Pollen-Allergie Heuschnupfen: Welche Medikamente wirklich helfen

Mit den ersten warmen Frühlingstemperaturen geht auch die nervige Pollenallergie wieder los Foto: imago

Für Allergiker brechen wieder harte Zeiten an. Medikamente gibt es viele: Stiftung Warentest hat sie getestet. Die Ergebnisse im Überblick

München - Kaum ist der Winter vorbei – und die hartnäckige Grippe überstanden – brauchen viele schon wieder Taschentücher: Die nervige Pollenallergie geht los. Was derzeit in der Luft liegt: Die Pollen der Hasel liegen schon in der Luft, bei den Erlen geht es langsam los, sagt der Münchner Dermatologe und Allergologe Dr. Hans-Ulrich Voigt der AZ. Beide blühen laut dem Deutschen Allergie- und Asthmabund besonders im Februar und März. Bald geht es auch mit den Birken-Pollen los – die sind sehr leicht und können vom Wind hunderte Kilometer weit getragen werden.

Anders ist das bei Pappel und Esche. Die Pollen sind schwer, verbreiten sich daher nicht weit. Die Symptome Eine Allergie kann sich laut Voigt an ganz unterschiedlichen Körperstellen auswirken. Betroffen kann die Haut sein etwa in Form eines Ekzems, die Nase, die Augen mit einer Bindehautentzündung, die Lungen etwa mit Asthma oder auch der Darm bei Allergien auf Lebensmitteln.

Ab 30 statt Asthma oft Hautreizungen

Die betroffenen Stellen können sich im Laufe des Lebens ändern. Sind junge Menschen vor allem von Asthma und Heuschnupfen betroffen, gehen diese Beschwerden bei Menschen zwischen 30 und 50 Jahren häufig zu Hautreizungen über. Medikamente im Test

Es gibt Unmengen an Medikamenten für Allergie-Patienten. Stiftung Warentest hat jetzt insgesamt 78 Medikamente danach getestet, wie geeignet sie für Allergie-Patienten sind. Darunter sind sowohl solche, die vorbeugend, aber auch zur direkten Behandlung eingesetzt werden. Für Dermatologe Dr. Hans-Ulrich Voigt ist entscheidend, ob ein Medikament eine ermüdende Wirkung als Nebenwirkung zeigt. Bei neueren Mitteln ist das seiner Erfahrung nach fast gar nicht mehr der Fall und deswegen auch gut für Berufstätige oder Autofahrer geeignet.

Das belegt im Grunde auch Stiftung Warentest. Sie hat 78 Medikamente danach beurteilt, ob sie das halten, was in der Packungsbeilage versprochen wird. Grundsätzlich kommt Stiftung Warentest zu dem Urteil, dass Medikamente ohne Konservierungsstoffe vorgezogen werden sollten, weil darauf wiederum allergisch reagiert werden kann.

Eine Auswahl der rezeptfreien Medikamente, die laut dem Test geeignet sind, und welche nicht beziehungsweise nur mit Einschränkung:

Augentropfen

Geeignet:

  • Allergo COMOD Augentropfen (vorbeugend, ohne Konservierungsmittel; 4,95 Euro)
  • Allergodil akut (11,15 Euro)
  • Alomide (5 ml 14,95 Euro)
  • Crom-Ophtal (4,76 Euro)
  • Cromo-ratiopharm (auch zur Vorbeugung, 5,25 Euro)
  • CromoHEXAL (auch zur Vorbeugung, 5,25 Euro)
  • Livocab direkt 4 ml (11,97 Euro)

Mit Einschränkung geeignet:

  • Berberil N (5 ml 5,19 Euro)
  • Duraultra N sine (ohne Konservie- rungsmittel, 5,31 Euro)
  • Ophtalmin-N (10 ml 4,45 Euro)
  • Proculin (5,19 Euro)
  • Visine Yxin (4,95)

Diese Produkte sollen nur kurzzeitig verwendet werden, weil sich sonst die Bindehaut erneut röten kann, so Stiftung Warentest. Die Medikamente verengen die Blutgefäße im Auge, das heißt: Sie sind ganz schnell nicht mehr gerötet. Das Problem: Sie produzieren auch nur noch wenig Flüssigkeit und es besteht die Gefahr, dass sie austrocknen. Nicht länger als fünf bis sieben Tage anwenden.

Nasenspray

Geeignet:

  • Allergodil akut (bei allergischem Schnupfen; 5 ml 8,10 Euro)
  • Cromo-CT Nasenspray (ohne Konservierungs- mittel, 7,37 Euro)
  • Crom-Ophtal (ohne Konservierungsmittel; 15 ml 6,37 Euro)
  • Cromo-ratiopharm (ohne Konservierungsmittel, zur Vorbeugung; 15 ml 7,37 Euro)
  • Livocab direkt (8,71 Euro)
  • Vidirin akut Azelastin Nasenspray gegen Heuschnupfen (ohne Konservierungsmittel, 8,43 Euro)

Mit Einschränkung geeignet:

  • ratioAllerg Heuschnupfenspray (8,95 Euro)
  • Rhinivict nasal (8 Euro)
  • Otriven Allergie Aktiv mit Beclometason (9,25 Euro)

Die Medikamente sind nur sinnvoll, wenn die Beschwerden sehr ausgeprägt sind, so Stiftung Warentest. Sie enthalten Kortison und es ist unklar, ob die andauernde Anwendung wirklich unbedenklich ist. Länger als vier Wochen sollte es allerdings auf keinen Fall eingesetzt werden.

Tabletten

Geeignet:

  • Cetirizin-ADGC (20 Stück 2,96 Euro, 100 Stück 12,95 Euro)
  • Cetirizin Hexal (7 Stück 2,99 Euro, 100 Stück 29,99 Euro)
  • Cetirizin-STADA (7 Stück 2,51 Euro, 100 Stück 24,49)
  • Loratadin Stada (7 Stück 1,94 Euro)
  • Reactine (14 Stück, 10,97 Euro, 21 Stück 12,95)
  • Zyrtec (20 Stück 17,29 Euro, 100 Stück 71,44 Euro)

All diese Tabletten machen laut Stiftung Warentest nicht bis fast nicht müde. Das ist vor allem bei den Wirkstoffen Cetirizin und Loratadin der Fall. Der Preisunterschied ist allerdings enorm: Das Original Zyrtec kostet fast sechsmal so viel wie das Generika, sprich das nachgemachte Produkt mit dem gleichen Wirkstoff, Cetirizin-ADGC.

Mit Einschränkung:

  • Tavegil (20 Stück 8,16 Euro)
  • Fenistil Dragees (20 Stück 6,50 Euro, 100 Stück 23,99)

Beide machen müde und sollten daher nicht am Tag eingenommen werden.

Wenig geeignet:

  • Reactine duo (6 Stück, 5,96 Euro)
  • Rhinopront Kombi (12 Stück 4,95 Euro)

Bei beiden schreibt Stiftung Warentest: „Wenig sinnvolle Kombination aus einem wenig bis nicht müde machenden Antihistaminikum und einem gefäßverengendem Stoff, der bei Daueranwendung zu schwerwiegenden Nebenwirkungen führen kann.“ Inhalationslösungen Keine der getesteten Lösungen wird als wirklich geeignet eingestuft. Sie wirken laut Test bei Erwachsenen zur Vorbeugung von allergischem Asthma nur unzureichend, so die Bewertung im Test.

Achtung vor Selbsttherapie

Dr. Voigt warnt ausdrücklich vor „Selbsttherapie“. Der Dermatologe weiß, dass bei Hautekzemen etwa erst einmal verschiedenes selbst ausprobiert wird – von Melkfett bis zur Creme der Tochter. „Das verschleppt die Sache aber nur.“ Er rät, bei Symptomen einen Allergietest machen zu lassen.

Seit einigen Jahren ist die Hyposensibilisierung, die „Allergieimpfung“, deutlich weniger zeitaufwendig als früher. Vor der Allergie-Saison werden vier bis sechs Mal die Allergene gespritzt. Das muss drei Jahre lang gemacht werden. Allerdings ist das bei den meisten Pollen für diese Saison schon zu spät. Im Spätsommer sollte man seinen Arzt kontaktieren.

 

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