Polizeieinsatz in der S-Bahn München: Außenstehender beendet Streit mit Pfefferspray

Wer Pfefferspray gegen einen Menschen einsetzt, macht sich der schweren Körperverletzung strafbar. Ausnahmen gibt es nur, wenn nachweislich Notwehr vorlag. (Symbolbild) Foto: Daniel Karmann/dpa

Um den Streit zweier Männer in der S-Bahn zu unterbrechen, greift ein Zeuge zum Pfefferspray - und muss sich deshalb nun selber vor dem Gesetz verantworten. 

 

München - In einer S-Bahn sind am Dienstagabend zwei Männer aneinandergeraten. Um die Streithähne zu trennen, hat ein außenstehender Mitfahrer daraufhin beschlossen, einzugreifen. Dabei brachte er sein mitgeführtes Pfefferspray zum Einsatz, weshalb auch gegen ihn Ermittlungen eingeleitet worden sind.

Kurz vor 23 Uhr wurde die Bundespolizei am Ostbahnhof von einem Deutsche-Bahn-Mitarbeiter über die Schlägerei mit Pfeffersprayeinsatz in der S3 informiert. Laut Polizeibericht waren die zwei Männer in der stadtauswärts fahrenden S-Bahn am Isartor in Streit geraten.

Streitpunkt: Ruhestörung durch Handyvideo

Ein 37-Jähriger aus Oberhaching setzte sich zu einem 34-Jährigen gesetzt und soll auf seinem Smartphone ein Video mit hoher Lautstärke angesehen haben. Als der Jüngere ihn darauf ansprach, soll der 37-Jährige aggressiv reagiert haben. Die Auseinandersetzung ging dann ersten Ermittlungen zufolge in eine Rangelei über. Der 34-Jährige informierte daraufhin den Fahrer per Sprechverbindung, dieser beruhigte die Situation und setze die Fahrt fort.

Kurz darauf soll der Oberhachinger den 34-Jährigen dann aber erneut körperlich attackiert haben. Als die Streitenden zu Boden gingen, entschloss sich der 58-Jährige Pfefferspray-Besitzer einzuschreiten. Die meisten anderen Mitreisenden hatten sich zu diesem Zeitpunkt aus der unmittelbaren Nähe des Streits entfernt.

Streitschlichter setzt Pfefferspray ein

Während der Jüngere der Aufforderung folgte, soll der Oberhachinger sich daraufhin dem 58-Jährigen aggressiv genähert und ihn angeschrien haben. Um sich mutmaßlich vor einem Angriff zu schützen, setzte der 58-Jährige sein Pfefferspray ein. 

Gegen die zwei Streitenden wurden Ermittlungen wegen Körperverletzung, gegen den 58-Jährigen wegen schwerer Körperverletzung eingeleitet. Da nicht erkennbar ist, ob das Pfefferspray über ein Prüfzeichen verfügt, besteht zudem der Anfangsverdacht, dass er gegen das Waffengesetz verstoßen hat. 

Die Bundespolizei versucht unter anderem den Vorfall mittels der S-Bahn-Videoaufzeichnung aufzuklären. Es wird auch geprüft, inwieweit bei dem Einschreiten des 58-Jährigen eine Notwehr- oder Nothilfe-Situation vorlag. Alle Beteiligten blieben nach Abschluss der polizeilichen Maßnahmen auf freiem Fuß. Der Streithahn, der das Pfefferspray abbekommen hatte, musste mit Augenreizungen in einem Krankenhaus behandelt werden.

 

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