Schon viele Hinweise Mann mit Wolfsmaske vergewaltigt Schülerin (11) in München

Die Polizei sucht ein Waldstück in der Nähe des Tatorts ab. Foto: Lino Mirgeler/dpa

Ein elfjähriges Mädchen ist am Dienstag in Obergiesing vergewaltigt worden. Die Polizei sucht nach dem Täter und bittet Zeugen, sich zu melden. Schon viele Hinweise seien inzwischen eingegangen.

 

München - Nach dem schrecklichen Vorfall in München, bei dem ein elfjähriges Mädchen am Dienstag in Obergiesing vergewaltigt worden ist, ist der unbekannte Täter weiter auf der Flucht. Die Polizei sucht weiter nach Zeugen. Es gebe schon mindestens 60 Hinweise, die nun ausgewertet würden, sagte ein Polizeisprecher der AZ am Donnerstagmorgen. Er rechnete damit, dass es noch mehr werden. "Die Ermittlungen laufen auf Hochtouren." An Schulen und Kinderbetreuungseinrichtungen in dem Gebiet sind Polizisten präsent.

Der Vorfall in München ist erschütternd:

Eine Polizistin mit ihrem Spürhund streift durch die Parkanlage in der Ami-Siedlung. Sie und mehrere Dutzend Kollegen suchen die Umgebung rund um den S-Bahnhof Fasangarten nach Spuren von dem Mann mit der Wolfsmaske ab.

Vom Schulzentrum schräg gegenüber hört man Kinder lachen. Sie toben und spielen auf dem Schulhof. Ein Kiesweg führt vom S-Bahnhof quer durch die Siedlung. Jogger drehen im Schatten der Bäume ihre Runden, Frauen gehen mit ihren Hunden Gassi.

Gleich nebenan stehen mehrere Mietshäuser in Reihe, die Fenster sind offen. Ein älterer Herr sitzt auf seinem Balkon unterm Sonnenschirm. Als er von unten Geräusche hört, schaut er neugierig. Doch die Sicht ist von Bäumen und Büschen verdeckt.

Trotz der Hitze sind viele Menschen unterwegs. So wie auch am Dienstagnachmittag, als der Vergewaltiger zuschlägt. Jederzeit hätten ihn Passanten entdecken können, doch das schreckt ihn nicht ab. Die Elfjährige ist gegen 16.30 Uhr auf dem Heimweg von der S-Bahn-Haltestelle Fasangarten. Sie nimmt den Kiesweg durch den Park zur Wikingerstraße. Dort zwischen Bäumen und Büschen lauert der Täter. Um nicht erkannt zu werden oder Spuren zu hinterlassen, hat er eine Wolfsmaske aus Kunststoff über den Kopf gezogen sowie Latexhandschuhe, wie sie in Krankenhäusern üblich sind, an den Händen.

Vergewaltigung in Obergiesing: Täter trug Wolfsmaske

"Die Elfjährige sah hinter sich einen Mann, dann wurde sie gepackt", sagt Ignaz Raab, Chef bei K 15, zuständig für Sexualdelikte. "Der Mann hielt dem Kind den Mund zu und zerrte es in ein Gebüsch."

Er reißt dem Kind den Schulranzen vom Rücken. Dann wirft er der Elfjährigen deren Jacke übers Gesicht und vergeht sich an ihr. "Das Kind ist schwer sexuell missbraucht worden", berichtet Ignaz Raab. Selbst ein so erfahrener Kriminaler wie er ringt angesichts der Tat sichtlich um Fassung: "So etwas ist mir in 16 Jahren noch nicht begegnet."

Die Kripo hat die Ermittlungsgruppe "Wolf" gebildet. Zehn Fahnder von K 15 plus zwei Gruppen der Mordkommission. Profiler sind zudem an den Ermittlungen beteiligt. Die Spurensicherung setzt alle verfügbaren Mittel ein. "Der Fall hat oberste Priorität", betont Polizeisprecher Marcus da Gloria Martins. Die Kleidung des Mädchens wird im Labor untersucht. Experten versuchen, DNA des Täters zu sichern und einen genetischen Fingerabdruck zu erstellen. Die Daten können dann verglichen werden mit den im Polizeicomputer gespeicherten Daten anderer Sexualtäter.

Unbekannter bedroht Kind nach Missbrauch

Nachdem der Vergewaltiger von der Schülerin abgelassen hat, droht er: "Ich weiß, wo du wohnst. Wenn du etwas erzählst, töte ich deine Familie." Dann fordert er das Mädchen auf, fünf Minuten zu warten, und am Boden liegen zu bleiben, damit er genügend Zeit hat, um zu fliehen.

Der gesuchte Mann spricht akzentfreies Deutsch. Er ist etwa 1,85 Meter groß, ist mittleren Alters und hat braunes Haar. Er trug eine dunkle, gut knielange Hose und ein graues T-Shirt. Das Mädchen läuft nach Hause und vertraut sich seiner Mutter an. Die verständigt die Polizei. Eine sofort eingeleitete Großfahndung verläuft allerdings ohne Ergebnis.

Polizei sucht Zeugen

Die Kripo hat zwei Zeuginnen. Eine Frau habe den Mann mit der Maske gesehen. Eine zweite Zeugin habe den Mann und das Kind gesehen – auf die Entfernung jedoch keinen Übergriff erkannt. "Uns interessiert jede Information", betont Polizeisprecher Marcus da Gloria Martins. So könne sich beispielsweise jemand in der S-Bahn oder im Bereich des Tatorts nervös oder auffällig verhalten haben. Vielleicht ist auch ein Mann dabei beobachtet worden, als er versuchte, Gegenstände wie die Wolfsmaske oder die Klinikhandschuhe loszuwerden.

Bisher wurden weder die Wolfsmaske noch die Handschuhe gefunden. Polizisten durchsuchten am Mittwoch den ganzen Tag über auch die weitere Umgebung des Tatorts.

 


Zeugenaufruf der Polizei: Der Täter wird wie folgt beschrieben: Männlich, ca. 185 cm groß, der Stimme nach vermutlich mittleren Alters, braune Haare, sprach akzentfrei Deutsch. Er trug eine dunkle Hose (Länge bis über das Knie), ein graues T-Shirt und dunkle Sneakers sowie eine Wolfsmaske und Latexhandschuhe.

Zeugen, die etwas beobachtet haben, werden gebeten sich mit dem Polizeipräsidium (Telefon: 089-2910-0) oder jeder anderen Polizeidienststelle in Verbindung zu setzen.