Portugal Ronaldo: Kein Tor, kein Autogramm

Ronaldo enttäuscht bei Portugals 1:3 gegen die Türkei – und verärgert eine kleine Anhängerin

 

LISSABON Den ersten Fehltritt erlaubte sich Cristiano Ronaldo schon bevor er überhaupt auf dem Platz stand. Ein 10-jähriges Mädchen bat den portugiesischen Superstar um ein Autogramm. Der sonst den Frauen durchaus zugetane Angreifer von Real Madrid verweigerte – weil das Mädchen ein Trikot des FC Barcelona trug. „Es tut mir weh, in die Augen meiner Tochter zu blicken, die riesige Enttäuschung zu sehen”, klagte deren Vater.

Am Samstagabend enttäuschte Ronaldo dann nicht nur einen kleinen Fan, sondern nahezu die gesamte portugiesische Fußball-Nation. Nach der 1:3-Pleite gegen die Türkei, dem dritten Spiel in Serie ohne Sieg, rang er um Erklärungen. „Uns sind heute viele Fehler unterlaufen, die man einfach nicht machen kann.”

Immerhin mühte er sich auch zur Selbstkritik: „Ich habe einen Elfer vergeben und die Elf dadurch verunsichert”, räumte der Stürmer nach seinem 90. Länderspiel mit nach der Dusche schlecht sitzender Irokesen-Frisur ein. Bei der EM werde aber alles ganz anders sein, versprach der 27-Jährige. Und erklärte das so: „Da muss der Ball doch einfach ins Tor.”

Ronaldo versucht also zu beruhigen. Dramatischer sahen es eine Woche vor dem EM-Start in Lemberg gegen Joachim Löws DFB-Elf allerdings die gut 60000 Fans, die die „Selecção” im „Estadio da Luz” von Lissabon mit Buhrufen und Pfiffen in die Kabine schickten, und auch die Medien. „Diese Abwehr ist ein Schreck!”, klagte am Sonntag das Sportblatt „Record”, während „Diario de Noticias” titelte: „Schlechtes Spiel, noch schlechteres Ergebnis und eine Krise”. Auch von einer „Schande” war die Rede. Am Tejo versank man in kollektiver Wut und Trauer.

Der mit seiner Gala-Elf um Ronaldo, Nani, Raul Meireles, João Moutinho, Pepe und Fabio Coentrão angetretene Weltranglisten-Fünfte schien die Gäste in den ersten 20 Minuten überrollen zu wollen, zeigte aber bald gegen die konterstarken Türken eklatante Abwehrschwächen.

Nach dem 0:0 im Februar bei EM-Co-Gastgeber Polen, der Nullnummer gegen Mazedonien vor einer Woche und der Türkei-Schlappe bleibt Portugal 2012 ohne Sieg – und Ronaldo, der für Real in 38 Spielen 46 Tore schoss, ist dieses Jahr ohne Länderspieltor.

 

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