Polizei-Tweet sorgt für Aufruhr Coronavirus in München: Aufregung um eine Parkbank

Auf der Bank alleine eine Buch lesen ist nicht erlaubt. Oder doch? Foto: dpa

"Nein, ein Buch auf einer Bank lesen ist nicht erlaubt". Dieser Tweet der Münchner Polizei sorgt für Aufsehen - und wird am Ende per Mitteilung aus dem Innenministerium kassiert.

 

München - In ein paar Jahren wird dieser Tweet der Münchner Polizei vielleicht einmal als Anschauungsmaterial dienen für die verrückte Zeit, in der er geschrieben wurde. Im Hier und Jetzt, dem Corona-München, hat er jedenfalls schon für allerlei Aufsehen gesorgt.

Was war passiert? Auf Twitter hatte am Dienstagvormittag die Mutter eines behinderten Sohnes gefragt, ob sie denn ein bisschen in der Natur sitzen dürfe, um "Luft und Sonne" abzubekommen. Das Social-Media-Team der Polizei, das in diesen Tagen wahrlich viel zu tun hat, antwortete daraufhin: "Längere Aufenthalte sind weiterhin nicht erlaubt, die Ausnahme sind hier kurze Pausen, gerade wenn die aus gesundheitlichen Gründen notwendig ist."

So weit, so gut. Spazieren gehen könne ihr Kind nicht so gut, sie wolle sich daher lieber nur auf eine Bank setzen, präzisierte die Fragestellerin. Ob das denn gegenwärtig erlaubt sei? Nein, antwortete die Polizei sinngemäß, der bekannten "triftigen Gründe" wegen. Daraus entspann sich die Frage eines zweiten Users, ob denn das Lesen eines Buches alleine auf einer Bank ein zwingender Grund sei. Worauf hin die Polizei jenen besagten Satz schrieb: "Nein, ein Buch auf einer Bank lesen ist nicht erlaubt".

Nun nahm das kommunikative Unglück seinen weiteren Lauf. Zahlreiche Menschen griffen den Tweet auf, darunter auch Juristen und viele Journalisten. Es wurde nach der genauen gesetzlichen Grundlage für dieses Verbot gefragt oder debattiert, was denn überhaupt noch in Bayern im Allgemeinen und auf einer Bank im Speziellen erlaubt sei – um nur die sinnvollsten Fragen zu nennen.

Lesen auf einer Bank ist mit Abstand in Ordnung

Die Debatte erreichte schließlich sogar die Bayerische Staatsregierung. Ministerpräsident Markus Söder sagte am Mittwochvormittag bei "BILD live": "Natürlich darf man ein Buch auf einer Parkbank lesen." Herrscht also sogar innerhalb der Exekutive Unklarheit über die eigenen Regeln?

Zur letzlichen Klarstellung gab der Bayerische Innenminister dann am Mittwochnachmittag noch eine Pressemitteilung heraus. "Die Freiheit der Menschen ist ein überragendes Gut, niemand soll in Bayern das Gefühl haben, er würde unnötig gegängelt", hieß es da. Im Zentrum aller Bemühungen stehe stets der Schutz vor Infektionen. "Es spricht daher überhaupt nichts dagegen, wenn sich jemand im Rahmen seines Spaziergangs allein, mit der Familie oder sonstigen Angehörigen seines Hausstandes zwischendurch auf eine Parkbank in die Sonne setzt", stellte Herrmann nochmals richtig. "Es spielt für das Infektionsrisiko auch keinerlei Rolle, ob jemand dabei ein Buch oder eine Zeitung liest oder etwa ein Eis isst", machte Herrmann deutlich. Dasselbe gelte für ein Sonnenbad im Park oder auf einer Wiese. "Entscheidend ist am Ende des Tages, Gruppenbildungen zu vermeiden und mindestens 1,5 Meter Abstand zu anderen zu wahren", so Bayerns Innenminister.

 

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