Preis der Kurt Eisner Kulturstiftung Patricia London Ante Paris inszeniert „Die Perser“ am Neptunbrunnen

Vor dem Münchner Justizpalast am Neptunbrunnen werden sich am Donnerstag Schlachten abspielen: Griechen gegen Perser, Rot gegen Weiß. Foto: PLAP

Die Künstlerin Patricia London Ante Paris erhält den Preis der Kurt Eisner Kulturstiftung und inszeniert „Die Perser“ am Neptunbrunnen

 

Der Kapitalismus trägt den Krieg in sich wie die Wolken den Regen.“ Es war der französische Sozialist und Pazifist Jean Jaurès, der diesen beunruhigenden Gedanken festhielt. Die Münchner Kurt-Eisner-Kulturstiftung stellt das Zitat als Motto seinem diesjährigen Kunst-Wettbewerb voran. Seit 1990 schreibt sie unregelmäßig einen Preis aus, der sich an Künstler richtet, deren Werk „politisch Position bezieht, gesellschaftspolitische Bezüge sichtbar macht und kritisch reflektiert“.

Mit Kurt Eisner teilte Jaurès nicht nur die Gesinnung, sondern auch das Schicksal als Opfer eines politisch motivierten Mordes von Rechts: 1914 wurde er von einem französischen Nationalisten erschossen. Der Mörder kam nur fünf Jahre später frei. Doch während Jaurès sterbliche Überreste 1924 ins Pariser Panthéon überführt wurden, wartet der unabhängige Sozialdemokrat, der den Freistaat Bayern ausrief, hundert Jahre nach seiner Ermordung noch auf einen Platz in der Walhalla. Die 1988 von Münchner Künstlern gegründete Stiftung hält die Erinnerung an Bayerns ersten Ministerpräsidenten hoch, den die CSU aus der offiziellen Geschichtsschreibung gerne raushält.

Die Perser und die Schlacht bei Dachau

Jetzt bekommt die Münchner Künstlerin Patricia London Ante Paris den mit 10 000 Euro dotierten Preis; am kommenden Donnerstag ist die Verleihung. Im Anschluss findet am Neptunbrunnen im Alten Botanischen Garten ihre „Perser Pentagon Performance“ mit drei Tänzern und zwei Schauspielern zur eigens komponierten Musik von Jo Arneth statt. Dafür vermengt sie die antike Tragödie mit der so genannten „Schlacht bei Dachau“ im April 1919, dem einzigen Gefecht zwischen den roten und weißen Truppen, bei dem die Roten unter dem Schriftsteller und Revolutionsführer Ernst Toller – kurzfristig – gewannen.

Die Idee, „Die Perser“ zur Grundlage einer Kunst-Aktion zu machen, kam der Künstlerin während des Aufenthaltes auf einer Insel in der Bucht von Salamis, wo 480 v. Chr. die entscheidende Seeschlacht stattgefunden hatte. Es ist die „Ambivalenz“ der antiken Tragödie, die die Künstlerin fasziniert: „Aischylos entfacht zum Zwecke der Katharsis gemischte Gefühle“, so Patricia London Ante Paris. „Nach dem Sieg über die Perser führt er den Siegern, also den Athenern, das Leid der Perser vor Augen. Er lässt sie über den Sieg jubeln, aber zugleich das Leid der Perser mitempfinden.“ 

Partizipative Performance

Für ihre Aufführung kompiliert sie den Urtext dahingehend, dass sie gerade die „grausamsten Stellen“, in denen die harte Schlacht geschildert wird, übernimmt – und davon gibt es einige.

London Ante Paris legt die historischen Zeitebenen der Perserkriege und der Räterepublik übereinander. Passenderweise sind in Albrecht Altdorfers Gemälde der „Alexanderschacht“ die Perser rot und die Griechen weiß uniformiert, und so werden in der „Perser Pentagon Performance“ ebenfalls rote und weiße Truppen gegeneinander kämpfen. Was die Rolle des Pentagon dabei angeht, so sei damit vor allem „die fünfeckige Urform der Verteidigung“ gemeint.

Weil es sich um eine partizipative Performance handelt, gibt es keine Zuschauer. „Das Publikum wird zu Akteuren“, erklärt die Künstlerin. Die Besucher sollen ihren Anweisungen entsprechend agieren. Die auf hundert Teilnehmer ausgerichtete Inszenierung sieht dafür eine einfache Kostümierung vor. Was genau passieren wird, ist „geheime Kommandosache“.
Die Schlacht aber wird hier vor allem ein Krieg der Worte – schließlich war auch Kurt Eisner Pazifist

Do, 28. Februar, 19 Uhr Preisverleihung, dann Premiere der „Perser Pentagon Performance“ (bei jedem Wetter, Eintritt frei), auch am 1. März 19 Uhr

 

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