekoranec pfiffig besetzt. Das Liebes-Quiproquo von "Mirandolina" erinnert entfernt an "Cosi fan tutte".

Christian Stückl beschwerte die Heiterkeit dieser Musik-Komödie trotzdem nicht mit tragischen Bleigewichten. So etwas würde auch nicht zum Übermut der Musik dieser 1959 in Prag uraufgeführten Oper passen, die Rossinis Buffa-Tonfall neoklassizistisch schärft und an die Turbulenz der "Schweigsamen Frau" von Richard Strauss erinnert. Dass sie vor einer schönen Final-Kantilene unterhalb von Allegro con spirito, Presto con moto und Prestissimo keinerlei Ruhepunkte findet, sorgt ein wenig für Hirnsausen beim Zuhörer.

Den Dirigenten Alexander Prior und die Musiker des Bayerischen Staatsorchesters trifft keine Schuld: Martinu hat so atemlos komponiert, was die harte Akustik und die kleine Besetzung im Graben gnadenlos unterstrich. Stückl sorgte für unbeschwertes Theatervergnügen. Aber er zeichnete die Figuren genau und formte das darstellerische Potenzial seines Ensembles geschickt.

Erstaunlich, was in den jungen Sängern so alles steckt, die im Opernalltag des Nationaltheaters eine adelige Waise im "Rosenkavalier" oder den Marullo in Verdis "Rigoletto" aufwerten müssen. Jeder von ihnen hat das Zeug zur Hauptrolle, manche gar das Charisma zum Star.

Weitere Vorstellungen am 2., 3., 9. und 11. 5. sowie im November. Infos und Karten: Tel. 21 85-19 20

 

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