Wie konnte das passieren? Chemie-Fund in Pullach: 1.000 Schüler saßen auf Pulverfass

Die Pater-Rupert-Mayer-Schulen der Erzdiözese in Pullach. Rund 1000 Schüler saßen buchstäblich auf einem Pulverfass. Foto: Daniel von Loeper

Straßensperrung, Flugverbot, kontrollierte Sprengung: Eine Substanz für den Unterricht löst in Pullach einen Großeinsatz aus. Wie konnte das passieren?

 

München -  Die etwa 1.000 Schüler der Erzbischöflichen Pater-Rupert-Mayer-Schulen in Pullach haben jahrelang in unmittelbarer Nähe eines hochexplosiven Metallgemischs gebüffelt: In einem Raum neben dem Chemiesaal des Gymnasiums lagerten 500 Gramm Kalium. Ein neuer Chemielehrer stellte fest: Es war nicht sachgemäß aufbewahrt, das Paraffinöl, das es zum Schutz umgeben hatte, war im Laufe der Jahre verdunstet oder ausgelaufen. Schon der Kontakt mit Sauerstoff oder eine Erschütterung hätten eine Explosion auslösen können.

Etwa 150 Einsatzkräfte kümmerten sich um den Abtransport. Dann wurde das Material kontrolliert gesprengt.

Explosives Gemisch

Am Donnerstagnachmittag wurde die Polizei informiert, dass im Pater-Rupert-Mayer-Gymnasium ein Behälter mit einer Kalium-Verbindung lagert. Sprengstoffexperten des Landeskriminalamts (LKA) sowie der ABC-Zug, eine Spezialeinheit des Katastrophenschutzes für Unglücksfälle mit atomaren, chemischen oder biologischen Gefahrstoffen, rückte aus. Die Experten stellten fest, dass die Mischung in dem Behälter brennbar, ätzend und hochexplosiv war.

Nach Unterrichtsende, als die Schule leer war, wurde der Behälter mit äußerster Vorsicht in einen Laster des ABC-Zuges in einem Haufen Sand verstaut. Die Forstenrieder und die Münchner Straße wurden gesperrt. Um die Bevölkerung bestmöglich zu schützen, rollte der Konvoi über einsame Waldwege durch den Forstenrieder Park.

Die Kiesgrube in Planegg wurde weiträumig abgesperrt, ein Polizeihubschrauber leuchtete den Sprengmeistern aus der Luft, gleichzeitig wachte er über ein extra ausgesprochenes Flugverbot über dem Gebiet. Rettungswägen und Notärzte standen bereit. Mehr als 150 Einsatzkräfte waren im Einsatz.

Sprengung in der Kiesgrube

Kurz nach 21 Uhr flog die Schul-Chemikalie zusammen mit gezielt eingesetztem militärischen Sprengstoff in die Luft. Kommentar des Feuerwehrkommandanten nach dem Knall: "Da ist schon was dahinter." Vize-Schulleiterin Angelika Eckardt sagte am Freitag zur AZ: "Wir hatten zunächst vom LKA die Information, das sei Standardprogramm – und so etwas käme immer wieder mal vor an Schulen. Wir waren dann auch erstaunt über das Ausmaß ..."

Im Video, das die Freiwillige Feuerwehr Pullach bei Facebook hochgeladen hat, hört man die Explosion deutlich.

 

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