Präsident fordert Handwerkskammer: "Wir müssen der Stadt öfter auf die Füße treten"

Paul Nöllke.
Präsident der Handwerkskammer München und Oberbayern: Franz Xaver Peteranderl. Foto: ho

Die Handwerkskammer zieht eine positive Bilanz des vergangenen Jahres – und hat einen dringenden Appell vor der Kommunalwahl.

 

München - Eigentlich ist Franz Xaver Peteranderl zufrieden. Denn das vergangene Jahr, erklärte der Präsident der Handwerkskammer München und Oberbayern, sei gut für das Handwerk gewesen. "Das Handwerk wirkt mit guten Zahlen und positivem Jahresausblick als Stimmungsaufheller", erklärte Peteranderl auf der ersten Pressekonferenz im neuen Jahr am Freitag.

So beurteilten 57 Prozent der von der Kammer befragten Handwerksbetriebe die Geschäftslage als gut, andere 34 Prozent als befriedigend. "Das ist ein sehr hohes Niveau", sagte der Präsident. Grund dafür seien der stabile Arbeitsmarkt, Lohnzuwächse, niedrige Zinsen und die starke Bautätigkeit.

Handwerkskammer: "Wir verlieren Arbeitskräfte an die Industrie"

Doch auch beim oberbayerischen Handwerk ist nicht alles gut. So sei die Beschäftigtensituation auch dieses Jahr schlecht. "Wir verlieren auch Arbeitskräfte an die Industrie", erzählte Peteranderl. Dies seien zwar etwas weniger als früher, aber immerhin hätten 27 Prozent der befragten Betriebe Arbeitskräfte an die Industrie verloren. "Da sind die Löhne oft besser", nannte der Präsident als Grund.

Für die Kommunalwahl am 15. März hat die Handwerkskammer eine Broschüre mit Wünschen und Forderungen drucken lassen. Darin sind drei Kernforderungen formuliert. Zuerst wünscht sich die Kammer wirtschaftsfreundlichere Kommunen. So sollen zum Beispiel Bauanträge schneller genehmigt werden und kommunale Betriebe den Handwerksbetrieben keine Konkurrenz machen, wie zum Beispiel bei der Pflege von Friedhofsanlagen.

"Es werden zu viele Gewerbeflächen zu Wohnraum"

Auch sollen Kommunen attraktive Standorte für Handwerksbetriebe schaffen. Hier kritisierte Peteranderl konkret die Stadt München: "Es werden zu viele Gewerbeflächen zu Wohnraum umgewidmet", erzählte der Präsident. "In großen Stil auf dem ehemaligen Gelände der Paulanerbrauerei, aber auch in Grafing stehen viele Grundstücke dem Handwerk nicht mehr zur Verfügung."

Peteranderl warnte, dass so die Zahl der Handwerksbetriebe weiter sinken würde. "Die gehen dann auch für die Münchner verloren."

"Riesige Probleme" in der Fraunhoferstraße

Besonders besorgt zeigte sich Franz Xaver Peteranderl über die Mobilitätsdebatte in München. "Hier werden Entscheidungen getroffen, ohne die Beteiligten einzubinden." Peteranderl war selbst vor kurzem im Rathaus bei einem Expertengespräch zu dem Thema, allerdings nur als Besucher, nicht als geladener Experte. "Ich glaube, dass falsch eingeschätzt wird, wie stark der Wirtschaftsverkehr in der Stadt wirklich ist", sagte Peteranderl. Dadurch würden wie in der Fraunhoferstraße "riesige Probleme" entstehen.

Dennoch glaubt der Handwerkskammerpräsident, dass die Probleme der Handwerker im Rathaus inzwischen bekannt sind. "Wir müssen der Stadt öfter auf die Füße treten, dann wird sich auch etwas tun", hofft er.

Zurzeit erarbeitet die Handwerkskammer eigene Mobilitätskonzepte, die sie aber erst nach der Kommunalwahl vorstellen will. "Wir werden dann unsere Stimme einbringen", sagte Frank Hüpers, Hauptgeschäftsführer der Handwerkskammer. "Dann ist die Stimmung weniger aufgeheizt."

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