Pollen-Allergie Jeder fünfte leidet an Heuschnupfen: Warum es dieses Jahr besonders schlimm ist

Heuschnupfen? Allergiker haben momentan mit Pollen schwer zu kämpfen. Es gibt allerdings verschiedene Behandlungsmöglichkeiten für diese Patienten. Foto: dpa

Husten, Schnupfen, tränende Augen: Momentan liegt überall ganz dick der gelbe Blütenstaub – Pollen-Allergiker leiden dieses Jahr ganz besonders.

 

Hatschi! Schon wieder läuft ihm Nase. Seine Augen tränen, er bekommt kaum noch Luft. Seit seiner Kindheit quälen Andreas Maierhofer (Name von der Redaktion geändert) aus Landshut diese Beschwerden.

Jedes Jahr aufs Neue geht das Spiel für den 30-Jährigen von vorne los: "Ich bin allergisch gegen Gräser, Haselnuss, Birke, Weizen und Nüsse", sagt Maierhofer. Immer, wenn die Saison beginnt, nimmt er vorher schon Tabletten. Warum es für ihn dieses Frühjahr ganz besonders schlimm kommt? "Zurzeit blüht einfach alles auf einmal." Deswegen öffnet er seine Fenster nicht mehr, geht kaum noch raus und wenn, dann nur mit Mundschutz und Sonnenbrille.

Jeden Tag duscht Maierhofer mehrmals und wäscht sich die Haare, um den feinen, gelben Blütenstaub zu entfernen. Eine Hypersensibilisierung – also eine Therapie gegen seine Allergie – machte er einmal. Allerdings ohne Erfolg.

Jeden Tag duscht Maierhofer mehrmals um den Blütenstaub vollständig zu entfernen 

"Jeder fünfte in Deutschland leidet unter einer Pollen-Allergie", sagt Dr. Marina Rothärmel, Hausärztin am MVZ Lakumed an der Schlossklinik in Rottenburg. Durch die milden Temperaturen beginne die Heuschnupfensaison bereits im Winter.

Besonders Laubbäume wie Hasel, Erle und Birke blühen sehr früh im Jahr. Sie verursachen die ersten Symptome. Später, etwa im April und Mai, fangen die verschiedenen Getreidesorten und Gräser an zu blühen. Genauso wie bei Kräutern – Ambrosia und Beifuß sind besonders gefürchtet wegen ihren langanhaltenden Symptome – reicht der Pollenflug bis in die Herbstmonate hinein.

Wie findet man eigentlich heraus, dass man unter einer Allergie leidet? Dafür gibt es den Pricktest oder den Blutallergie-Test vom Arzt. Reagiert der Patient beim Test positiv, ist aber noch nicht aller Tage Abend: "Ein positiver Test bedeutet, dass man die Neigung zur jeweiligen Allergie hat. Allerdings muss man nicht unbedingt krank werden", sagt Allergologe Dr. Reinhard Zimmermann, Facharzt für Innere Medizin am Klinikum Landshut. .

Gewissheit bringt ein Pricktest oder ein einfacher Blutallergie-Test beim Arzt 

Und wie entsteht eine Allergie? Zimmermann: "Indem jemand eine Veranlagung dazu hat und der Körper auf spezielle Pollen pathologisch reagiert. Das können Schwellungen in der Nase, tränende Augen und auch Husten sein." Reagiert der Körper auffällig, sollte man entsprechende Gebiete mit Pollen und Gräser meiden. Denn, hat man häufigen Kontakt mit den Allergie-Auslösern, mache dies alles nur noch schlimmer.

Apotheken bieten Medikamente an, von Nasensprays über Augentropfen und Tabletten. Allerdings sollten diese Medikamente erst abends eingenommen werden, da sie extrem müde machen. Problematisch werde es, so Zimmermann, wenn ein sogenannter Etagensprung stattfindet, es also zu einer Mitreaktion der Schleimhäute in den Atemwegen kommt und dadurch ein Asthma entsteht.

"Dann muss unbedingt eine Hypersensibilisierung beim Patienten gemacht werden", sagt er. Diese dauert drei Jahre. Die Patienten werden direkt mit dem Allergen in Kontakt gebracht. Entweder als Spritze direkt unter die Haut oder in Form von Tabletten oder Tropfen. Kindern legt man das Allergen sogar unter die Zunge. "Dabei versucht man durch den Allergen-Kontakt den Körper so zu trainieren, dass er eben nicht so überreagiert, wie er es pathologisch tun würde", sagt Zimmermann.

Außergewöhnlich: Viele Allergiker reagieren erst im Erwachsenenalter auf die ersten Symptome

Bei vielen Patienten habe man mit der Sensibilisierung Erfolg: "Die Symptome können deutlich abgemildert werden. Die meisten Patienten sind sehr zufrieden damit", sagt Zimmermann.

Wer sich hypersensibilisieren lassen möchte, sollte sich ausführlich beim Arzt darüber informieren. Die Voraussetzung für diese Art der Behandlung ist: Man sollte keine chronischen Erkrankungen oder Störungen des Immunsystems haben. Auch an dem jeweiligen Tag, an dem der Patient hypersensibilisiert wird, muss man gesund sein. Danach darf erstmal kein Sport mehr getrieben werden.

Viele Allergiker reagieren erst im Erwachsenenalter auf die ersten Symptome. Ist dieses Phänomen medizinisch erklärbar? "Die hohe Schadstoffbelastung in der Luft beeinflusst das Immunsystem", sagt Zimmermann. Allergiker können eine sogenannte Kreuzallergie entwickeln. Dann verträgt derjenige plötzlich kein Steinobst oder keine Nüsse mehr. Zimmermann rät Betroffenen: "Da muss man gut aufpassen und sich testen lassen. Auch hier gilt es, das Allergen zu vermeiden."

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