Prahl und Liefers AZ-Kritik zum Tatort: "Das Wunder von Wolbeck"

Bilder aus dem Münsteraner Tatort "Das Wunder von Wolbeck" Foto: dapd

Mehr verworren als originell: Boerne klugscheißert und Proll-Thiel giftet. So hat die AZ den Münsteraner Tatort "Das Wunder von Wolbeck" gesehen. Die Kritik von Ponkie

 

Schon in den „Wilsberg“-Detektivgeschichten boten die Münsteraner ein spezielles Schrullenpflaster als katholische Spießerstadt mit leicht verschrobenem Provinzhumor und einem perfekten Eulenspiegel-Personal.

Auch der Münsteraner Quotenrenner-Tatort lebt von seinen Kontrastfiguren, dem Duo Kommissar und Rechtsmediziner, das den sozialen Exzentriker-Tick mit Lust und Häme ausspielt: Axel Prahl ist als Kommissar Thiel der kleine Schlampige mit den Proll-Manieren und Neandertaler-Essgewohnheiten - Jan Josef Liefers ist der Bildungsprotz-Pathologe und Etepetete-Professor Boerne, der seine Wissenschaftskompetenz und seinen Standesdünkel stets meterweit heraushängen lässt und seine ebenso kompetente Assistentin (die er wegen ihrer Kleinwüchsigkeit „Alberich“ nennt) mit treuherzigem Sadismus schikaniert. Ein echter, stets aus dem Ei gepellter Akademiker-Fatzke.

Zu ihrem 10-jährigen „Tatort“-Jubiläum „Das Wunder von Wolbeck“ (Buch: Wolfgang Stauch, Regie: Matthias Tiefenbacher, ARD/WDR) treibt der Professor Boerne seine Egomanen-Marotten auf die Spitze und lädt sich als Haut-und-Haar-Zeugen eine Ziege in sein pingelig gepflegtes Auto, während sich Kollege Thiel mit westfälischer Samenspender-Genetik und der Leiche eines Heilpraktikers aus dem ländlichen Wolbeck herumschlagen muss.

Die Geschichte ist mehr verworren als originell - aber wen schert das schon: Hauptsache, der Boerne spinnt und die Ziege passt ins Auto und er kann im Wettstreit mit „Alberich“ ordentlich klugscheißern, damit sich der Proll-Thiel ordentlich giftet und damit Don Quichote und Sancho Pansa ihre Münsterland-Tatmotive schön skurril sortieren können - wobei sich der Professor Boerne natürlich seine Bekleidung beschmutzt.

Wer es schon ausreichend komisch findet, wenn die beiden Grotesk-Helden genervte Blicke und giftige Worte tauschen, der kann sich mit einem strammen Cheeseburger mit Ziegenkäse vergnügen. .

 

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