Polizeipräsident stellt Zahlen vor Aktuelle Statistik: Wie sicher ist München?

Ein Polizist vor dem Hauptbahnhof - hier sind die Straftaten rückläufig. Foto: Marc Müller/dpa

München ist so sicher wie seit 30 Jahren nicht mehr! Polizeipräsident Hubertus Andrä präsentiert erfreuliche Zahlen.

 

München - München ist so sicher wie seit 1988 nicht mehr. Einbrüche, Gewalt auf der Straße oder Mord und Totschlag: In fast allen Kriminalitätsbereichen verzeichnet die Polizei für das vergangene Jahr rückläufige Zahlen.

Die Gesamtzahl aller Straftaten ist um fast 15 Prozent auf 103.000 Fälle und damit auf den Stand vor 30 Jahren gesunken. "München ist wieder die sicherste Großstadt Deutschlands", freute sich Münchens Polizeipräsident Hubertus Andrä, als er am Freitag Entwicklungen aus dem noch nicht ganz fertigen Sicherheitsreport 2017 präsentierte. Die Zahlen in Schlaglichtern:

Mord und Totschlag

Sieben Menschen wurden in der Stadt und im Landkreis ermordet. 34 Mal ermittelte die Polizei wegen versuchter Tötungsdelikte – ein Rückgang um 30 Prozent. Bei über der Hälfte kannten sich Täter und Opfer oder waren verwandt.

Sexualdelikte

1.191 Frauen wurden sexuell belästigt, begrapscht, genötigt oder vergewaltigt (2016: 882 Delikte). Erklärung für den vermeintlichen Anstieg ist eine Verschärfung des Sexualstrafrechts: Was früher eine Beleidigung war, gilt heute als Sexualstraftat. Tatsächlich sank die Zahl der Vergewaltigungen.

Falsche Polizisten

Ein Wermutstropfen in der Statistik: Um 1.000 Prozent ist die Betrugsmasche von falschen Polizisten gestiegen. 3.239 Fälle wurden aktenkundig. Schaden: 4,3 Millionen Euro.

Extreme

Die Rechten werden gewalttätiger, die Linken friedlicher: In der Statistik sind Gewaltdelikte von Linksextremen um über 60 Prozent zurückgegangen. 25 Taten wurden aktenkundig. Die Polizei erklärt das mit weniger Pegida-Versammlungen. Ein neues Feindbild für gewaltbereite Linke sind Immobilienfirmen: Zehn Anschläge auf Büros oder Autos wurden verübt. Rechtsextreme stehen mit 459 Taten in der Statistik, das sind 22 Delikte mehr. Meist ging’s um Volksverhetzung und Bedrohung. 10 von 29 Gewalttätern konnten bislang nicht ermittelt werden.

Reichsbürger

Eine beunruhigend hohe Zahl Reichsbürger lebt in München. Allein 2017 hat die Polizei 332 Personen dieser Bewegung zugeordnet. 262 Personen müssen noch überprüft werden.

Zuwanderer

Ende 2017 lebten 34.000 Zuwanderer in München, das sind knapp zwei Prozent der Bevölkerung. 5.126 von ihnen begingen laut Statistik 7.154 Straftaten (ausgenommen: Aufenthaltsverstöße). Somit waren diese Täter für rund elf Prozent aller Straftaten verantwortlich. Meist handelte es sich um Körperverletzung oder Raub in Unterkünften. Opfer waren zu 50 Prozent ebenfalls Zuwanderer. Die häufigsten anderen Delikte: Schwarzfahren, Urkundenfälschung und Drogen.


U-Bahn, Bus und Tram: Hohe Aufklärungsrate dank Videoüberwachung

Immer mehr U-Bahnen, Busse, Trams und Bahnhöfe sind mit Überwachungskameras ausgestattet, Ermittler fahnden mit Fotos öffentlich nach Verdächtigen und die Polizei kontrolliert häufiger: All das trägt dazu bei, dass die Aufklärungsquote von Gewalttaten im öffentlichen Personenverkehr im vorigen Jahr auf beeindruckende 76,2 Prozent gestiegen ist. Konkret heißt das: In 182 Fällen konnten die Täter ermittelt werden.

Gleichzeitig ist die Zahl aller Straftaten im öffentlichen Personenverkehr um 4,5 Prozent auf 13.363 Straftaten leicht gesunken. Besonders erfreulich ist, dass es weniger Gewalttaten gab (minus 13 Prozent).

Geklaut wurde immer noch viel, aber ebenfalls weniger als im Vorjahr: 1.499 Menschen erstatteten Anzeige, weil sie im ÖPNV bestohlen worden waren. Das waren 191 weniger Taschendiebstahlsopfer als 2016 (ein Minus von 32,1 Prozent).

Drogen: Die meisten werden mit Cannabis erwischt

Die Polizei hat im vergangenen Jahr 12 Prozent mehr Drogendelikte festgestellt: Insgesamt 9.361 Taten wurden gezählt. Die Ermittler führen das darauf zurück, dass sie mehr kontrollieren – vor allem im und am Hauptbahnhof. Allein dort wurden 1.825 Drogendelikte festgestellt.

Die vielen Kontrollen führen dazu, dass sich die Szene teilweise verlagert – in den südlichen Bereich des Bahnhofs (plus 12,8 Prozent Aufgriffe), aber auch in Hinterhöfe. Doch nicht nur am Bahnhof jagt die Polizei Drogensünder. Sogar Fahrschüler müssen mit Drogentests rechnen.

Mit Abstand am häufigsten hat die Polizei Personen erwischt, die Cannabis geraucht oder bei sich hatten: 68 Prozent aller festgestellten Verstöße! Danach folgen Amphetamine mit sieben Prozent und Koks mit sechs Prozent.

In rund 1.000 Fällen nahm die Polizei Ermittlungen wegen Drogenhandels auf. Die Händler waren in mehr als der Hälfte der Fälle Nichtdeutsche (56 Prozent). Führend im Drogengeschäft sind in München nach wie vor Albaner. 23 Prozent der geschnappten Menschen, die mit Betäubungsmitteln handelten, waren Zuwanderer.

Hauptbahnhof: Überwachung hält Täter im Zaum

Obwohl es rund um den Hauptbahnhof nach wie vor ein Drogenproblem gibt (s. u.), zieht die Polizei eine positive Bilanz: Die Kriminalität im Bahnhof und dem unmittelbaren Umfeld ist zurückgegangen. Hubertus Andrä: "Wir haben insgesamt 7.259 Straftaten verzeichnet. Das sind 15,4 Prozent weniger als 2016".

Die neuen Maßnahmen greifen offenbar. Sie wurden mit der Stadt, der Bahn und der MVG entwickelt. Bundespolizisten, die im Bahnhof zuständig sind, und Landespolizisten gehen gemeinsam auf Streife, seit 2017 gibt’s ein Alkoholverbot im Bahnhof und vier neue (und nun insgesamt sechs) Überwachungskameras. Die Polizei kontrolliert sehr intensiv. Ein Effekt ist allerdings auch, dass sich die Drogenszene verlagert.

Einbruch: Posititiver Trend

Im Kampf gegen Einbrecher setzt die Polizei seit ein paar Jahren unter anderem auf mehr Kontrollen, eine intensivierte internationale Zusammenarbeit, Prävention und eine Analyse-Software, die die Wahrscheinlichkeit neuer Taten berechnet. Diese Vorgehensweise trägt nun Früchte: Nachdem die Zahl der Einbrüche 2016 noch einmal gestiegen war, ging sie im vergangenen Jahr in der Stadt und im Landkreis um fast 21 Prozent auf 1.219 Fälle zurück.

Hubertus Andrä: "Positiv zu bewerten ist außerdem, dass fast jeder zweite Wohnungseinbruch erfolglos verlief." Viele Münchner machen ihre Wohnungen sicherer. Ein Wermutstropfen: Nur jeder fünfte Einbruch konnte aufgeklärt werden.

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