Pop Himmel, Hölle, Synthesizer: das neue Album von Depeche Mode

Vom Synthie-Pop der 80er zum Stadionrock: Martin Gore, Dave Gahan und Andrew Fletcher (von links). Foto: Anton Corbijn

Sie haben den Blues: Depeche Mode und ihr neues Album „Delta Machine".

 

Von Nahtoderfahrung bis hin zum Einsatz der Band für sauberes Trinkwasser in Entwicklungsländern wissen wir schon jetzt alles Wichtige, was es derzeit über Depeche Mode zu sagen gibt. Seit dem Erscheinen der Singleauskopplung „Heaven“ am 1. Februar schob die Band eine mediale Bugwelle vor sich her – die fast zwangsläufig zu Enttäuschung führen muss.

„Delta Machine“ heißt das neue Album, das sich nach David Gahans Aussage in Richtung Blues orientiert. Tatsächlich steht man schon mit „Welcome To My World“ textlich mitten im Delta. Der Teufel ist aus dieser Stadt geflohen, sein Masterplan verschoben. Die Sonne geht unter, der Mond leuchtet – und das alles in der Elektronik-Orchesterkulisse, die Depeche Mode als Stahlbetonbau so rasant in den Himmel wachsen lassen.

„Angel“ – man könnte meinen, hier predigt Nick Cave. Und die Synthies haben die aufreibende Kraft großer Schleifscheiben. Die wuchtige Trilogie dieses Anfangs endet mit dem schon bekannten „Heaven“ einer Jenseitsschau Dave Gahans, die ihm Martin Gore so übersteigert, grenzhysterisch, wunderbar auf sein Leben geschrieben hat.

Und dann steckt man in „Secret To The End“, einem Song, der bei aller Gorschen Schwingung wenig Geheimnis hat, aber kein Ende findet. Nichts gegen digitale Soundlandschaften von klaustrophobischer Tristesse, wie sie „My Little Universe“ zementiert, um sich dann in eine Synthie-Retro-Weltraum-Fantasie aufzulösen. Nichts gegen einen Beat, der so stupide gemein ist, wie der in „I Wanna Be Your Dog“ von den Stooges und der „Soft Touch/Raw Nerve“ nach vorne hämmert.

Aber irgendwann in Nummern wie „Should Be Higher“ und „The Child Inside“ blickt man hinter die pathetische Kulisse und sieht Leere. Ach ja, der Blues, der alte Geselle, der schon länger seine Rolle im Depeche-Kosmos spielt. Bei „Slow“ darf er für Gitarrentiefe sorgen. „Goodbye“ als letzte Nummer setzt dann einmal die stumpf tönende Bluesgitarre gegen den elektronischen Zinnober. Tatsächlich ist, begleitet von der schaukelnden Behäbigkeit des Gitarrenriffs, die Songlänge einmal kein Problem.

Depeche Mode: „Delta Machine“ (Sony Music),

1. Juni, Olympiastadion

 

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